Don Jon (2013)

OT: Don Jon - 90 Minuten - Komödie / Drama / Romantik
Don Jon (2013)
Kinostart: 15.11.2013
DVD-Start: 25.03.2014 - Blu-ray-Start: 25.03.2014
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Filmkritik zu Don Jon

Bereits am Anfang des Jahres hat das Genre der romantischen Komödie einen Aufschwung erlebt. David O’Russell vereinte in seinem Film Silver Linings - Wenn du mir, dann ich dir zwei Charaktere mit ernst zu nehmenden Problemen, veranschaulichte dies äußerst kurzweilig und vergas dabei nicht den Ernst der Situation. Damit verpasste er dem Genre, welches sich seit Jahren in der Stagnationsphase befindet, die fehlende Note und gab denjenigen, die das Genre schon lange abgeschrieben hatten neue Hoffnung. Direkt an David O’Russell schließt sich nun der Regiedebütant Joseph Gordon-Levitt, bekannt als Schauspieler aus den Christopher Nolan Filmen Inception und The Dark Knight Rises, an. Er geht den Weg, den David O’Russell eingeschlagen hat, weiter und trotzdem hat sein Film nicht viel mit Silver Linings gemeinsam. In beiden Filmen geht es nicht darum die Grenzen des Genres zu erweitern, sondern um die Präsentation einer Geschichte in einem Genre, inklusive gezielt eingesetzten Veränderung im Handlungsverlauf.

Darüber hinaus wollte Joseph Gordon-Levitt, der auch das Drehbuch zum Film Don Jon’s Addiction verfasste, eine Liebesgeschichte erzählen und fokussiert sich dabei auf die Objektivierung des Subjekts. Der Mensch betrachtet in diesem Fall seine/n Partner/in als Objekt, beispielsweise als Objekt der Begierde. Dies führt im Endeffekt dazu, dass die Menschen in einer Beziehung nicht miteinander kommunizieren, sondern sich stets gegenseitig verurteilen, da der jeweils andere nicht den Prototypen entspricht, die ihm / ihr die Medien vorschreiben. Das alles hört sich nach einem ernst zu nehmenden Thema an, doch als Leser dieser Rezension sollte man sich hier nicht abschrecken lassen, denn Joseph Gordon-Levitt hat sich dazu entschieden den lustigen Weg zu gehen. Der Regiedebütant erzählt im Film also eine simple Boy meets Girl-Story und räumt nebenbei mit sämtlichen Kitsch und Klischees der romantischen Komödie auf. Sein Humor ist kompromisslos und lädt demnach stets zum herzhaften Lachen ein.

Jon Martello (Joseph Gordon-Levitt) ist ein junger, gut aussehender Mann, der wöchentlich mindestens eine Frau in sein Bett schleppt. Doch diese sexuelle Befriedigung reicht ihm nicht aus, sodass er sich zusätzlich nach dem Sex noch mithilfe von Pornos selbst befriedigen muss. Da er religiös und konservativ erzogen wurde, beichtet er regelmäßig in der Kirche seine Sünden: drei Mal unehelichen Sex und acht Mal masturbiert. An einem Wochenende lernt Jon in einem Club die attraktive Barbara (Scarlett Johansson) kennen, die nicht so leicht zu haben ist. Aus diesem Grund bleibt Jon bei ihr hängen. Als die Beziehung zwischen den beiden ernster wird, lernt Jon Esther (Julianne Moore), eine ältere Frau kennen…

Don Jons Addiction beruht auf den Frauenhelden Don Juan, nur das es sich hier um eine sehr moderne Version des Helden handelt. Joseph Gordon-Levitt skizziert Jon Martello als metrosexuellen Vorzeige-Macho. Jon betrachtet sich beim Sport gerne im Spiegel und sagt dabei das Vater Unser auf. Der Regisseur objektiviert sich damit selbst für den Zuschauer, indem er häufig im Film seinen Körper zur Schau stellt. Er trägt oft und gerne ein Tank-Top, um seine Muskeln zu zeigen und legt großen Wert auf eine aufrechte Körperhaltung. Gordon-Levitts Porträt der Figur ist nicht nur selbstironisch sondern befindet sich auch haarscharf an der Grenze zur Karikatur und genau dieser Faktor erzeugt Lacher am Fließband.

Daran kann problemlos Scarlett Johanssons (Hitchcock, Marvel’s The Avengers) Darstellung der Figur Barbara angehängt werden. Die Schauspielerin legt wortwörtlich eine Glanzleistung als egoistische und sexy „Prinzessin“ ab. Das Zusammenspiel der beiden Darsteller und Figuren führt zu urkomischen Situationen, die noch lange nach dem Film im Gedächtnis des Betrachters bleiben werden. Erwähnenswert ist auch Julianne Moore, die ihren Job auch sehr gut macht, auch wenn ihre Figur nicht so humorvoll angelegt ist wie die restlichen Charaktere des Films.

Zwar sind die Szenen zwischen Barbara und Jon sehr humorvoll, aber trotzdem definieren diese nicht ganz den Humor des Films. Dieser ist nämlich uneingeschränkt kompromisslos, denn Don Jons Addiction ist nicht nur Boy meets Girl, sondern auch Romantic Comedy meets Porn. Demzufolge werden stets Szenen aus Pornofilmen im Film eingeschnitten, beispielsweise um den Sex mit der Freundin mit dem Sex im Porno zu vergleichen. Natürlich entstehen daraus äußerst amüsante Schenkelklopfer. Hinzu kommt noch die Parodie des eigen verwendeten Genres. Joseph Gordon-Levitt reiht im Verlauf des Films unzählige Klischees des Genres aneinander und verbindet diese mit Kitsch, nur um sich direkt im Anschluss darüber lustig zu machen und das in einer raffinierten Art und Weise. Zum Beispiel hat der Regisseur zwei äußerst populäre Schauspieler für einen Cameo-Auftritt in seinem Film überzeugt, der völlig unangekündigt kommt und somit für eine lustige Überraschung sorgt.

Don Jons Addiction besteht aber nicht nur aus Comedy. Der Film schlägt auch ernstere Töne ein, hält sich aber nicht besonders lange in diesem Terrain auf. David O’Russells Silver Linings befasste sich beispielsweise tief greifender mit den vorgestellten Problemen der Charaktere. Joseph Gordon-Levitts Don Jons Addiction wurde für die Massen konzipiert und hat als erstes Ziel exzessiv zu unterhalten. Der Film ist somit die komödiantische Antwort auf Steve McQueens Drama Shame mit Michael Fassbender in der Hauptrolle.

Fazit:
Joseph Gordon-Levitts Regiedebüt Don Jon’s Addiction ist die humoristische Antwort auf Steve McQueens Shame. Der Film ist selbstironisch und dabei urkomisch. Zudem sind Scarlett Johansson und Julianne Moore in ihren Rollen perfekt besetzt. Die romantische Komödie räumt darüber hinaus mit den Klischees des Genres auf und ist aufgrund seines Humors für die Massen konzipiert, wird aber Arthaus-Liebhaber nicht abschrecken. Die vergebenen acht Punkte gehen haarscharf an einer Bewertung mit 9 Punkten vorbei, da der Regisseur den Schwerpunkt auf Unterhaltung legt und die Ernsthaftigkeit des im Film vorgestellten Problems im Vergleich zu den anderen oben aufgeführten Aspekten nicht tiefgründig genug behandelt.

Wertung:
8/10 Punkte
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 19
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