World War Z (2013)

OT: World War Z - 116 Minuten - Action / Drama / Horror / SciFi / Thriller
World War Z (2013)
Kinostart: 28.06.2013
DVD-Start: 07.11.2013 - Blu-ray-Start: 07.11.2013
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Filmkritik zu World War Z

Von am
Zombieepidemien, wir kriegen scheinbar nie genug davon! Es ist aber nicht so, dass wir die ewig gleichen Verhaltensmuster der blutrünstigen Beißer sehen wollen und so kam es irgendwann zu neuen Spezies, um wieder das große Publikum, jenseits der kleineren Gruppe von Zombiefreunden, ins Kino zu locken. Manche mögen nun den Einwand vorbringen, unnatürlich agile Untote seien kein Novum. Das ist korrekt, sofern mir nichts entfallen ist, legte I AM LEGEND mit seinen CGI-Zombies ganz groß vor und scheiterte an der Darstellung. Genau genommen, war es fürchterlich mitanzusehen wie die Zombiekultur im Kino ihrer Realität beraubt wurde.

Danny Boyle, Regisseur von 28 DAYS LATER, dessen oberstes Prinzip es war, eine unglaublich intensive Authentizität zu erschaffen und insofern jegliche Grafik-Exzesse raus zu nehmen, darf hierbei nur partiell mitgezählt werden. Er verwendete für den absoluten Blutrausch der Infizierten – die aber immer noch menschlich und nicht untot sind - die Zombie-Symbolik und fabrizierte aus dem Überlebenskampf seiner Darsteller eine Achterbahn, die radikal zwischen Panik und bedrückender Atmosphäre rast. WORLD WAR Z hingegen erzählt eine komplexer strukturierte Geschichte und Angesichts der Aussichtlosigkeit ist es fast absurd, dass ein Familienvater und UN-Gesandter (Brad Pitt) sich darin versucht nach einem Gegenmittel zu forschen. Interessanterweise funktioniert es dann doch und der Überlebenskampf wird zu einem rastlosen Spießroutenlauf.  

Wer den Trailer gesehen hat, wird spätestens nach einer halben Stunde positiv überrascht sein.  Eigentlich müsste man fast schon von einem Sabotageakt sprechen. Die Montage hektisch geführter Actionszenen verspricht einen fast lächerlichen Actionfilm und verschweigt seine tatsächlichen Qualitäten. Das überraschendste an WWZ – sein turbulentes Erzähltempo. Einiges kann an diesem Film kritisiert werden, doch verschlingt zugleich die Rasanz, mit der diese Geschichte erzählt wird, alle Defizite im Strudel der Ereignisse. Regisseur Marc Foster hat im (bedauerlicherweise) viel gescholtenen JAMES BOND/ A QUANTUM OF SOLACE bewiesen, dass es sein eigentliches Talent ist, den Film wie im Flug vergehen zu lassen. Nur der manchmal zu chaotische Schnitt evoziert beim Zuseher stellenweise größere Orientierungslosigkeit als bei den Protagonisten.

Zu bemängeln bleibt dennoch das eine oder andere: Als erstes sei das glücklicherweise selten aufkommende Familienpathos zu nennen. Und es macht fast den Anschein, dass die Drehbuchschreiber und insbesondere Marc Foster zu diesem narrativen Bestandteil fast gezwungen waren. Obgleich der besagte Bestandteil vorkommen musste, war er für das hektische Treiben der Ereignisse nur ein zentraler Rückzugsort für einen Moment der Ruhe bevor es wieder zur Sache ging. Die Annahme, sie hätten sich gegenüber einer überschäumenden Überladenheit des familiären Pathos verweigert, ist an einer bestimmten Szene – ohne Andeutungen zu machen um welche Szene es sich handelt – wie ein Geständnis ihrer Abwehrhaltung abzulesen. Falls nicht, war alles nur ein glücklicher Zufall.

