Saw 4

OT: -  95 Minuten -  Horror
Saw 4
Kinostart: 07.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Saw 4

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Alle Jahre wieder, schafft es ein neuer Teil der beliebten Saw Reihe in die Kinos, und schon langsam kann man so ungefähr nachfühlen, wie es wohl damals bei der Halloween, Freitag der 13. und A Nightmare on Elm Street  Reihe war. Am Beginn stand der trotz etwas schwächeren Darstellerleistungen, und der kleineren Fehler großartige Saw, der vor allem durch seine knackige Atmosphäre ein Hit wurde. Bei den Fortsetzungen hatte man sich allerdings auf die falschen Zutaten konzentriert, denn was den ersten Teil ausmachte war nicht die visuelle Brutalität, mit der auch sparsam umgegangen wurde, sondern vor allem die psychologische Intensität und der kompakte Spannungsbogen. Die Fortsetzungen versuchten vor allem durch immer grausamere Fallen zu punkten, aber die Qualität ging dabei stetig bergab. Saw 4 ist nun zumindest in einer Hinsicht eine Überraschung: Denn der Film versucht gar nicht erst noch härter als sein Vorgänger zu sein. Schade ist nur, dass er dafür auch absolut keine Spannung erzeugen kann.

Jigsaw (Tobin Bell) und seine Assistentin Amanda (Shawnee Smith) sind tot. Die Agenten Strahm (Scott Patterson) und Perez (Athena Karkanis) schalten sich in den Fall rund um den mysteriösen Serienkiller ein, als sie die Leiche von Detective Kerry (Dina Meyer) finden. Offiziell sollen sie Detective Hoffman (Costas Mandylor) bei dem Fall unterstützen, in Wahrheit versuchen sie allerdings einen Maulwurf zu enttarnen, der in Verdacht steht mit Jigsaw zusammen zu arbeiten. Die Spiele des Serienmörders sind nämlich auch nach seinem Tod nicht vorbei, und so tappt der Polizist Rigg (Lyrig Bent) in eine seiner Fallen, und hat nun 90 Minuten lang Zeit um den von Jigsaw entführten Polizsiten Eric Mathews (Donnie Wahlberg) zu retten, der mit einer Schlinge um den Hals auf einem Eisblock steht. Doch auch der leitende Ermittler Hoffman ist in diese Falle eingebaut, denn wenn Mathews stirbt, dann wird er auf einem elektrischen Stuhl gegrillt. Rigg muss also quer durch die Stadt hetzen um einen Test nach dem anderen zu bestehen...

"If it's Halloween, it must be Saw!" An diesen Leitsatz der Serie kann man sich getrost halten, denn seit der erste Teil im Jahr 2004 erschienen ist, haben die Macher jedes Jahr eine weitere Fortsetzung auf den Markt geworfen. Traditionsgemäß erscheint diese in den USA zu Halloween, und die Fans in Deutschland und Österreich müssen sich bis Februar gedulden. Man mag vom dritten Teil der Reihe halten was man will, aber man muss zumindest zugeben, dass er den Zuseher mit einer gewissen Spannung zurückgelassen hat. Wie sollen die Macher es bloß schaffen die Serie ohne Jigsaw fortzuführen?

Es sollte jedem klar sein, dass Jigsaw wirklich Tod ist, denn dies wurde ja am Ende von Saw 3 mehr als deutlich dargestellt. Dennoch gab es in diversen Fanforen riesige Spekulationen darüber, was nun wirklich los ist, als bekannt wurde, dass Tobin Bell auch in Saw 4 mitspielen würde. Die Antwort dazu ist kein großer Spoiler, denn es scheint beinahe so als wollten die Macher gleich am Beginn des Films klarstellen, dass der Mörder wirklich weg von der Bühne ist, als sie eine durchaus explizite Autopsie zeigen, in der Jigsaw feinsäuberlich auseinander genommen wird. Für die Gorehounds ist dies sicher ein gelungener Einstieg, denn die eingesetzten Effekte, kombiniert mit der Saw Taktik alles zu zeigen, verfehlen nicht ihre Wirkung. Und Jigsaw wäre nicht Jigsaw, hätte er nicht noch für eine Überraschung gesorgt, und so finden die Ermittler in seinem Magen eine kleine Kassette.

