Fast & Furious Six (2013)

OT: The Fast and the Furious 6 - 130 Minuten - Action / Abenteuer / Krimi / Thriller
Fast & Furious Six (2013)
Kinostart: 24.05.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Fast & Furious Six

Von am
Nach dem großen Rio-Coup hat sich die Truppe um Dominic Torreto (Vin Diesel) und Brian O`Connor (Paul Walker) auf der ganzen Welt verstreut. Eine Rückkehr in die Heimat ist ausgeschlossen, bis FBI-Agent Lucas Hobbs (Dwayne Johnson) Torretto mit der Bitte aufsucht, ihm beim Einfangen einer kriminellen Organisation von hervorragend ausgebildeten Fahrern zu helfen. Im Gegenzug würde er ihn zu seiner totgeglaubten Liebe Letty (Michelle Rodriguez) führen – die ein Teil dieser Organisation zu sein scheint – und Straferlass für die gesamte Truppe erteilen.

Und schon bekommen wir den ersten Schlag ins Gesicht. Das FBI (bzw. Hobbs) macht sich von einer Gruppe krimineller Streetracer abhängig, da sie der Auffassung sind, man könne die andere kriminelle Organisation von kaltblütigen Killern – die ebenfalls sehr versiert am Lenkrad agieren und auf ganzer Linie in einer höheren Liga spielen – nur mit gleichen Waffen schlagen. Auge um Auge, Zahn um Zahn auf dem Asphalt. Es sind aber eben nicht „die gleichen Waffen“ – und dennoch wird versucht die Hauptprotagonisten mit  gewissem Selbstverständnis als Gesetzesvertreter in spe auftreten zu lassen. Wenn „große Herausforderungen für den einfachen Helden“ schon in TRIPLE X funktioniert haben, wieso auch nicht hier? Und mit Vin Diesel als einen der vielen Hauptdarsteller, ist jedenfalls eine Identifikationsfigur gegeben, die sich mit irrsinnigen Unterfangen – im Sinne von unterqualifiziert und trotzdem Alleskönner - bestens auskennt.

Die „Doppelagentenlösung“ ist nicht originell aber besser als das was Drehbuchautor Chris Morgan einfiel. Er suchte erst gar nicht nach der zündenden Idee, wie eine ambitionierte Kampfelite vom Schlage einer nationalen Bedrohung mit einer talentierten und dennoch einfachen Straßenräuber-Truppe sinnstiftend zusammenzubringen ist. Für ihn funktioniert das gegebenenfalls mit der Brechstange. Tut es nicht. Ich erinnere mich daran, einen der Protagonisten im Film gehört zu haben „That`s a whole new level!“. Exakt, also stellt man reflexartig die Gegenfrage „So, what are you doing here?“. Komplexere Handlungsverläufe aus oberflächlich strukturierten Dialogen rauszupressen, ist ein leichter Weg wie mangelnde Logik schnell erklärt werden kann. Die Macher von F&F 6 wollten weitaus mehr als den „next level“ und beschritten dafür den einfachsten Weg. Es ist wie mit dem Essen in Fast-Food-Restaurants, dass sie auf dem Bild sehen und tatsächlich vor sich stehen haben: Der Trailer verschweigt das Schlechte und verspricht zu viel.

Das wirklich tragische am 6. Teil ist seine Aufforderung, ernst genommen zu werden und gleichzeitig die Oberflächlichkeit seiner Vorgänger beibehalten zu wollen. Um es gleich vorwegzunehmen, das funktioniert eben so wenig wie die Brechstange. Ein fader Beigeschmack stellt sich von Beginn an ein und begleitet jede noch so gelungene Szene. F&F 6 stellt sich nicht in einem selbstreflexiven Sinne in Frage, wie bei einem gelungenen Genremix immer wieder die Erfahrung gemacht wird, mehr veräußert es blanke Verwirrung. Der Film weiß selbst nicht, worauf er hinaus will.

