Die Reise des roten Ballons (Le Voyage du Ballon Rouge)

OT: -  113 Minuten -  Drama
Die Reise des roten Ballons (Le Voyage du Ballon Rouge)
Kinostart: 14.12.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Reise des roten Ballons (Le Voyage du Ballon Rouge)

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Kurzkritik im Rahmen der Viennale 2007:
Wie bringt man als Filmemacher sein Werk am Besten bei den namhaften Festivals unter? Nachdem ich gestern meinen letzten Film, der ansich sehr überzeugenden, Viennale 2007 sehen durfte, glaube ich eine Antwort gefunden zu haben. Im Zentrum des Films muss selbstverständlich irgendeine Person stehen, oder wie in diesem Fall eine kleine Familie. Dann ist es ganz wichtig dass nicht zuviele Elemente vorkommen, die die Geschichte voranbringen könnten. Am Besten ist es einfach ein paar Alltagsszenen aneinander zu reihen, und dem Zuseher so die Charaktere vorzustellen. Lange Einstellungen und ein äusserst niedriges Tempo sind ebenfalls wichtig. Was dann noch immer gut ankommt, ist ein etwas mysteriöses Element, das dem Publikum erlaubt symbolträchtige Deutungen anzustellen. Will man jetzt auch noch dass der Film auch abseits von Festivals sein Publikum findet, dann besetzt man auch noch einen namhaften Schauspieler, und schon haben wir ihn: Den klassischen Festivalfilm.

Ich will jetzt gar nicht allzu sehr über diese Politik herziehen, da auch solche Filme ihre Qualitäten haben können, wie man es auf der Viennale auch sehen konnte, aber die Programmleiter der Festivals scheinen oft zu vergessen, dass das Festivalpublikum nicht nur einen Film sieht, sondern oft eine Vielzahl an Filmen, und speziell diese elends ruhigen, langatmigen und statischen Filme haben es so ansich, dass man nach einem von ihnen gerne etwas anderes sehen würde. Doch leider scheinen sich die Festivalprogramme zu 90% aus solchen Filmen zusammensetzen, was auf Dauer sehr ermüdend ist. Aber ich will hier nicht allzu lange auf diesen Fakten herumreiten, denn auch Die Reise des roten Ballons verdient sich eine faire, und unvoreingenommene Besprechung.

Simon (Simon Iteanu) lebt gemeinsam mit seiner Mutter (Juliette Binoche) in einer etwas seltsamen Wohngemeinschaft in Paris. Seine Eltern sind geschieden, und sein Vater und seine Schwester leben in Brüssel. Auch seine Mutter hat nur wenig Zeit für ihren Sohn, da sie im Theater als Puppenspielerin arbeitet, und durch ihre sehr unregelmäßigen Arbeitszeiten viel Unterwegs ist. Deshalb stellt sie eine neue Babysitterin (Song Fang) ein, die sich um ihren Sohn kümmern soll. Diese ist Filmstudentin, und dreht gemeinsam mit Simon einen Film über einen Jungen mit seinen roten Ballon...

Die Reise des roten Ballons beginnt mit einer sehr langen Einstellung, die einen roten Ballon zeigt, der durch die Strassen von Paris fliegt. Dies, und der Titel des Films sind eine kleine Hommage an den Film Der rote Ballon, aus dem Jahr 1956, der übrigens auch im Rahmen der Viennale gezeigt wurde, den ich aber nicht gesehen habe. Erst nach dieser, zwar visuell schönen, aber etwas langatmigen Einführung, beginnt die "Rahmenhandlung" des Films. Doch von Handlung im klassischen Sinn kann nicht gesprochen werden, denn Die Reise des roten Ballons ist ein klassischer Festivalfilm, der ganz der Definition von oben entspricht.

In ausserordentlich langen Einstellungen gewährt uns Regisser Hou Hsiao-hsien einen Einblick in das Leben seiner Hauptfiguren. Dabei ergeben sich einige Probleme, denn obwohl die Darsteller, allen voran Juliette Binoche, wirklich gut agieren, und der Film auch an manchen Stellen durchaus überzeugt, so ist er im gesamten nur eines: Langweilig. Wirklich viel passieren tut nämlich nicht in den 113 Minuten die der Film andauert, und so schweift das Interesse des Zusehers an vielen Stellen merklich ab. Die Reise des roten Ballon plätschert um es kurz zu sagen einfach nur vor sich hin, kann zwar an einigen Stellen überzeugen, bietet aber deutlich zu wenig um ihn weiterempfehlen zu können.

Man kann mir allerdings auch vorwerfen dass ich den Film nicht verstanden habe. Denn die Szenen mit dem titelgebenden roten Ballon, der immer wieder auftaucht, ergeben in meinen Augen einfach keinen Sinn. Für mich hat dies absolut keinen Bezug zu der Geschichte in der Wohngemeinschaft, und ist in meinen Augen nur als Hommage an den oben erwähnten Film, eigebaut worden. Doch wenn sich eine Hommage, als regelrechter Fremdkörper erweist, dann sollte man sie am besten weglassen. Was übrig bleibt ist viel Alltagsbeobachtung, aber nichts was man großes Kino nennen könnte.

Fazit:
Die Reise des roten Ballons hat durchaus einige gelungene Szenen, und vor allem die Leistung von Juliette Binoche ist definitiv einen Blick wert, also ganz in den Boden stampfen will ich diesen Film nicht, aber dennoch ergeben sich viel zu viele Schwächen um ihn weiterempfehlen zu können. Zum Beispiel verstehe ich die Szenen mit dem roten Ballon ganz einfach nicht, und aus meiner Sicht passen sie einfach nicht in den restlichen Film. Doch auch abseits von diesem Element ist der Film eine reine Alltagsbeobachtung, ohne das, was man auch als Magie bezeichnen kann. Ein bisschen Charme und einige gute Szenen täuschen also sicher nicht über die vielen Schwächen des Films hinweg.

Wertung:
5/10 Punkte

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