The Grandmaster (2013)

OT: Yi dai zong shi - 130 Minuten - Action / Drama
The Grandmaster (2013)
Kinostart: 28.06.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Grandmaster

Populär wurde der Kampfkunststil Wing Chun durch den Kung Fu-Meister Ip Man, der darüber hinaus auch der Lehrer von Bruce Lee war. Übersetzt bedeutet der Kampfstil ‚schöner lobender Frühling’. Dadurch wird ersichtlich, dass Ip Man seine Kampfsprache als aufblühende Phase betrachtete. Kung Fu ist nicht nur ein Kampfstil, sondern auch eine Lebensart und dies zeigt auch der chinesische Regisseur Wong Kar Wai in seinem Film The Grandmaster. Dabei erzählt er die Geschichte von Ip Man in einer geschickten Art und Weise und beansprucht damit die vollste Aufmerksamkeit des Zuschauers. Der Film handelt nämlich nicht nur von Ip Man, sondern unter anderem auch von der Martial-Arts-Kämpferin Gong Er, die ihren inneren Konflikt mit ihrer Körpersprache ausdrückt.

Ip Man (Tony Leung Chiu Wai) lebt in den 1930ern in Foshan im Süden Chinas mit seiner Frau (Song Hye Kyo) und seinen zwei Kindern. Er hat ein Vermögen geerbt und muss sich folglich nicht um ein festes Einkommen kümmern. Diese Situation ändert sich aber schlagartig, nachdem die Japaner in China einwandern. Noch vor dieser Belagerung verlässt der Kung Fu-Meister Gong Baosen (Wang Qingxiang) den Norden Chinas und reist in den Süden, um dort seine zweite Abschiedszeremonie zu halten. Zugleich soll dort auch der nächste Meister des Südens ermittelt werden. Kein weiterer als Ip Man meldet sich für diesen Posten, sodass Gong Baosen und Ip Man einen Kampf ankündigen. Allerdings entwickelt sich der Kampf zwischen den beiden zu einem Austausch von Denkweisen.

Da es letztendlich nicht zum richtigen körperlichen Akt zwischen Ip Man und dem alten Meister gekommen ist, fordert Gong Er (Ziyi Zhang), die Tochter des Altmeisters und zugleich Erbin der Kampftechnik ‚64 Hände’, Ip Man zu einem Duell heraus. Sie möchte die Ehre ihrer Familie damit aufrechterhalten. Ferner verbündet sich Ma San (Zhang Jin), der Nachfolger von Gong Baosen, mit den Japanern und verrät somit seinen Meister, welcher daraufhin stirbt. Gong Er möchte nun diesen Verrat rächen und gegen den letzten Willen ihres Vaters handeln…

The Grandmaster beginnt mit einer packenden Kampfszene. Der Filmemacher Wong Kar Wai setzt die Kamera, welche vom Franzosen Philippe Le Sourd geführt wird, mitten ins Geschehen. Die Kamera ist hier so nah platziert, dass die ganze Wucht der Schläge beinahe direkt zu spüren ist. Der Regisseur wechselt zwischen Zeitlupe und normaler Geschwindigkeit und veranschaulicht damit gezielt bestimmte Kampfbewegungen. Außerdem behält der Zuseher hier auch den Überblick im Kampfgeschehen. Äußerst gelungen ist des Weiteren nicht nur die Kameraführung während den Kämpfen, sondern auch die Wahl und Gestaltung der Schauplätze.

Wong Kar Wai hat beispielsweise einen freien Platz ausgesucht und lässt seine Martial-Arts-Kämpfer im Regen gegeneinander antreten. Hierbei entstehen wirklich sehenswerte Bilder. Ein weiterer Ort ist das legendäre Bordell Gold Pavillon, welches bemerkenswert ausgestattet ist und wegen der eingebauten Etagen und Treppen auch eine Abwechslung im Kampfgeschehen bietet. Die Auseinandersetzung im Pavillon erinnert zudem an Quentin Tarantinos Kill Bill (2004). Dies liegt aber daran, dass der Action-Choreograph Yuen Wo Ping sich bereits an den Projekten Matrix (1999) und Kill Bill beteiligt hat. Ansonsten wird der Martial-Arts-Höhepunkt im Film neben einem abfahrenden Zug im Schnee aufgeführt. Trotz eingefügter Zeitlupesequenzen wird dem Zuschauer in dieser Szene die Schnelligkeit der Kampfbewegungen eines Kung Fu-Kämpfers bewusst. The Grandmaster ist somit eine Goldgrube für Martial Arts-Liebhaber.

Nebenbei zeigt das Kung Fu-Drama, dass ein Grandmaster nicht nur die Kampfkunst und damit einen oder auch verschiedene Stile beherrscht, sondern auch ein Herz und einen Geist besitzt. Im Zuge dessen präsentiert Wong Kar Wai eine aussagekräftige Liebesgeschichte und überzeugt damit auf ganzer Ebene. Der Film kombiniert Kampfkunst mit Romantik. Eine ungewöhnliche Verknüpfung, welche aber bei der kleinsten Berührung die größte Wirkung auslöst. Damit diese Wirkung erzielt werden kann, muss einfach alles sitzen. Infolgedessen regen die Dialoge zum Denken an und die Musik, welche diese Szenen untermalt, trifft genau ins Schwarze und ist daraufhin fabelhaft positioniert.

Außerdem kann sich auch die Figurenzeichnung sehen lassen. Die Handlungen der Charaktere sind nachvollziehbar und ihre Stellung in der damaligen Gesellschaft klar skizziert. Die damit verbundenen Konflikte werden fein herausgearbeitet und dem Zuschauer somit anschaulich vorgeführt. Die Musik spielt auch hier eine bedeutende Rolle. Sie reflektiert den inneren Kosmos der Charaktere.

Weiters sagt Ip Man selbst im Film, dass der Winter in seinem Leben eingetreten ist, nachdem die Japaner seinen Heimatort besetzt haben. Hiermit beginnt auch der unangenehme Teil für Ip Man. Genauso weist The Grandmaster auch einen unangenehmen Teil für seinen Betrachter vor. Aufgrund der nicht linearen Erzählweise, der zahlreichen Charaktere und der historischen Hintergrundsgeschichte, muss man als Zuseher stets seine vollste Aufmerksamkeit parat haben. Zudem wirkt der Film partiell etwas überladen und verliert damit an manchen Stellen seinen aufgebauten Reiz. Besonders zu beobachten ist dies bei den Szenen, welche die historischen Ereignisse erklären sollen. Als Zuschauer erhält man keinen tief greifenden Einblick in die historischen Ereignisse und kriegt diese demnach nur nebenbei mit. Doch auch mit kleinen Schwächen ist The Grandmaster auf alle Fälle sehenswert und wird somit nicht nur Martial-Arts-Fans begeistern, sondern auch andere Zuschauer auf sich aufmerksam machen.

Fazit:
Der Film des chinesischen Regisseurs Wong Kar Wai taucht den Betrachter von der ersten Sekunde an in die Martial-Arts-Welt ein und bietet nicht nur faszinierende Actionszenen sowie fein herausgearbeitete Choreographien, sondern auch eine berührende Romanze und nachvollziehbare Charaktere. The Grandmaster skizziert den Weg eines Kung Fu-Kämpfers, der die Stationen „Being. Knowing. Doing“ (Wong Kar Wai) beinhaltet und beweist damit, dass Kung Fu mehr als nur eine Kampfkunst ist.  

Wertung:
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Filmering.at
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2013
Liste von arienette
Erstellt: 23.04.2013