Maria muss packen (2012)

OT: Eksmisja - 80 Minuten - Dokumentation
Maria muss packen (2012)
Kinostart: 22.03.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Maria muss packen

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Maria muss packen ist nicht nur ein politisch engagierter Film, der die Frage nach sozialer Gerechtigkeit im post-sozialistischen Polen stellt, sondern auch ein berührendes und persönliches Familienporträt und eine packende Allegorie an das Altern und die Lebenslust im hohen Alter. Es sind die Großeltern des Filmemachers Filip Malinowski selbst, die in diesem warmen und wirklich herzerwärmenden Dokumentarfilm porträtiert werden. Die beiden über 80-jährigen Rentner sollen aus ihrer Wohnung, in der sie 60 Jahre ihres Lebens verbracht haben, ohne hinreichende Begründung vertrieben werden.

Maria ist 81, eine fröhliche Optimistin und eine geistig jung gebliebene und vitale Frau. Ihr Ehemann Tadeusz, 80, ist das genaue Gegenteil: ein eher schweigsamer Pessimist, der stets das Schlimmste fürchtet - geprägt von seinen Erfahrungen im Krieg und der Überzeugung, dass die Menschen aus ihren Fehlern nicht lernen. Monatelang kämpfen die beiden gegen den Verlust ihrer Wohnung, sie stellen einen Anwalt an und versuchen mit der Eigentümerin in Kontakt zu treten, jedoch vergebens. Es kommt weder eine Antwort noch eine Begründung für den Rauswurf der beiden Pensionisten, nicht ein Mal lässt sich die reiche Eigentümerin bei den beiden Rentnern persönlich blicken, sie versteckt sich hinter ihrer Immobilienfirma und bewahrt sich vor jeglicher Konfrontation mit den Mietern. Die beiden Pensionisten sind, wie viele andere Menschen in Polen, hilflos der Willkür des brutalen Wohnungsmarktes ausgeliefert.

In die Geschichte ihres Kampfes für die Wohnung fließen auch gleichzeitig viele Erinnerungen der letzten Jahrzehnte in der Wohnung hinein. Das liebenswürdige Ehepaar erzählt seine bewegende Lebensgeschichte, angefangen bei der schwierigen Lage im von den Deutschen besetzten und vom 2. Weltkrieg gebeutelten Polen bis hin zu ihrer Laufbahn als Archäologen. Maria bekam ihre Wohnung in der sozialistischen Periode des Landes staatlich zugeteilt, jedoch hatte man kein Recht auf privates Eigentum. Als dann in den Neunzigern die Gesetze geändert wurden und Eigentum wieder geschützt wurde, führte dies zu einer aggressiven Situation zwischen den neuen Eigentümern und den alten Mietern.

Für Maria und Tadeusz ist dieser Kampf hart und kraftraubend, zumal die beiden alt und krank sind. Ihr Zuhause ist in Gefahr, ein Ort, an dem viele Generationen ihrer Familie in den letzten Jahrzehnten aufgewachsen waren, verbunden mit unzähligen guten und schlechten Erinnerungen und dieser Ort droht nun zu verschwinden. Einerseits ist dies ein emotionaler Ort, andererseits auch die Existenzgrundlage der beiden 80-Jährigen und wie sie sagen, auch der Ort, wo sie sterben wollten. Dieser Wunsch kann ihn nun nicht mehr erfüllt werden. Doch trotz der vielen Rückschläge in ihrem Leben und der immerwährenden Ungerechtigkeit, die sie auch in der Gegenwart nicht zu verlassen scheint, bewahren die beiden eine positive Einstellung, ohne Groll gegen ihre Umwelt.

Der Film ist ebenso aktuell wie berührend, er beeindruckt in Bild und Ton und bewahrt gleichzeitig eine soziale Komponente, die brisante sozioökonomische Situation immer mitdenkend. Dabei mutiert der Dokumentarfilm nie zu einer Aufdeckungsstory mit erhobenem Zeigefinger, die darauf aus ist, beim Zuseher Betroffenheit auszulösen. Dafür ist das Vermittelte zu intim, der Filmemacher selbst zu involviert und mitbetroffen. Selten dringt man im dokumentarischen Kino so tief in die Privatsphäre zweier Menschen ein wie in Maria muss packen und noch seltener ist es, dass man sich nicht als Voyeur und Eindringling fühlt.

Fazit:
Maria muss packen dringt tief in die private Sphäre zweier Menschen, die sich aufgrund sozialer Ungerechtigkeit in einer höchst prekären Situation befinden. Was den Film so besonders macht ist seine durchgehend lebensbejahende Grundstimmung, die ansteckend wirkt. Es bleibt zu hoffen, dass es in Zukunft mehr solcher Filme geben wird, die zum Denken und Mitfühlen anregen und dass wir auch von Malinowski mehr zu sehen bekommen in den nächsten Jahren.

Wertung:
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Filmering.at
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