Superman: Man of Steel (2013)

OT: Man of Steel - 143 Minuten - Action / Abenteuer / Fantasy / SciFi
Superman: Man of Steel (2013)
Kinostart: 21.06.2013
DVD-Start: 25.10.2013 - Blu-ray-Start: 25.10.2013
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Filmkritik zu Superman: Man of Steel

Von am
Christopher Nolan hat mit seiner Batman-Trilogie einen neuen Tonfall im Bereich der Comic-Verfilmungen etabliert. Während der Massenmarkt zuvor eher auf bunte, leichte und tendentiell übertriebene (eben “comichafte”) Settings setzte, baute Nolan in Batman Begins, aber ganz besonders im zur Perfektion gepushten Nachfolger The Dark Knight, auf eine düstere Stimmung, ein geerdetes Setting, charakterliche Tiefe und inszenatorische Abwechslung. Da ihm der Erfolg recht gegeben hat, vertraut Warner nun auch abseits des Batman-Franchise auf seine Expertise: In Man of Steel führt Nolan zwar nicht selbst Regie, er arbeitete allerdings an Story und Konzept mit und steht dem Projekt als Produzent zur Seite. Doch leider haben er und Regisseur Zack Snyder sich bei der Konzeption des (über)epischen Blockbuster-Bollwerks etwas verhoben und ersticken an der angestrebten Größe ihres eigenen Projekts.

Jor-El (Russell Crowe) ist einer der ersten, die den drohenden Kollaps des Planeten Krypton vorhersagen. Doch spätestens als General Zod (Michael Shannon) auch noch einen Militärputsch startet und sich gegen die Führer des Planeten wendet, sieht er nur mehr einen Ausweg: Er sendet seinen neugeborenen Sohn Kal-El in einer Raumkapsel zur Erde um das Überleben seines Volkes zu sichern. Auf der Erde angelangt wird Kal-El von den gutmütigen Farmern Jonathan (Kevin Costner) und Martha Kent (Diane Lane) aufgenommen und großgezogen. 30 Jahre später lebt er unter dem Namen Clark Kent (Henry Cavill) das Leben eines Außenseiters. Er weiß nicht wohin er gehört und auch nicht was er mit seinen übermenschlichen Kräften anstellen soll. Doch als plötzlich General Zod auf der Erde erscheint und verlangt, dass sich Kal-El ihm ausliefert, muss er sich entscheiden wie er sein Leben führen will...

Die Erwartungen waren groß, immerhin hat Christopher Nolan bereits des öfteren bewiesen, dass er im Stande ist kreative Geschichten zu erzählen und auch wenn Zack Snyder mit seinen Projekten durchaus spaltet - zumindestens visuell hat Snyder bereits bewiesen, dass er etwas bewirken kann. Doch wie sieht es nun aus, wenn man Nolans Narrative mit Snyders Optik kreuzt? Lässt sich so etwa der perfekte Blockbuster mit toller Story und Bombasteffekten erzeugen? Oder blockieren sich ihre Stilistiken gegenseitig, sodass am Ende keine Partei seine Stärken zur Gänze ausspielen kann? Leider tendiert Man of Steel eher zur zweiten Möglichkeit und das ist angesichts des an manchen Stellen aufblitzenden Potentials doch sehr schade.

Einer der Hauptgründe für die Probleme des Films ist seine inhaltliche Aufgeblähtheit. Nolan und Snyder versuchen schlicht alles irgendwie unterzubringen und stellenweise hat man fast den Eindruck, dass die Heldenreise die Nolan innerhalb seiner Batman-Trilogie abgearbeitet hat hier in einen einzigen Film gepresst wird. So beginnt Man of Steel auf Krypton mit der klassischen Herkunftgeschichte, springt in die Zukunft um die Zweifel und Probleme eines konfliktgetragenen Clark Kent zu verarbeiten, geht immer wieder in die Vergangenheit um die kindliche Entwicklung auszuarbeiten und lässt es sich aber letzen Endes auch nicht nehmen eine kolossale Bedrohung aufzufahren, die es zu beseitigen gilt und die auch wieder die Brücke zurück zur Herkunft von Kal-El schlägt.

Für einen einzigen Film ist dies aber viel zu viel und es fügt sich leider auch nicht wirklich zusammen. Am besten ist Man of Steel immer dann, wenn er sich etwas von den allzu ausgetretenen Blockbusterpfaden entfernt und versucht eigene Wege zu gehen. Die thematische Suche nach der eigenen Identität, die immer wieder mit Überlegungen aus dem Off überlagert wird zählt gemeinsam mit den spannenden, von der konventionellen Ästhetik abweichenden Bildern, die auf die raue Schönheit von Details der Welt fokusiert, zu den absoluten Highlights des Films. Diese stillen Momente erinnern beinahe an einen Terrence Malick (light) und lassen durchaus einen mutigen Ansatz erkennen - nur leider stehen sie auch im krassen Widerspruch zu dem Bombastfeuerwerk das Zack Snyder an anderen Stellen (besonders im letzten Drittel) von der Leine lässt.

