Lovelace (2013)

OT: Lovelace - 92 Minuten - Biographie / Drama
Lovelace (2013)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 16.01.2014 - Blu-ray-Start: 16.01.2014
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Filmkritik zu Lovelace

Der verstorbene Pornostar Linda Lovelace erhält momentan viel Aufmerksamkeit von der Traumfabrik Hollywoods. Nicht nur ein Biopic, sondern gleich zwei Filme erhielten ziemlich gleichzeitig Grünes Licht. Zum einen Lovelace der Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman, die uns bereits Howl – Das Geheul (2010) ablieferten und zum anderen Inferno: A Linda Lovelace Story von Matthew Wilder (Your Name Here, 2008). Wirft man einen Blick auf die Besetzungsliste in Kombination mit der Regie, so sticht besonders der Film Lovelace hervor, der auch letztendlich produziert wurde. Tatsächlich sind es auch die Schauspieler und Regisseure, die den Film sehenswert machen. Das Drehbuch dagegen weist einige Schwächen vor, die die komplizierte und tragische Geschichte des Sex-Symbols nicht erleichtern.

Nachdem sich Linda (Amanda Seyfried) in den charmanten Chuck Traynor (Peter Sarsgaard) verliebt hat, verlässt sie ihr Elternhaus. Kurz darauf folgt die Hochzeit. Während sich Chuck in finanziellen Problemen befindet, möchte Linda ihm aus der Klemme helfen und spricht daraufhin für eine Rolle vor. Was sie nicht weiß: es handelt sich um einen Porno. Die Ereignisse überschlagen sich und Lindas Film Deep Throat wird zum Mittelpunkt der sexuellen Revolution der 70er Jahre. Linda wird zur Sex-Ikone, die jeder haben will. Alles scheint wunderbar für Linda und ihren Ehemann zu laufen, bis sich Linda weigert im Sequel erneut die Titelheldin zu verkörpern…

Die Lebensgeschichte von Linda Boreman, bekannt als der Pornostar Linda Lovelace, stand lange in einem falschen Licht. Die Medien vermittelten durch sie den Hedonismus und katapultierten sie in den Lust-Himmel. Der schöne Schein überdeckte die tatsächliche Situation der jungen Frau, die lange im Verborgenen blieb. Neun Jahre nach Deep Throat veröffentlichte Linda ihre Autobiographie mit dem Titel Ordeal in dem sie postulierte gegen ihren Willen in die Pornoindustrie eingestiegen zu sein. Die Schuld für ihren sexuellen und emotionalen Missbrauch gab sie ihrem damaligen Manager und Ehemann Chuck Traynor.

Die Filmemacher Friedman und Epstein nahmen das Drehbuch von Andy Bellin zur Hand, welches die oben beschriebene Struktur als narratives Element festlegte. Demnach veranschaulicht die erste Filmhälfte die unterhaltsame Seite der Pornoindustrie. Es werden Witze gerissen und Partys gefeiert. Linda fungiert hier als naives Lustobjekt und wird von ihrem Umfeld auch als jenes wahrgenommen. Auffällig sind hier neben Amanda Seyfried (Les Misérables, 2012; Red Riding Hood, 2010), die besonders die Naivität der Protagonistin hervorragend herüberbringt, auch Hank Azaria (Die Schlümpfe, 2011) als entschlossener Pornoproduzent Gerry Damiano sowie James Franco (Planet der Affen: Prevolution, 2011), der die Rolle des jungen Hugh Hefner mit einem Augenzwinkern porträtiert.

Die zweite Hälfte skizziert dagegen den Missbrauch, der an Linda Lovelace ausgeübt wurde. Um die negative Seite des Lebens der Sex-Ikone zu illustrieren, kehren die Filmemacher Friedman und Epstein zurück und zeigen gezielt ausgewählte Szenen aus der bereits vorgestellten Handlung, aus Lindas Perspektive. Demnach öffnen sich neue Handlungsstränge und Hintergründe, die zuvor im Verborgenen blieben. Die Stimmung des Films ändert sich von nun an ins Dramatische. Zunächst einmal scheint dies eine brillante Idee zu sein, um Lindas Geschichte nachvollziehbar an den Zuseher zu bringen. Doch wegen der bereits angeführten Naivität der Protagonistin in der ersten Filmhälfte, entstehen Zweifel beim Zuschauer, sodass Lindas Glaubwürdigkeit auf der Kippe steht. Dies trägt dazu bei, dass die Tragik des Missbrauchs erst im letzten Drittel der Handlung berühren und mitreißen kann. Da hilft auch nicht Amanda Seyfrieds gekonntes Schauspiel.

Darüber hinaus spielt Lindas Beziehung zu ihrer Familie eine wichtige Rolle. Das Verhältnis zu ihrer Mutter, die tadellos von Sharen Stone gespielt wird, sowie die streng konservative Erziehung erklären im Nachhinein das Handeln der Titelheldin. Auch atmosphärisch punktet Lovelace. Rob Epstein und Jeffrey Friedman gelingt es die 70er Jahre authentisch zu visualisieren. Die damalige Zeit wird aber nicht nur mit Drogen, Sex und Partys charakterisiert. Beiläufig werden auch die sozialen Verhältnisse anhand der Beziehungen von Linda Lovelace dargelegt.

Fazit:
Lovelace ist in erster Linie ein Charakterdrama. Aufgrund der ausgewählten Erzähltechnik wird der Charakter Linda Lovelace und damit ihre Glaubwürdigkeit nach der ersten Filmhälfte stark vom Zuschauer angezweifelt. Als Zuseher benötigt man somit Zeit, um der Hauptfigur erneut Glauben zu schenken, sodass die Tragik der zweiten Filmhälfte erst kurz vor dem Ende mitreißen kann. Dessen ungeachtet weist Lovelace gute schauspielerische Leistungen von Amanda Seyfried und Sharon Stone vor und überträgt die Zeit der 70er Jahre äußerst authentisch. Wer also auf der Suche nach einem Charakterdrama ist, das sich vom größten Teil der Werke des Genres unterscheidet, kann sich Lovelace getrost ansehen.
 
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