Diary of the Dead

OT: -  97 Minuten -  Horror
Diary of the Dead
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Diary of the Dead

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Es ist ja heutzutage wahrlich kein herausragendes Ereignis mehr, wenn es wieder mal ein Zombie-Film in die Kinos schafft. Aber wenn dieser Film von George A. Romero stammt, der sich für die Genreklassiker Night of the Dead, Day of the Dead, Dawn of the Dead und auch Land of the Dead verantwortlich zeigt, dann sieht die Sache schon wieder anders aus. Die Viennale zeigt sich als so großzügig, den aktuellen Film des Zombie-Gurus aufzuführen, der bis dato noch keinen Verleih im deutschsprachigen Raum hat. Mit Diary of the Dead führt Romero seine Zombiescharen in die Gegenwart, und wie man es von ihm kennt, geht er dabei auch gewohnt gesellschaftskritisch ans Werk. Schade nur, dass sich sein Film so einige Durchhänger leistet.

Jason (Joshua Close) zieht mit einer Gruppe von Filmstudenten los, um im Wald einen Horrorfilm zu drehen. Doch während der Dreharbeiten hören sie übers Radio merkwürdige Nachrichten, wonach die Toten wieder zum Leben erwachen und die Menschen angreifen. Doch was die Gruppe zunächst noch als Falschmeldung herabtut, stellt sich schon bald als die bittere Wahrheit heraus, und so beschließen sie, sich in ihr Wohnmobil zu setzen und an einen sicheren Ort zu fahren. Doch Jason hat einen anderen Plan: Mit seiner Kamera filmt er alles mit, um so der Nachwelt einen Beweis zu hinterlassen...

Am Beginn von Diary of the Dead erklärt Debra (Michelle Morgan), die Freundin von Jason, dem Publikum, dass der gezeigte Film ausschließlich das wahre, gefilmte Material von Jason ist, welches durch andere Videos aus dem Netz ergänzt wurde, und über das auch eine Musikspur gelegt wurde, die nur dazu dient, den Zuseher zu erschrecken. Debra begleitet uns auch den ganzen Film über und gibt aus dem Off Kommentare zum Geschehen ab, die vor allem auf Medienkritik ausgerichtet sind. Am Ende stellt sie dann die entscheidende Frage: "Verdienen wir das Überleben überhaupt?"

Dabei könnte man George A. Romero sicher vorwerfen, dass er sich seine Idee mit der Ich-Perspektive beim Blair Witch Project geholt hat, aber gesamt gesehen geht er dann doch einen anderen Weg. Denn beim Blair Witch Project war es ja integraler Bestandteil, dass die Kameraaufnahmen sehr amateurhaft waren und auch nicht von einem professionellen Kameramann stammten. Hingegen sind die Kameraträger in Diary of the Dead ja auch Filmstudenten, und in Wirklichkeit wurde die Kamera von Kameraprofi Adam Swica geführt, was dazu führt, dass die Bilder wesentlich ruhiger und schöner sind.

Dennoch erreicht Diary of the Dead durch seinen sehr interessanten Ansatz, den Film als Fake-Doku anzulegen, einen gewissen neuartigen Flair, da man so etwas im Zombiegenre noch nicht gesehen hat (ich zumindest). Durch den so entstehenden realistischen Look wirkt es ganz anders, wenn plötzlich Zombies durch die Straßen marschieren oder die Hauptfiguren angreifen. Auch die vielen blutigen Szenen haben eine andere Wirkung, wenn sie durch die Ich-Perspektive im Dokustil gefilmt werden. Die Splatter-Effekte sind dabei wirklich gut gelungen, und auch einige kreative Ideen darf man begutachten. Auch ein netter Einfall ist, dass die Gruppe im Lauf des Films eine zweite Kamera findet, und so dann an manchen Stellen der zweite Kameramann im Bild zu sehen ist, was es Romero dann auch einmal ermöglicht, Jason zu zeigen, der dem Zuseher zuvor nur als "gläserner Mensch" diente, aus dessen Blickwinkel man das Spektakel mitverfolgen konnte.

