White House Down (2013)

OT: White House Down - 131 Minuten - Action / Drama
White House Down (2013)
Kinostart: 06.09.2013
DVD-Start: 09.01.2014 - Blu-ray-Start: 09.01.2014
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Filmkritik zu White House Down

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Das weiße Haus ist das bestbewachte Haus der Welt hört man in OLYMPUS HAS FALLEN und in WHITE HOUSE DOWN. Will man als Drehbuchautor einen Angriff auf dieses so bedeutende Gebäude rechtfertigen, müssen für die Terroristen ganz hohe Ziele her. Der atomare Weltuntergang zum Beispiel lässt sich sehr gut vom Präsidentenpalast planen. Der Haken an der Geschichte ist die Gestaltung der Flucht. Kurz gesagt, die Planung eines Angriffs schließt stets ein Selbstmordkommando mit ein. OLYMPUS HAS FALLEN legte mit seinen fundamentalistischen Koreanern gut vor und auch bei WHITE HOUSE DOWN geht’s angeblich um viel mehr als Geld. Von diesem Standpunkt aus, so weit so gut. Üble Vollprofis/Terroristen nehmen das Präsidentenhaus ein und wollen ein politisches Statement setzen.

Von diesem Standpunkt aus sind es aber schon allein wegen der architektonischen Struktur des Weißen Hauses, seinen Sicherheitsmaßnahmen und der Figurenverteilung irgendwie die gleichen Filme. Diese banale Parallelität fiele einem nicht sofort auf, wenn WHITE HOUSE DOWN erst nächstes Jahr herausgekommen wäre. Ein unglücklicher Zufall, dass zwischen diesen zwei Filmen kein halbes Jahr liegt und somit Emmerichs White House-Erstürmung schon im Drehbuchstadium für überflüssig erklärt werden durfte.

Anfangen würde ich gern mit einer großen Enttäuschung, da ich annahm, es würde sich um einen Buddy-Movie handeln. Mitnichten! Dabei könnte die  Mischung von einem Sicherheitswachbeamten und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten ziemlich komisch ausfallen. Dabei gibt es allerdings ein fundamentales Problem: Emmerich hat keinen Sinn für Komik. Nicht einmal das unfreiwillig Komische ist mehr komisch. WHITE HOUSE DOWN hätte Spaß machen können. Es hätte ein Film mit einem rumballernden Präsidenten werden sollen, der sich als friedfertiger „Führer der Freien Welt“ für einen kurzen Moment vergessen hat. Mit einem Regisseur und Drehbuchautor, dessen Filme zumeist ironiefrei waren, bleibt dieser Gedanke eine Fata Morgana auf der Leinwand. Roland Emmerich würde sagen: „Tut mir leid, das ist mir `ne Nummer zu hoch.“ Mit seinem republikanisch konservativen Konformismus lag er eben bisher immer sehr komfortabel.
 
Gleichwohl ist etwas anders. Bedenkt man, dass Emmerich zu jenen Filmemachern gehört, die von noch so tiefen Erwartungen nicht gerettet werden können, blitzt hier und da etwas Potential auf. Okay, wie gewohnt die üblich fehlgeleitete Naivität seiner Figuren, die etwas dümmlichen Dialoge von denen man hoffen muss, dass sie nicht noch dümmer werden, aber könnte es trotzdem ein guter Actionfilm werden? Ohne kitschbelastetem Dialog, ohne idiotensicherer Symbolik? Ernsthaft, was wäre es denn für ein „Emmerich-Film“, wenn die zwei Sachen völlig abhanden kämen? Und dennoch, seine merkliche Bemühung die ausufernde Gefühlsduselei  etwas besser zu verteilen. Emmerich muss der grandiose Gedanke gekommen sein, dass nicht jeder Mensch auf dieser Welt ein Gefühlsinvalide ist. So ganz lassen (also gar nicht) konnte er es trotzdem nicht. Es stellt sich heraus, dass man besser daran getan hätte den Ball flach zu halten.

