Local Heroes (2012)

OT: Local Heroes - 95 Minuten - Drama
Local Heroes (2012)
Kinostart: 11.01.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Local Heroes

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Hört man von einem Film, der sich inhaltlich mit Jugendlichen und einem Bandcontest beschäftigt, ist man geneigt, eine Teenie-Story á la Hollywood im Kopf zu kreieren. Das Schema X von jungen Menschen mit dem Traum zu gewinnen, ist in den letzten Jahren ein einfaches (und immer gleiches) Erfolgsrezept, das mit Happy-End funktioniert. Mit dem romantisch-angehauchten Unterton: „Lebe deinen Traum und gib nicht auf, dann schaffst du es und alle sind glücklich.“ Doch Wien ist anders. Henning Backhaus, der bei Haneke in Schule war, schildert eine Perspektive die wohl näher und härter an der Realität grenzt.
 
Tommy (Thiemo Strutzenberger) klammert sich mit seiner Band an den Traum des Siegens. Er lebt das Rockstar-leben aber bereits jetzt. Er greift nicht nur zum Kajal sondern auch zur Flasche und geht mit Affären und Exzessen immer bis an die Grenze. Die Kollegen Lazlo (Michael Kranz) und Josi (Elena Schmid) kommen damit allerdings genauso wenig zurecht wie seine Freundin Johanna (Michaela Schausberger), die ihn kurzerhand aus der Wohnung wirft. Zurück bei seiner Mutter, zu der er bislang auch nur sperrig Kontakt hielt, trifft ihn dann der nächste Schlag. Er findet sie tot im Badezimmer auf. Lazlo, der indes eigentlich eine ernsthafte Musikkarriere anstrebt, kommt mit Tommys Art und seiner Haltung der Band gegenüber nicht mehr klar. Als er herausfindet, dass sein vermeintlicher Freund auch noch mit seiner eigenen Freundin Almut (Laura Louisa Garde) schläft, reißt ihm der Faden. Zur Draufgabe verlieren sie im Halbfinale, und sämtliche Seifenblasen scheinen zerplatzt zu sein. Tommy zettelt darauf hin im Rausch eine Schlägerei mit einer besseren Band an und wird krankenhausreif geprügelt. Was folgt ist der völlige Zusammenbruch. Man kann das große schwarze Loch, welches ihn auffrisst gerade zu sehen. Als er vor einem Jury-Mitglied den völligen Nervenzusammenbruch bekommt, scheint sich ein neuer Lichtblick aufzutun. Der Mann von der Jury hat Mitleid und rät Tommy Anzeige zu erstatten, was ihn folglich ins Finale zurückbringt.  

Der Plotpoint des Films ist aber nicht wie oft üblich die euphorische Wende zum Guten, sondern kratzt viel eher an dem realistischeren Modell des:“ Komm, steh wieder auf, und es wird schon irgendwie weiter gehen!“ Denn Lazlo und Josi haben längst genug, und ziehen alleine ins Finale. Erst nach dem gescheiterten Selbstmordversuch Almuts, kehrt wieder Versöhnung ein. Lazlo spricht am Ende aus, was wirklichkeitsnaher kaum sein könnte, nämlich, dass ihre Chancen trotz gewonnenem Plattenvertrag bei einem kleinen Label nicht gerade zu Höhenflügen veranlassen. Vor allem in Zeiten, wo kaum noch CDs gekauft werden. Trotzdem gibt ihnen dieser kleine Sieg genug Perspektive weiter zu machen.

Die österreichische Produktion muss von mehreren Blickwinkeln betrachtet werden. Erstens: Es handelt sich um eine österreichische Produktion. Das ist im Kontext mit der Thematik der Story zu berücksichtigen, denn die Situation eines Bandwettbewerbes ist in Wien unvergleichbar anders als z.B. in Amerika. Folglich auch die Qualität des Jugendtraums der Figur des Tommys,-  ein zweiter Kurt Cobain zu werden. Eher ist man geneigt,  die gescheiterte Version von Falco in ihm zu sehen. Zweifelslos ist der junge Mann stimmgewaltig und talentiert, ebenso zweifelslos ist er bereits vor seiner Karriere kaputt und am Ende. Das alles unausgesprochen ans Publikum weiterzugeben ist auf jeden Fall gelungen. Dies liegt vor allem an Thiemo Strutzenberger, dem man schauspielerisch nichts vorwerfen kann. Der Rest der Darsteller ist eher zweit- bis drittklassig. Backhaus kann sich als Regisseur durchaus sehen lassen, aber durchwegs düstere Stimmung des Films scheint problematisch für die Leinwand. Was filmqualitativ gar nicht schlecht ist, kann für ein größeres Publikum eher schwer funktionieren. Zuviel Realität ist gefährlich, denn die meisten Leute wollen im Kino Zeit außerhalb der Realität verbringen. Abgesehen von Dokumentationen. Backhaus selbst sagt, dass ursprünglich eine Mischung aus Doku und Spielfilm geplant war. Das Ergebnis erinnert aber nur vom dramaturgischen Aufbau her an einen Spielfilm.

Fazit:
Der Schüler Hanekes hat einen qualitativ ganz passablen Film geliefert, welcher durch Thiemo Strutzenberger und den hörenswerten Musikinhalt einen Kinobesuch wert ist. Die Story ist allerdings fast zu realistisch und düster, was im Zusammenspiel  mit der Thematik zum Problem wird. Man wartet c.a. 3/4 des Films auf einen tiefgreifenden Wendepunkt, der – wenn er dann kommt, eher flau daher plätschert. Ein „Ja“ für Filmfans und –interessierte aber ein wackeliges“ Nein“ für die breite Masse.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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