Captain Phillips (2013)

OT: Captain Phillips - 134 Minuten - Action / Abenteuer / Biographie / Krimi / Drama / Thriller
Captain Phillips (2013)
Kinostart: 15.11.2013
DVD-Start: 14.03.2014 - Blu-ray-Start: 14.03.2014
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Filmkritik zu Captain Phillips

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Paul Greengrass ist soetwas wie der Großmeister des semi-dokumentarischen Action-Thrillers. Vom packenden Flug 93, über seine intensiven Bourne-Filme, bis hin zum spannenden Irak-Thriller Green Zone - bei Paul Greengrass gehen Bezüge zur Realität immer Hand in Hand mit enormer Nähe zum Geschehen und einem wahnwitzigen Tempo, das den Zuseher förmlich mitwirbelt. Die bereits im wahren Leben eindrucksvolle Geschichte von Captain Richard Phillips, der im Jahr 2009 Kapitän eines von somalischen Piraten gekaperten Containerschiffs war, ist dabei bei Greengrass genau in den richtigen Händen.

Die Maersk Alabama, ein schwer beladenes Containerschiff, sticht im Jahr 2009 unter der Leitung von Kapitän Richard Phillips (Tom Hanks) in See. Während der Fahrt mehren sich die Warnungen, dass sich die Schiffe entlang der Küste Somalias vor Piraten in Acht nehmen müssen, also lässt Phillips vorsorglich die entsprechenden Ernstfälle von seiner 20-köpfigen Crew durchexerzieren. Und dann ist es tatsächlich soweit: Vier somalische Piraten, Muse (Barkhad Abdi), Bilal (Barkhad Abdirahman), Najee (Faysal Ahmed) und Elmi (Mahat M. Ali), rasen mit einem Motorboot heran und schaffen es tatsächlich das Schiff zu stürmen. Es beginnt ein turbulentes Versteckspiel an Bord…

Paul Greengrass ist immer nahe am Geschehen. Stilistisch zeigt sich dies vor allem durch die für ihn so typische Handkamera, deren Einsatz und verwackelte Bildästhetik Greengrass längst zur Kunst erhoben und perfektioniert hat. Sieht man einen Greengrass Film, dann fühlt man sich immer so als wäre man mitten im Geschehen und man kann sich direkt in die Haut der Hauptfiguren einfühlen. In Captain Phillips wird dieser Effekt noch durch zwei Kniffe variiert, die sich vor allem am Schauplatz des Films festmachen lassen: Denn der Film spielt fast ausschließlich auf Schiffen am Meer und fängt damit gleichzeitig die unfassbare Freiheit des Meeres, als auch die beengte Atmosphäre eines Schiffes ein, was im Zusammenspiel mit der Direktheit des Films seine Wirkung nicht verfehlt.

Allgegenwärtig ist dabei das essentielle Thema des Ringes ums Überleben. Eben jenes Thema zieht sich ja wie ein roter Faden durch das Filmjahr: Von Gravity, über 12 Years a Slave und All is Lost bis hin zu Captain Phillips, scheinbar ist der Kampf um die Unversehrtheit des eigenen Körpers im Jahr 2013 ein Kernthema. Und Captain Phillips nähert sich dieser Thematik von einer dualen Warte aus und setzt interessanterweise den Bedrohten und den Bedrohenden in ein wechselseitiges Verhältnis, sodass man die Motivation von beiden Seiten versteht und letzten Endes auch erkennt dass beide Parteien um ihr Leben ringen.

Dabei ist der Film auch ein Treffen der Kulturen. Da wäre auf der einen Seite die westliche, hochtechnologisierte Welt, rund um Richard Phillips, die versucht ihren erreichten Wohlstand zu verteidigen. Dem gegenüber steht die verarmte dritte Welt: Hoffnung gibt es keine und die einzige Chance überhaupt über die Runden zu kommen ist es für die örtlichen Warlords ins Gefecht zu ziehen und Schiffe zu erbeuten. Paul Greengrass bringt uns diese beiden Seiten nahe, lässt uns die Ausgangslage verstehen, bzw. zeigt uns aus welchem Grund beide Parteien an dem Ort sind, an dem sie der Film kollidieren lässt und bringt uns schließlich den Kampf ums Überleben sowohl aus der Sicht des bedrohten Kapitäns nahe, als auch aus der Sicht der Piraten, die sich am einzigen Strohhalm festklammern, der ihnen überbleibt.

Geschickt gelingt es dem Film dabei alle Figuren als glaubhafte Menschen zu skizzieren und nicht in allzu simplen Gut-Böse-Mustern stecken zu bleiben. Man kann auch das Verhalten der Antagonisten nachvollziehen und bekommt einen kleinen Einblick in ihre prekären Lebensumstände. Und spätestens im letzten Akt, wenn sich auch die mächtigste Militärmaschinerie der Welt ins Geschehen einschaltet und man das Gefühl hat, als würde ein perfekt geölter Kampfroboter auf eine Vogelscheuche treffen, entfaltet Captain Phillips eine packende Spannung die man kaum fassen kann. Paul Greengrass inszeniert seinen Film mit einer niederschmetternden Wucht, und schafft es gleichzeitig Assoziationen zum aktuellen Status der Welt hervor zu rufen.

Nicht zu unterschätzen ist dabei die grandiose Performance von Tom Hanks, der gut spielt wie schon lange nicht mehr. Als korrekter und penibler Kapitän, der vom übergenauen Bürokraten zum sattelfesten emotionalen Anker des Films mutiert, meistert er diese schwierige Rolle in jeder Sekunde. Auch wenn das restliche Ensemble sehr gute Arbeit leistet (insbesonders Barkhad Abdi kann noch einen bleibenden Eindruck als Anführer der Piraten hinterlassen), ist Hanks doch die überragende Darstellerleistung des Films gelungen. In Kombination mit der überaus virtuosen Inszenierung von Paul Greengrass, der die Spannungsschraube beinhart anzieht, ist Captain Phillips schlicht ein herausragender Film geworden, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Fazit:
Paul Greengrass erzählt in Captain Phillips ein packendes Überlebensdrama auf hoher See und schafft es dabei sowohl die Seite der Angreifer, als auch die Seite der Angegriffenen glaubhaft darzulegen. Sein Film ist dabei eine unfassbar spannende Achterbahnfahrt der Gefühle, die souverän von einem überragenden Tom Hanks getragen wird, der großartig wie schon lange nicht mehr spielt. Besonders im letzten Abschnitt greift Greengrass noch einmal tief in die Inszenierungs-Trickkiste und schafft es die Spannungsschraube ordentlich anzuziehen. Wer mit dem unruhigen und temporeichen Kino von Paul Greengrass etwas anfangen kann, sollte sich den großartigen Captain Phillips nicht entgehen lassen.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.1/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 25
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