Doch nicht nur, dass diese Actionszenen konzeptuelle Beulen offenbaren, sie sind auch für sich genommen nicht besonders herausragend. Dass Man of Steel eine bierernste Angelegenheit wird, man sich also kein lockeres und ungezwungenes Geplänkel ala The Avengers erwarten durfte, war von Anfang an klar, aber der verbissen-krampfige Charakter der Action wundert dann doch etwas. Inszenatorische Raffinesse, packende Spannungselemente oder bloß eine besondere Dynamik, die dafür sorgen würde, dass sich die Stilistik des Films besonders aus der Masse an anderen Blockbusterproduktionen abheben würde, ist nicht erkennbar. Stattdessen erinnert die solide heruntergefilmte Show an eine routinierte Pflichterfüllung. Sicher nicht schlecht, es wird was fürs Auge geboten, aber es wird auch nichts gezeigt, was man nicht wo anders auch bekommen würde.

Ein anderes Problem ist die an manchen Stellen recht holprige Erzählung. Wie es für Nolan üblich ist, neigt er dazu gewisse Dinge sehr detailliert anzuteasern und vieles zu wiederholen. In Kombination mit der ohnehin schon überladenen Geschichte, sorgt dies nicht unbedingt für einen agilen Storyaufbau. Auch die häufigen Wechsel zwischen den Zeitebenen tun dem Rhythmus der Narration nicht wirklich gut. Der rote Faden in Man of Steel schlägt so manchen Haken und gerade weil der Film ja eigentlich keine verschlungene Story benötigen würde, sondern eine Charakterentwicklung (bzw. Findung) beleuchten möchte, wäre eine etwas stringentere Handlung sicher von Vorteil gewesen. Wahrscheinlich wäre es aber ohnehin besser gewesen, wenn man die Invasion von General Zod auf einen anderen Film ausgelagert und Man of Steel gänzlich als Charakterstudie angelegt hätte - denn diese Elemente sind sicherlich die besten des Films.

Positiveres lässt sich über die Darsteller berichten. Auch wenn das manch anderer vielleicht anders sehen mag, aber Henry Cavill gibt eine wirklich überzeugende Vorstellung als Superman - von der physischen Präsenz angefangen, über das Charisma bis zur Darstellung der Zweifel und Entscheidungen in seiner Persönlichkeitsentwicklung macht er so gut wie alles richtig und passt perfekt in den Film. Auch sein Gegenspieler Michael Shannon spielt ausgezeichnet und bietet einen Bösewicht, dessen Motive man durchaus verstehen kann und der auch die nötige Präsenz auf die Leinwand donnert. Ein weiterer durchaus gelungener Clou ist die Besetzung von Russell Crowe und Kevin Costner als die beiden Vaterfiguren, die hauptsächlich über die Schauspielerpräsenz über der Entwicklung der Figur schweben.

Doch was ist eigentlich mit den Nebenfiguren? Es ist schlicht peinlich, dass Christopher Nolan und Zack Snyder in einem 143 minütigem Epos nicht die Zeit finden um essentielle Figuren wie Lois Lane (Amy Adams) und Perry White (Laurence Fishburne) gebührend einzuführen und zu beleuchten. Schade ist das besonders, weil Amy Adams aufzeigt, dass sie durchaus mehr zum Film hätte beitragen können. Aber im zwiespältigen Umgang mit diesen Figuren zeigt sich eben auch, dass man sich zuviel zugemutet hat. Denn hätte man sich wirklich nur darauf beschränkt eine ordentliche Origins-Story zu erzählen und alle Figuren in Position zu bringen, dann hätte man Zeit gefunden auch die Nebenschauplätze zu bearbeiten, bzw. man hätte es sich gespart diese Nebenfiguren in teilweise absurd unnötigen Seitengeplänkeln zu verheizen (wie etwa Perry White während des Angriffs von Zod).

Fazit:
Leider nur gutes Mittelmaß. Christopher Nolan und Zack Snyder haben sich viel zu viel vorgenommen und ersticken in einem bedeutungsschwangeren Wirrwarr aus emotionaler Identitätsfindung und Hauruck-Action. Auf der einen Seite versucht man über eine unkonventionelle Bildsprache und durch nachdenkliche Momente die konfliktbeladene Seite von Kal-Els Charakter zu erarbeiten und seinen Werdegang zu Superman auf charakterlicher Ebene auszuloten, aber gleichzeitig will man auch ordentliche Effektschlachten in den Film integrieren. Es wäre aber besser gewesen man hätte es bei diesem Film bei der Charakterentwicklung belassen, dann hätte man vielleicht mehr Zeit gehabt um eine kohärente Struktur zu finden und auch die Nebenfiguren gebührend zu etablieren. So aber ist Man of Steel weder Fisch noch Fleisch, ein riesiger Koloss von einem Film, der zu viel will und letzten Endes nichts davon ganz richtig macht. Solide ist das ganze natürlich dennoch und es spricht auch nichts dagegen, dass man sich dabei amüsiert, aber es wäre eindeutig mehr möglich gewesen.

Wertung:
6/10 Punkte
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Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 27
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