Neben der waghalsigen Geschichte, die man aufgetischt bekommt, ist da noch ein weiterer Aspekt der intendierten Ernsthaftigkeit. Nicht nur, dass von Teil zu Teil die Situation der Protagonisten immer brenzlicher wird (was durchaus mit Wohlwollen hinzunehmen ist), sie werden menschlich erwachsener und verantwortungsbewusster, was aber nicht automatisch mit charakteristischer Tiefe miteinhergeht. Manchmal wirken die Protagonisten immer noch ein bisschen wie die sprachlich und geistig begabtere Version von den JERSEY SHORE-Leuchten aus dem Fernsehen, trotzdem bleiben sie so kalkulierbar wie Aufziehpuppen. Dieser Mangel an Originalität funktionierte eben nur so lange gut, bis sie den Film mit schwülstigen Phrasen über Familie und sonstigem traditionsverbundenem Scheiß zu okkupieren anfingen.

Ist deswegen F&F 6 zu einem Familienfilm geworden? Nicht im geringsten, denn nicht nur wurde uns hier eine viel zu große Geschichte mit einem halbgegarten Twist aufgezwungen (ich kann es nicht oft genug erwähnen), sondern gleichsam der gescheiterte Versuch eines Genremixes zwischen Agenten, Krimi und Actionfilm, der mit oder ohne Vorprägung seiner Vorgänger einem Mangel an Glaubwürdigkeit erlegen wäre und als legasthenischer Actionfilm endet. Der 5. Teil hat es schon perfekt vorgemacht in welche Richtung es gehen soll. Neue Autos (Statussymbole statt getunte und aufmerksamkeitshaschende Alltagswagen), neue Spielorte, kriminelle Vielfalt und weniger Proll verhilft der Reihe im Ansatz ernster zu werden, ohne ihren simplen Charakter zu verlieren. Leider reichte das den Machern nicht mehr aus.

Der zwischenmenschlichen Tiefgründigkeit ist  genüge getan, wenn Sunnyboy Brian O`Connor nicht mehr so viel lacht, Mia Torreto (Jordana Brewster) als die langweiligste Freundin der Welt (im 6. Teil die langweiligste Mutter der Welt) in den Hintergrund rückt und dafür die obercoole Michelle Rodriguez mehr Präsenzzeit bekommt. Von allen Charakteren hinterließ sie den stärksten Eindruck. Die bloße Verlagerung von Präsenzzeit zwischen den Hauptcharakteren bewirkt in Fast & Furious eine ganze Menge.

Die Actionszenen sind in jeder Hinsicht ideenreich und wahnsinnig unterhaltsam, leider auch stellenweise unklar inszeniert und zuweilen in ihrer Dauer schlichtweg zu lang. Regisseur Justin Lin tat sich etwas schwer, die Unfälle immer richtig einzufangen und der Cutter pendelte zwischen Kaffeeüberdosierung und Betriebsblindheit. Manchmal enden die Karambolagen in keinem Orgasmus des Visuellen, sondern im Antiklimax herumschleudernden Altmetalls, weil sich niemand für eine oder zwei Einstellungen entscheiden konnte; also schnitt man sie alle miteinander collagenartig zusammen. Im großen und ganzen dennoch ein höchst amüsantes Blechgewitter – einer von diesen Stunts verdiente sich aufgrund seiner Kuriosität auf der Stelle meinen Applaus.

Fast & Furious 6 hat unter anderem mein nie dagewesenes Interesse für Physik entfacht. Gewicht mal Masse mal Geschwindigkeit, Flugbahnen errechnen und wie viele Kilometer beträgt die Start -und Landebahn auf der sich die finale Actionsequenz mit einem Großraumtransportflugzeug der Marke Antonov abspielt; überschlagsmäßig kam ich auf eine Länge von über 30 Kilometern. Es verlangt kein Zuseher, die Fast & Furious-Reihe möge sich exakt an physikalische Gesetze halten, aber wenn das Ziel lautet ernster genommen zu werden, dann sind augenscheinliche Unmöglichkeiten wie diese der neuen Seriosität nicht zuträglich. Im Gegenteil, sie karikieren sich selbst. Andererseits würde sich die groteske Komik genau richtig ins Konzept einfügen, wenn es diesen Anspruch des Ernsten nicht gäbe.

