Leviathan (2012)

OT: Leviathan - 87 Minuten - Dokumentation
Leviathan (2012)
Kinostart: 01.03.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Leviathan

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Mit Leviathan schaffen die zwei Filmemacher Lucien Castaing-Tylor und Véréna Paravel ein visuell beeindruckendes, dokumentarisches Meisterwerk. Über ein dutzend Kameras begleiten eine Handvoll Fischer bei ihrer täglichen Arbeit auf einem Kutter. Dabei erschaffen die beiden ein ethnografisches Essay, ein hypnotisierendes Feuerwerk aus Bildern, über den immerwährenden Kampf der menschlichen Zivilisation gegen die unbändige Gewalt der Natur.

Das mythologische Seeungeheuer Leviathan wird in Form eines Fischkutters in unsere Welt getragen. Auf dem Rücken und im Bauch des Schiffs tummelt sich die Besatzung. Im Akkord - den Gesetzen der Maschinen gehorchend - gehen sie unerschöpflich ihrer Arbeit nach. Ihre müden Körper sind geschunden von der harten Arbeit und Ornamenten der Zivilisation zieren in Form von Tätowierungen ihre Arme. Viel Platz für Leben, gibt es an Bord nicht. Alles gehorcht dem Diktat des Schiffs, den schweren Ketten und den kreischenden Motoren. Wie ein unzähmbares Seemonster pflügt der Stahlkoloss durch die raue See, speit die unverdaubaren Fischreste durch die stählernen Zähne der Reling. Die maschinelle Welt des modernen Fischfangs prallt auf die Urgewalt der Natur und hinterlässt ein blutiges Schlachtfeld.

In den ersten Minuten des Films versucht man als Zuseher verzweifelt die gezeigten Bilder in einen bekannten Zusammenhang zu bringen, doch der Film verwehrt eine kontemplative Rezeption. Zu fragmentarisch, zu sehr den konventionellen Wahrnehmungsmechanismen entzogen sind die gelieferten Bilder. Lässt man sich auf dieses ästhetische Spiel ein offenbart sich ein visuelles Abenteuer in dem sich ständig etwas Neues entdecken lässt. Schnell verfällt man in einen fast tranceartigen Zustand, der durch den dröhnenden Klang der Naturgewalten und den allgegenwärtigen Lärm der schweren Maschinen verstärkt wird.

Grundsätzlich dokumentieren Castaing-Tylor und Paravel in ihrem Dokumentarfilm den modernen Fischfang. Die beiden Regisseure verzichten jedoch komplett auf einen kohärenten Handlungsbogen oder einen belehrenden Erzähler. Sie überlassen die Regie der befreiten Kamera, die nahtlos von den Händen der Filmemacher hin zu den Fischern, hinab in den tiefen Schlund der Tiefsee und wieder hinauf in das Reich der Möwen schnellt. Gleichzeitig ist man einer ununterbrochenen Lärmkulisse ausgesetzt, in der selbst das gesprochene Wort im omnipräsenten Grollen des Kosmos aufgeht. Die Thematik des Films wird rein durch die gezeigten Bilder transportiert, ohne dabei einer regelgeleiteten Bildgrammatik zu folgen. Losgelöst von der Schwerkraft und jeglicher konventioneller Wahrnehmungsmechanismen verdichten sich die fragmentarischen Bilder zu einem sehr unmittelbaren Erlebnis.

Fazit:
Selten zuvor hat ein Film ein so authentisches und gleichzeitig visuell beeindruckendes Dokument hervor gebracht. Dabei wird die Ästhetik des Films keinesfalls über die transportierte Thematik gestellt. Im Gegenteil. Das audiovisuelle Zusammenspiel der gezeigten Ereignisse lässt den Zuseher unmittelbar die unerbittliche Gewalt des industriellen Fischfangs erleben. Leviathan zeigt, was das moderne Kino kann und hinterlässt beim Zuseher einen irritierenden und gleichzeitig überwältigenden Eindruck. Filmkunst auf höchstem Niveau die das Kino, einmal mehr, sehr gehenswert macht.

Wertung:
9/10 Punkte
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Ø Wertung: 8.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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