Doch neben den anderen Faktoren durchzieht noch etwas die Saw-Franchise wie ein roter Faden: Ausnahmslos alle Fortsetzungen bis dato, inklusive Saw 4, versuchten ihren direkten Vorgänger größenmäßig noch zu überbieten. In Saw machte es noch einen Großteil des Reizes aus, dass sich der Film um zwei Personen in einem heruntergekommenen Badezimmer dreht. Durch diese kammerspielartige Herangehensweise wird die Hilflosigkeit der Figuren in den Vordergrund gerückt. In Saw 2 ging viel von der Atmosphäre verloren, da man gleich auf einige Personen setzte, die in einem Haus eingesperrt sind, und in Saw 3 schließlich mutierte der Film schon nur mehr zu einer Clipshow von Folterszenen, die sich, um das Haus noch zu überbieten, in einer großen Fabrikhalle abspielten. Saw 4 muss nun natürlich, gemäß dem Gesetz der Serie noch eines draufsetzen, und verteilt so die Folterspielchen quer über die ganze Stadt.

Trotz aller Schwächen, die sich die Serie im Laufe ihrer Entwicklung zugelegt hat, werden die Fans, der Saw Franchise einfach nicht überdrüssig. So verwundert es nicht, dass die Macher bereits vor dem Start von Saw 4 die Teile 5 und 6 angekündigt haben, und nach dem guten Boxofficeergebnis, werden diese wohl auch garantiert kommen. Es ist keine Frage dass die Saw Serie, die wohl lukrativste Horrorserie aller Zeiten ist, und dass die Macher die Kuh solange melken, solange sie Milch gibt. Und viel mehr ist Saw auch nicht mehr: Nur mehr eine sichere Cashcow, die jedes Jahr, auch unterstützt durch sehr geringe Kosten, einen gewaltigen Geldregen auf die Produzenten niederlässt.

Da also noch zwei weitere Teile angekündigt wurden, und der berühmte Serienmörder ja bereits in Saw 3 verstorben ist, muss auch ein gewisses Umdenken her. Mit Saw 4 soll die Serie neu gestartet werden, denn um die Geschichte fortzuführen, braucht Jigsaw einen Nachfolger. Wie sich die Fans der Serie bereits denken können, wird die oben beschriebene Geschichte, in der Rigg quer durch die Stadt hetzt um einen Test nach dem anderern zu absolvieren, mit Sicherheit dazu führen, dass am Ende ein spektakuläres Finale ansteht, unterstützt mit dem klassischen Plot-Twist, für den die Saw-Serie so berühmt ist, der dann schließlich kurz vor dem Ende den neuen Jigsaw präsentiert.

Dies hat natürlich einen Haken: Denn die Offenbarung des neuen Jigsaws ist völlig an den Haaren herbeigezogen, und ergibt nicht wirklich Sinn. Natürlich können die Fans anmerken, dass der genaue Hintergrund dazu dann in den weiteren Teilen erklärt wird, aber dies ändert nichts daran, dass dies in Saw 4 einfach überhaupt nicht funktioniert. Man geht sogar noch einen Schritt weiter und gibt der ganzen erzählten Geschichte, in einem zugegeben überraschenden Finale eine total neue Richtung. Doch überraschend ist nicht unbedingt mit überzeugend gleichzusetzen, denn im finalen Twist reduzieren die Macher Saw 4 endgültig auf einen reinen Pausenfüller, der die Brücke zu den weiteren Teilen schlägt.