Ein weiteres Problem ist das Tempo. Dieses baut sich schleichend auf und bleibt ab der ersten Explosion niemals auf einer konstanten Höhe. Falls die Absicht war an der Königsklasse des Actiongenres anzukratzen, nämlich in DIE HARD-Manier nachzuahmen, dann kann Emmerich einem nur Leid tun. Er scheint es wirklich versucht zu haben und zeitweise sind da wirklich gute Momente (Verfolgungsjagd auf dem Rasen des White House – wahnsinnig amüsant) im Film zu sehen – letztendlich bricht das Gesamtwerk unter seiner eigenen Dummheit zusammen. Das ewige Thema: Der amerikanische Patriotismus des Deutschen Roland Emmerich, ist hier gar nicht gemeint. Eher stellt sich allgemein die Frage wie und wie sehr patriotische Werte in einem Film transportiert werden? In WHITE HOUSE DOWN wird uns die Selbstverständlichkeit Amerikas, von manchen auch Nationalismus genannt, unverblümt mit historic and other facts about the white house durch ein junges und unkritisches, dafür sehr politisch interessiertes Mädchen, in den Verstand gepflanzt.

Denkt man sich dieses Mädchen (Joey King) als zukünftige Wahlkampfleiterin der Demokraten, lässt sich ihr  unreflektierter  Stars & Stripes-Bildungsauftrag leichter verdauen. Der Präsident (Jamie Foxx) ist in dieser Frage kaum erträglicher. „Lincoln sagte dieses, Lincoln tat jenes.......“ Wenn es nach Emmerich geht, kacken US-Präsidenten Menschenrechte, Weltfrieden und frische Tulpen. Aber eigentlich wird das besagte ewige Thema über Emmerichs Amerikanismus oder vielleicht sogar latentem Antiamerikanismus langsam wahnsinnig langweilig. Wir haben es längst begriffen: Dieser Mann liebt es, die USA als Zentrum aller erdenklichen Konflikte zu stellen (von Naturgewalt bis feindlich gesinnte Aliens) und ihre militärische Vormachtstellung in den Vordergrund zur rücken. Vielleicht hasst sich auch Emmerich selbst, weil er kein gebürtiger Amerikaner ist, sondern das Licht der Welt im öden Deutschland erblickte – ein Land das absolut keinen Beitrag zur Weltgeschichte beigesteuert hat.  

So zwiespältig der Film zwischen tendenzieller Komik und übertriebenem Ernst verfährt, ist ebenfalls der Cast und seine Rollen aufzuteilen. Channing Tatum und Jamie Foxx sind ein durchaus gediegenes Actionduo (aber kein Team!) mit anmutendem Sinn für Humor. James Woods und Maggie Gyllenhaal füllen ihre Rollen solide dramatauglich aus, wogegen die Figur der Tochter (J. King) trotz ihrer Wichtigkeit dramaturgisch verzichtbar wäre. Mangelnde Harmonie unter Emmerichs Charakteren ist ein weiteres altbekanntes Problem.

Fazit:
Mittelmaß auf technisch hohem Niveau: Das Beste was Roland Emmerich erreichen kann. Mit Filmen wie 2012, THE DAY AFTER TOMORROW oder INDEPENDENCE DAY, zeigte er wie niedrig seine Ansprüche auf intellektueller Ebene sind. Zwischen in sich zusammenstürzenden Kontinentalplatten, hallen immer noch die moralisch einwandfreien Worte von Emmerichs aalglatten Einfaltspinseln nach. Bei WHITE HOUSE DOWN ist mit schwülstigen Ansprachen gewiss nicht Schluss. Aber ein leichter Tritt auf die Pathos-Bremse darf positiv hervorgehoben werden. WHITE HOUSE DOWN ist einer von Emmerichs Filmen, die einen nicht völlig in Rage bringen. Was für ein Erfolg für ihn!   

Wertung:
3/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
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Ø Wertung: 5.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 12
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Liste von Hriss Zagoudis
Erstellt: 20.12.2013