Romero wäre allerdings nicht Romero, wenn er seinem Film nicht auch noch einen gewissen gesellschaftskritischen Anstrich verpassen würde. In Diary of the Dead hat er es besonders auf die Medien in all ihrer Vielfalt abgesehen. In der heutigen Zeit hat man sich ja beinahe schon daran gewöhnt, jede Woche von einem geplanten Anschlag zu hören, oder zu lesen, wie die Medien aus verhältnismäßig kleinen Problemen gleich eine riesige Panik aus dem Hut zaubern. Würde es da wirklich irgendjemand ernst nehmen, wenn in den Nachrichten plötzlich berichtet wird, dass die Toten lebendig werden und drohen, die Menschheit zu vernichten?

Im Besonderen hat es Romero allerdings auf das Internet abgesehen, doch sein Statement beschränkt sich nicht nur auf ein simples Gut und Böse, sondern bleibt ambivalent. So zeigt er Internetblogger und Videoportale wie YouTube als letzte Bastion der Wahrheit, da die großen Medien von der Regierung zensiert werden. Auf der anderen Seite kritisiert er allerdings auch, dass auf vielen Videoportalen wirklich alles konserviert ist und so auch tragische Umfälle als Unterhaltungsware um die Welt gehen. Durch diese Ambivalenz, die das Internet auf der einen Seite als Quelle der freien Meinung, auf der anderen Seite allerdings auch als etwas unterfordertes und falsch genütztes Medium zeigt, erreicht er eine umfassende Kritik, die von ihm zwar moralisch vorgepredigt wird, die man aber dennoch noch ernst nehmen kann.

Doch leider haben sich auch in Diary of the Dead einige Schwächen eingeschlichen, die den Gesamteindruck etwas trüben. So sind vor allem die Figuren reichlich farblos und können nie eine wirkliche Bindung zum Publikum aufbauen. Hauptdarsteller Jason ist überhaupt so gut wie nie zu sehen, und so kommt es auch, dass sein Schicksal und das der Gruppe dem Zuseher ziemlich egal ist. Auch ist die Dramaturgie des Films nicht immer astrein, und so schleichen sich zwischen die wirklich gelungenen Szenen immer wieder so einige Durchhänger ein, die den Filmgenuss etwas ausbremsen.

Für mich ist ein besonderer Reiz des Zombiegenres immer, zu sehen, wie die zivilisierte Welt auseinander bricht und wie aus überfüllten Metropolen plötzlich Geisterstädte werden. Durch diese globale Dimension der Vernichtung erhalten diese Filme erst ihre bedrückende Atmosphäre, aber leider ist von diesem Aspekt nur wenig zu sehen in Diary of the Dead. Auch ist es schade, dass man sich für ein so offenes Ende entschieden hat, welches die Geschichte nicht zu Ende erzählt, sondern einiges für eine Fortsetzung offen lässt. Doch zuviel soll man an diesem Film auch nicht bemängeln, denn durch den an vielen Stellen aufkommenden Humor und die oben erwähnten Stärken ist Diary of the Dead insgesamt doch ein recht sehenswerter Film geworden.

Fazit:
Diary of the Dead hat wirklich einige gute Ideen, die frischen Wind in das Zombiegenre bringen. An der ersten Stelle fällt natürlich die besondere Erzählweise auf, die den Film zu einer Fake-Doku macht, die nur aus dem Blickwinkel der Protagonisten gefilmt wurde, und so auch nur das auf der Leinwand zu sehen ist, was die Protagonisten auch abgefilmt haben. Natürlich kann man bemerken, dass dies ziemlich vom Blair Witch Project inspiriert wurde, aber im Zombiegenre funktioniert das dennoch ziemlich gut. Auch die Romero-typische Gesellschaftskritik hat es in den Film geschafft, und so ist es besonders schade, dass farblose Charaktere und einige Durchhänger den Filmgenuss an einigen Stellen schmälern und das Gesamtergebnis trüben.

Wertung:
6/10 Punkte

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