Paralell zu der Hauptgeschichte wird der einzig interessanten Figur im Saw Universum, Jigsaw, eine Hintergrundgeschichte verpasst, die den Mythos um diese Figur leider etwas zerstört. Durch das Verhör mit seiner Ex-Frau, und den vielen Rückblenden wird detailiert begründet, was denn nun schließlich dazu geführt hat, dass er zum Serienkiller wurde. Doch wer will das wirklich wissen? Filme wie Hannibal Rising hatten ja bereits gezeigt, dass dies der Figur das Mysteriöse und Geheimnisvolle nimmt, und sie so zu einem klassischen 08/15 Charakter werden lässt. Mit Jigsaw ist dies nun leider recht ähnlich, und abgesehen davon dass diese Rückblenden den Filmfluss reichlich bremsen, geben sie auch Einblicke in die Figur, die man eigentlich gar nich haben will.

Doch auch einen weiteren Schritt hat man mit Saw 4 gewagt. Zum ersten Mal seit Beginn der Saw-Franchise versucht ein Film nicht härter als sein Vorgänger zu sein. Man darf gespannt sein wie die Gorehounds und Saw-Fans darauf reagieren, ist es doch ein klassisches Merkmal der Reihe brutal und ausgesprochen hart zu sein. Natürlich ist Saw 4 kein Kindergeburtstag, und die Folterspielchen sind gewohnt pervers, aber verglichen mit dem ultraharten Saw 3 (Stichwort Ringe aus dem Körper reissen, oder Körper verdrehen), kann Saw 4 in keiner Sekunde mithalten. Saw 3 war von der reinen visuellen Brutalität ein absolutes Novum, aber jeder der diesen Film gesehen hat, wird von Saw 4 kaum noch geschockt sein.

Was sich weiters als große Schwäche der Saw-Fortsetzungen herausstellt, ist die stets weniger vorhandene Spannung. Dies liegt vor allem daran, dass seit dem ersten Teil nur mehr völlig austauschbare Figuren verheizt werden, die in vielen Fällen erst zu den Folterspielchen auftauchen, und danach auch schon wiedetr sang- und klanglos von der Bühne verschwinden. Da dem Zuseher die Opfer der Folterinstrumente somit reichlich egal sind, ist es lediglich die visuelle Härte, durch die Saw Emotionen erzeugt, aber auf psychologische Ebene konnte keine der bisherigen Fortsetzungen vordringen. Saw Fans werden sich wohl dennoch nicht entmutigen lassen, und der Serie weiter treu bleiben. Ich persönlich verstehe den Hype um diese Reihe nicht, denn ausser einem wirklich guten Erstling und vielen Nachfolgern, die nur mehr das Geld abkassieren, hat Saw momentan nicht mehr viel zu bieten.

Fazit:
Jigsaw und seine Assistentin sind tot, aber dennoch wollen die Macher ihre Cashcow nicht aufgeben. Demnach muss natürlich ein neuer Bösewicht her, der das Zepter übernimmt. Doch leider ist Saw 4 dabei nicht viel mehr als der Brückenschlag zu den folgenden Teilen geworden. Überraschend ist allerdings, dass man die Brutalität gegenüber dem dritten Teil eine Spur zurückgedreht hat, was bewirkt dass der erfahrene Saw Fan durch diesen Film wohl kaum noch geschockt wird. Natürlich hat man sich wieder einige kreative Folterspiele einfallen lassen, aber dadurch dass die Opfer dieser Spiele vollkomen farblos bleiben, baut der Zuseher nie ein wirkliches Interesse für ihr Schicksal auf. Hinzu kommt, dass man durch Rückblenden viel zu viel über die Vergangenheit von Jigsaw erzählt bekommt, was seine mysteriöse Aura gehörig dämpft. Das Finale des Films erfolgt selbtverständlich in bester Saw Manier, und führt den neuen Killer ein. Leider fällt dies nicht sonderlich glaubhaft aus, aber die Teile 5 und 6 werden diesen Makel wohl wieder bereinigen. Aus meiner Sicht ist Saw 4 dennoch ein reichlich spannungsarmes Werk, dessen einziges Ziel es ist die Cashcow am Leben zu erhalten.

Wertung:
4/10 Punkte

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Ø Wertung: 3.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 11
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Liste von Al
Erstellt: 21.06.2014