Take This Waltz (2011)

OT: Take This Waltz - 116 Minuten - Komödie / Drama / Romantik
Take This Waltz (2011)
Kinostart: 29.03.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Take This Waltz

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Schon bald kommt der Frühling, die Zeit in der alles zu blühen beginnt, die Zeit der Schmetterlinge im Bauch und der Romantik. Einfach gesagt: die Zeit der Liebe. Doch „Take this Waltz“ lässt sich von diesem „Love is in the air“ Stimmungshoch nicht beeinflussen. Im Gegenteil, am Ende zerschmettert er dieses uns alle so nahegehende Phänomen Liebe erbarmungslos in der Luft und taucht so wunderbar ungeniert, so traumhaft unverträumt in das Innere der Protagonistin ein, dass eines klar wird. Nämlich dass die Liebe nur eine Art Begleiterscheinung unseres Ebenbildes ist und der Mensch selbst, das eigentlich unfassbarste, unbegreiflichste und unvollkommenste Phänomen auf diesen Planeten ist.

Margot (Michelle Williams), 28, ist glücklich verheiratet mit Kochbuchautor Lou (Seth Rogen). Denkt sie. Bis sie im Flugzeug auf Lebenskünstler Daniel trifft, der ihr aufmerksam zuhört – und sie plötzlich nicht mehr weiß, was sie denken und fühlen soll. Als sich herausstellt, dass Daniel ganz in ihrer Nähe wohnt, treffen sie sich häufiger. Wie Diebe stehlen sie sich aufregende Momente aus dem märchenhaften Sommer in Toronto und bald steht Margot vor der Frage: Soll sie an der Geborgenheit des Gewohnten festhalten oder dem Kitzel des Neuen nachgeben?

Was macht „Take this Waltz“ zu einen kleinen Meisterwerk? Kurz gesagt dessen Ehrlichkeit. Diese Ehrlichkeit lässt sich in einigen Elementen des Filmes erkennen. Etwa in der Kameraführung. Durch wirkungsvolle Perspektiven in der die Normalität der Figuren dargelegt werden. Durch wunderbare, aber niemals aufdringliche, Nahaufnahmen der Protagonisten, welche die Verletzlichkeit der Figuren wiederspiegelt. Sowie die gefühlvollen Bilder, die keine Worte brauchen, sondern mit stimmungsvoller Musik noch tiefer in die Haut gelangen. Es sind diese Momente, dieser Mix aus technisch perfekter Handhabung und einer unaufdringlich ehrliche in Bildsetzung der Menschlichkeit in ihrer vollkommenen Unvollkommenheit.

Auch die Geschichte wird schonungslos dargeboten. Dabei wird allerding nicht schwarz-weiß gemalt. Das wahre Leben ist nun mal kein Film in dem es unbedingt zu einer Katastrophe kommen muss und in der es letztendlich zum großen Showdown kommt. In dem meistens dann das Gute gegen das Böse siegt. Den Kampf Gut gegen Böse gibt es hier schlicht weg nicht. Wir sehen einfach das Zusammenleben zweier Menschen die sich Lieben, aber die am Verlust der sexuellen Leidenschaft in ihrer Partnerschaft leiden. Wir sehen eine Frau. die das vollkommene Glück sucht. Eine Frau, die viel Schönes in ihren Leben besitzt, doch der klar wird, dass es in ihren Dasein eine Lücke gibt. Eine Lücke die ihr erst so richtig bewusst wird, als ein Mann in ihr Leben stößt, in den sie sich verliebt und der ihr ermöglichen könnte, dieses Loch zu füllen. Allerdings nicht ohne eine neue Lücke zu öffnen. Die wiederum dem perfekten Glück im Wege stehen wird.

Es befinden sich wahrlich wunderbar aufrichtige und zärtliche Momente in diesem Werk. Allerdings merkt man der Handlung doch ihre geringe Dichte an. Für einen Film steckt etwas wenig Inhalt dahinter. Dies wird zwar mit eben angesprochenen, wunderbar sensiblen Momenten ersetzt, allerdings wiederholen sich einige Szenen (natürlich anders in Bild gesetzt) öfters. Etwa der Versuch von Margot Lou zu verführen, oder das Hinterherschleichen von Daniel. Auch fällt es schwer zum Ende zu kommen und so ist der Film etwas zu lang geraten.

Und das war sie dann auch schon, die kleine Schwäche des Films. Denn mehr gibt es wirklich nicht auszusetzen an „Take this Waltz“. Es ist auch einfach viel angenehmer über die positiven Dinge zu schreiben. Denn durch seine Sensibilität und Aufrichtigkeit, wirkt selbst der Film schon menschlich und verletzlich. Fast so als müsse man ganz sanft mit ihm umgehen, damit man seiner zerbrechlichen Inszenierung nichts anhat. Letztlich seien noch die Schauspieler erwähnt. Ganz große Schauspielkunst bietet uns wiedermal Michelle Williams. Sie hat sich wahrlich mit ihrer Figur auseinandergesetzt und zeigt uns die komplexen Ängste und Gedanken, das aufrichtige Verlangen und die verständlichen Träume einer schlichten jungen Frau.

Auch Seth Roggen kann einmal in einer ernsten Rolle überzeugen. Dabei kann man vor allem von einer gute Leistung sprechen, weil er sich nicht übernimmt und uns genau so viel zeigt, wie er auch im Stande ist zu leisten. Die ganz tiefen Einblicke in sein Inneres, bleiben uns hierbei verwehrt. Doch den witzigen etwas naiven „Nice Guy“ nimmt man im sofort ab. Auch Luke Kirby gibt den geheimnisvollen Nachbar Daniel, seine eigene Note und  bildet ein harmonierendes Gegenstück zu Margot.

Fazit:
Aus „Take this Waltz“ ist ein kleiner aber wunderbar strahlender Filmjuwel geworden. Der Film behandelt in erste Linie nicht die Liebe, sondern das Phänomen Mensch in einer wundervoll gefühlvollen, sensiblen und ehrlichen  Art und Weise. Toll gespielt und wunderbar in Bildgesetzt taucht man in die Welt einer zauberhaft unvollkommenen und liebenswürdigen jungen Dame ein. Zwar ist der Film etwas zu lang geraten und bietet etwas zu wenig  Handlung. Trotzdem ein wirklich sehenswertes und sympathisches Werk ohne Kitsch, dafür ganz ehrlich.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.1/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 9
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