Bei der F&F-Reihe ist es so wie mit negativen Lebenserfahrungen, die jeder in seinem Leben gemacht hat und darauf hin sagt: „eines Tages werden wir darüber lachen, eines Tages wird die Tragik dieses Sachverhaltes eine komische Note erhalten.“ So ähnlich spielt es sich auch hier ab. Jeder der etwas schwächeren Filme, gewinnt spätestens nach dem dritten oder vierten Mal einen eigenen Charme, weil es keine schlimmen Überraschungen mehr geben kann und das macht sie noch besser oder für Menschen, die keine großen Fans der Serie sind „weniger beschissen“ – es ist immer eine Frage, ob man mit Fast & Furious überhaupt etwas anfangen kann.

Wenn sich die Filmreihe aber noch weiter aus dem Fenster wagt als jetzt, verliert sie auf der Suche nach dem Erwachsenwerden endgültig ihren drolligen Charakter und verkommt zu einem steifen und verantwortungsbewussten Langweiler, der mit der Zeugung des ersten Kindes auf den heiligen Gral der Weisheit gestoßen zu haben glaubt und dabei seiner Lächerlichkeit kaum gewahr wird. Der F & F-Reihe soll nicht das gleiche Schicksal wie den letzten zwei Teilen der DIE HARD-Reihe wiederfahren. Haltet die Familien und ihre traditionalistische Propaganda fern von Explosionen, Schießereien und Verfolgungsjagden. Noch ist es nicht zu spät, die Leinwand wieder vor lauter Testosteron triefen zu lassen.    

Seit TOKYO DRIFT ist es Tradition, die Fortsetzungen stets mit einem Cliffhanger anzukündigen. Der Cliffhanger im 6. Teil (wodurch TOKYO DRIFT endlich seinen Existenzgrund erhält), lässt bei allen Enttäuschten des aktuellen Teils Hoffnung aufkeimen. Jason Statham (im Film Ian Shaw) ist als Bösewicht des 7. Teils angekündigt und er sieht richtig stinkig aus. Wer TRANSPORTER gesehen hat, weiß dass dieser Mann auch hinter dem Steuer schwer zu knacken ist. Zu hoffen bleibt nur noch, dass Gegenspieler Ian Shaw die Angelegenheit auf althergebrachte Art im Sinne von Terror und Totschlag ausführt und der Rennfahrertruppe von der Straße erst gar nicht die Gelegenheit gibt über Familienwerte zu schwadronieren. Zumindest die Entführung von Familienmitgliedern ist mit Teil 6 abgehakt. (Das ist jetzt nun wirklich kein Spoiler!)

Leider können die guten Ideen auf Actionebene nicht die Tatsache kaschieren, dass der 6. Teil ein bisschen zum Reinfall geworden ist. Dabei wäre es gar nicht so schwer sich nach dem gelungenen Vorgänger zu steigern. Auch wenn es in Fast & Furious längst nicht mehr um zehn Sekunden Rennen geht, droht aus unbeholfenen Versuchen etwas „besseres“ sein zu wollen als kurzweilige Unterhaltung, eine Verwirrung zu entstehen aus der man letztendlich nicht mehr rausfinden wird. Der Hals von Dwayne Johnson ist nicht das einzige, das sich unnatürlich aufgebläht hat. Fast & Furious muss zu seiner narrativen Schlichtheit und zu den klassischen Werten eines guten Actionfilms zurückfinden; unter anderem bedeutet das, die Dynamik der Action-Exzesse im richtigen Takt zu halten und nicht der modernen Blockbuster-Opulenz zu frönen.
    
Fazit:
Das ärgerlichste am 6. Teil – neben der Story – ist  sein verschlissenes Potential so wie seine Unzulänglichkeit in wichtigen Momenten, das Maß zu halten. Immer wird es von etwas zu wenig sein, wo es mehr sein müsste und zu viel, wo es weniger sein müsste. Zwischen den Bildern mangelhafter Stimmigkeit zeigt sich die unschuldige Pubertätsphase von Fast & Furios und verschwindet wieder auf eine unschöne Art. Justin Lin und Chris Morgan wollten zu viel, übernahmen sich und schufen einen Film über schnelle Autos, dem der eindeutige Geruch von Benzin abhanden gekommen ist. Aus dieser persönlichen Enttäuschung gebe ich nur 4 von 10 Punkten.  

Wertung:
4/10 Punkte
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Ø Wertung: 5.8/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 15
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