Das andere Problem ist der erzwungene Kompromiss, dessen visueller Widerspruch zwei Zombiearten hervorgebracht hat. Haben die Menschen gegen die Untoten, die von echten Darstellern gespielt werden, noch eine Chance, wirken die CGI-Zombies wie ein Heuschreckenschwarm, der die ganze Welt innerhalb Tagen auszulöschen vermag. Dieser direkte Widerspruch gilt als der schmerzlichste überhaupt. Von Danny Boyles amoklaufenden Unwesen ist man im Fall der Schwarm-Zombies weit entfernt – stattdessen, übereinander türmende Plastelinkörper, die einer Tsunamiwelle gleich, von keinem menschengeschaffenen Hindernis aufzuhalten sind. Der Vorwurf, dass die Macher von WWZ, 28 DAYS LATER um ein paar opulente Effekte mehr übertreffen wollten, ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen.

Über die darstellerischen Leistungen ist nicht viel zu sagen. Sie sind insgesamt sehr solide und nach viel mehr war auch nicht verlangt. Dass charakteristische Tiefen ausbleiben, ist kaum wahrnehmbar. In WWZ herrscht eine Ausgeglichenheit, die niemandem den Vorzug geben will. Die narrative Dominanz und ihre musikalische Untermalung, prägen sich als hervorragender Gesamteindruck eines unterhaltenden Werks ohne, dass es sich von seinen Highlights abhängig machen wollen würde. Primitiv formuliert müsste man sagen, WWZ flutscht einfach dahin und schon ist der Film fertig.

Letztendlich bleibt noch die Rolle der Zombies zu hinterfragen. Vieles wurde in den Raum gestellt und einiges davon blieb unbeantwortet. Wenn das Drehbuch aber in dieser Hinsicht Schwäche zeigte, dann war es Fosters bruchfreies Erzähltempo, das von diesen Schwächen profitierte. Es spricht nichts dagegen sich als Zuseher seinen Teil denken zu müssen und darüber zu sinnieren welche Gründe hinter den Geschehnissen stecken. Kein Film hat die Selbstverpflichtung sich erklären zu müssen.

George A. Romeros Zombiemetapher als Kritik an der westlichen Zivilisation dürfen wir hier nicht erwarten. Und dennoch sind Ameisen-ähnliche Zombie-Schwärme  alles andere als pop-kulturell irrelevant oder als bloße „Sensation fürs Bild“ zu verstehen. Der Zynismus dieser Bilder wird nur durch mangelnde Gewaltdarstellungen von, oder an Zombies gebremst. Ist man versucht eine Kritik heraus zu destillieren, von der sich wohl möglich selbst die Macher des Films distanzieren wollen, dann hört es sich fast danach an als ob das Eintreten einer absoluten Depersonalisation in der Moderne, nur dadurch verhindert werden kann, in dem wir uns selbstbestimmt aus Homogenisierungsprozessen des globalen Informationszeitalters ausschließen. Bedauerlich nur, dass dieser Ausschluss nicht zwingend gut ausgehen muss. Diskurspotential ist allemal vorhanden und selbst Romeros Wiedergängern im Supermarkt bleibt nur noch die Flucht vor einer alles in sich verschlingenden und computergenerierten Masse von Untoten.

Fazit:
Das vielleicht interessanteste an WWZ ist der gelungene Einbau von Versatzstücken aus anderen Genres, ohne nur ein bisschen aufgesetzt zu wirken. Neben dem Haupteinfluss der Action, schwebt stets ein bisschen Drama und Thriller mit, oder bilden fließende Übergänge in das jeweilige Genre. Selbstverständlich blieben die obligaten Schockelemente eines Horrors nicht aus. Und ich möchte meinen, wenn das schwierigste beherrscht wird – nämlich  eine nicht wahnsinnig originelle Geschichte aufregend zu erzählen – dann  dürfen ruhig hier und da Unstimmigkeiten an der Illusion des Zusehers rütteln wenn sie in der Ambivalenz der Erzählung kaschiert werden. Fans des Zombiegenres sollten sich aufgrund seiner Blutleere trotzdem zwei Mal überlegen, ob sie sich diesen Film ansehen wollen.

Wertung:
7/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 29
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