Carrie (2013)

OT: Carrie - 100 Minuten - Drama / Horror
Carrie (2013)
Kinostart: 06.12.2013
DVD-Start: 04.04.2014 - Blu-ray-Start: 04.04.2014
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Filmkritik zu Carrie

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1976 schafft Brian De Palma (Scarface, Mission: Impossible) mit der Verfilmung von Stephen Kings kurz zuvor erschienen Debütroman Carrie einen Genreklassiker. Der Film, der zwar verglichen mit heutigen Horrorfilmen harmlos erscheint, ist zu einem Meilenstein der Horrorgeschichte geworden und wird mittlerweile viel zitiert in der Popkultur, da er das Böse mit dem Menschlichen vereint: Die unschuldige Carrie wird durch erneute Erniedrigung von ihrer Umwelt zum Monster und rächt sich aus tiefster Verzweiflung an ihren Peinigerinnen. Kimberly Peirce (Boys don’t cry) versucht sich nun nach mehr als 35 Jahren an einer Neuverfilmung, die, wie viele (Horror-) Remakes der 2000er und 2010er Jahre, einen bitteren Beigeschmack hat.

Carrie White (Chloë Grace Moretz) wird von ihrer fanatisch religiösen Mutter Margaret (Julianne Moore) äußerst streng erzogen. In der Schule ist sie eine Außenseiterin, hat keine Freunde und wird ständig gehänselt. Den Höhepunkt erreichen die Erniedrigungen, als Carrie in der Dusche nach dem Sportunterricht ihre erste Periode bekommt, daraufhin schreiend um Hilfe ruft und von ihren Mitschülerinnen nur verspottet wird. Sie bewerfen sie mit Tampons und Chris (Portia Doubleday), eine Mitschülerin, filmt die weinende Carrie und stellt das Video sogar ins Internet. Daraufhin wird Carrie von ihrer Sportlehrerin Miss Desjardin (Judy Greer) aufgeklärt und Chris vom Schulball ausgeschlossen. Zur gleichen Zeit entwickelt Carrie telekinetische Kräfte und lernt diese einzusetzen. Entgegen den vehementen Warnungen ihrer Mutter, sie würde nur verlacht werden, geht Carrie schließlich sogar mit einem der beliebtesten Jungen auf den Schulball und amüsiert sich zunächst sehr gut. Doch Chris und ihr Freund planen einen schrecklichen Streich, der den Ball in eine Katastrophe verwandeln wird.

Sissy Spacek war bereits 26 als sie 1976 die Rolle der teuflischen Carrie übernahm- die begabte Jungschauspielerin Chloë Grace Moretz (Kick-Ass, Kick-Ass 2, Hugo) im Remake ist ihrerseits erst 16 Jahre alt. Dementsprechend ist ihre Performance zutiefst unschuldig-naiv gehalten; mit ihrem traurigen Gesicht und den großen Augen bringt sie die Zuseher auf ihre Seite, ist jedoch nicht imstande, auch die seelischen Abgründe von Carrie adäquat darzustellen. Denn Carrie hat allen Grund, verbittert zu sein: Sie hat keine Freunde, wird stets nur schikaniert und ihre religiös- fanatische Mutter versucht sie noch mehr von ihrer Umwelt zu isolieren. Bei der Rolle der Mutter- die sehr überzeugend von Julianne Moore gespielt wird - bleibt man äußerst stark am Original, sogar die Kleidung, die Haare und die Körpersprache wurden vom Vorbildfilm übernommen.

Das Remake bietet nichts grundlegend Neues, der Film bleibt sehr nahe am Roman und an der Verfilmung von 1976, verschiebt jedoch den Fokus auf Carries Figur: Sie ist selbstbewusster und zeitgemäßer inszeniert als die alte Carrie. Dabei rückt das satanische Horrorelement in den Hintergrund zugunsten eines Charakterporträts. Die Neuverfilmung konzentriert sich auf die Tragödie aus Carries Perspektive: die Teenagerin versucht verzweifelt, von ihrer Umwelt akzeptiert zu werden, erhält aber stets eine Absage und das Drama kulminiert letztlich in einem verzweifelten Racheakt. Auch das Ende steht im Zeichen von Toleranz und Akzeptanz und liefert eine Moral: Bei jedem Menschen ist irgendwann einmal das Maß voll, wie man so schön sagt.

Wie bei jedem Remake stellt sich hier die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Produktion. Hollywood ist ja bekannt dafür, bereits vorhandene und erfolgreiche Stoffe zu nutzen bzw. erfolgreich realisierte Kinofilme neu zu inszenieren (hierfür gibt es vor allem Beispiele von weniger berühmten europäischen Originalen und erfolgreichen amerikanischen Remakes ebendieser Filme). Diese Strategie hat sich viele Jahrzehnte bewährt und wird auch heute noch praktiziert, da ein erfolgreicher Roman, ein Remake oder ein Sequel von einem guten Film leichter zu vermarkten sind und die Risiken niedriger liegen. Doch gibt es auch einen künstlerischen Anspruch bei einem solchen Unterfangen? Diese Frage kann man im Falle von Carrie mit Ja und Nein beantworten. Sicherlich ist das Remake kein billiger Abklatsch, der deutlich hinter dem Original hinterherhinkt, aber das Wasser reichen kann er ihm dennoch nicht so ganz. Gilt und galt der Film von De Palma als äußerst innovativ und spannend, überrascht das Remake nur bedingt. Vom blutigen Finale wird man heutzutage nicht mehr schockiert sein, auch wenn es blutrünstiger, expliziter und ausführlicher ist als in De Palmas Version. Trotzdem bietet Carrie eine gute, wenn auch nicht so sehr im Horror- oder Splattergenre verhaftete Unterhaltung mit befriedigendem Rachefinale und versöhnendem Abschlussplädoyer (diese Abrundung am Ende kann man nun positiv oder negativ bewerten, sie ist in jedem Fall kitschig und überzeichnet).

Fazit:
Carrie ist ein gutes Horrorremake, das man sicherlich nicht in einen Topf mit billigen Kopien und misslungenen Remakes werfen kann. Die Version von Kimberly Peirce hebt sich in den wichtigsten Eckpunkten nicht allzu sehr von De Palmas Realisierung ab, wagt jedoch an einigen Stellen wichtige Anpassungen: Carrie wirkt emanzipierter und ihre SchulkollegInnen sind mit iPhones, Social Network- Mobbing und Videos ins heutige Zeitalter überführt. Die Aktualität von Carrie zeigt sich umso mehr im heute praktizierten „Internetmobbing“ und damit im Zusammenhang stehenden, traurigen Fällen von Teenagersuizid und Amokläufen an Schulen. Eine mutigere Adaption, die noch mehr in diese Richtung geht und sich weniger sklavisch an den Roman/ das Drehbuch hält, wäre wünschenswert gewesen, doch ist und bleibt Carrie ein Bestandteil der Populärkultur, der weiterhin gern zitiert, gesehen, wiederholt und parodiert wird und den man auch gerne auf der Leinwand sieht.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.9/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 7
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