Sightseers (2012)

OT: Sightseers - 88 Minuten - Komödie
Sightseers (2012)
Kinostart: 08.03.2013
DVD-Start: 20.08.2013 - Blu-ray-Start: 20.08.2013
Will ich sehen
Liste
18477
Bewerten:

Filmkritik zu Sightseers

Von am
Hierzulande ist Ben Wheatley vor allem als Regisseur von Kill List, einem erstklassiger Genrefilm, einem dunkler Thriller über einen Auftragskiller, bekannt. Sein weniger bekannter Erstlingsfilm Down Terrace hingegen kommt wohl dem schwarzen, morbiden Humor von seinem neuesten Film Sightseers am Nächsten. Sightseers vereint Comedy und Horror, Humor und Tod in einem britischen Roadmovie. Die Killergeschichte steht ganz in der Tradition von anderen Killerduo- Liebespaaren zu sehen in Filmen wie Natural Born Killers, Badlands, Bonnie & Clyde - mit dem Unterschied, dass man in Sightseers weit mehr zu lachen hat...

Tina (Alice Lowe) wohnt gemeinsam mit ihrer alten und hilfsbedürftigen Mutter in einer wohlbehüteten, biedermeierlichen Wohnung. Eines Tages beschließen Tina und ihr neuer Freund einen Roadtrip zu machen: die 34- Jährige verlässt ihr Heim wahrscheinlich zum ersten Mal und zum Ärger ihrer Mutter noch dazu mit einem Mann, den sie kaum kennt und in den sie über beide Ohren verliebt ist. Die beiden Frischverliebten Tina und Chris (Steve Oram) begeben sich auf ihren ersten gemeinsamen Urlaub im Wohnmobil, der sie durch das ländliche Yorkshire führt. Was Tina jedoch nicht ahnt, ist dass ihr Liebhaber ein Serienkiller ist.

Zu Beginn sind die beiden völlig aus dem Häuschen und entwerfen ihre Route: sie besuchen das Straßenbahnmuseum, das Bleistift-Museum und das Ribblehead Viadukt. Wunderschöne britische Landschaftsbilder folgen auf Szenen einer glücklichen, erotischen Zweisamkeit. Die Grausamkeit von Chris überfällt den Zuseher ebenso unerwartet wie sie Tina überrascht. Glaubt sie beim ersten Mord noch an einen Unfall, folgt auch bald ein zweiter, der Chris’ wahres Gesicht enthüllt. Doch Tina lässt sich ihr Liebesglück nicht dadurch vereiteln, dass ihr Geliebter ein Soziopath ist. Durch alle Orte und Sehenswürdigkeiten, die das Working-Class-Duo durchstreift, ziehen sie eine Blutspur: es folgt eine Odyssee von einer Leiche zur nächsten.

Menschen werden aus nichtigen Gründen und ohne mit der Wimper zu zucken beseitigt durch einen Schlag auf den Kopf, sie werden überfahren mit dem Auto am Parkplatz oder am Straßenrand, sie werden in Schluchten geschmissen- irgendwo im Nirgendwo, wo es keine Menschenseele sieht und hört. Die verlassene Natur verwandelt sich von einer Idylle in einen Ort des Grauens. Viele der Opfer haben Eigenschaften, die uns im Alltag in den Wahnsinn treiben - es sind meist Kleinigkeiten wie Überheblichkeiten, Wichtigtuerei, Dummheit - schlichtweg nervtötende Menschen, die uns den letzten Nerv rauben und den Choleriker Chris zu seinen grausamen Bluttaten treiben. Da wären zum einen das nervige Intellektuellenpaar, der unbelehrbare Umweltverschmutzer, der Besserwisser und Pedant der sich über Hundeexkremente empört, zum anderen die betrunkene Braut und ihre Brautjungfern an ihrem Polterabend.

Sightseers entstand durch die intensive Zusammenarbeit Ben Wheatleys mit den beiden Hauptdarstellern Alice Lowe und Steve Oram, beide Comedians, die für das Drehbuch mitverantwortlich waren. Noch ehe die Rede war von einem Film traten die Beiden als Duo mit den beiden Charakteren, zwei Campingliebhabern aus Redditch, die nebenbei morden, auf. Durch ihre Improvisationskunst verleihen die beiden den Charakteren im Film eine eigene, authentische Note. Einige Jahre vor der Realisierung des Films haben Alice und Steve damit verbracht ihre Charaktere auf der Bühne zu entwerfen. Inspiriert durch ihre Herkunft aus Mittelengland und typische Familienurlaube kreiierten sie das Duo Tina und Chris. Sie wurden zuerst vom Fernsehen, für das ihr Sujet jedoch zu düster war, und dann im Internet entdeckt.

Fazit:
Sightseers ist eine Satire an Tourismus, Liebe, Misanthropie und Soziopathie, oft äußerst überspitzt dargestellt, ungemütlich, aber gleichzeitig immer sehr unterhaltsam. Der typisch britische schwarze Humor ist das tragende Element, das durch Alice Lowes und Steve Orams Improvisationscomedy erst authentisch wird, zynische Kommentare wie “He’s not a person, he’s a Daily Mail - reader” lassen das Zuseherherz höher schlagen. Doch der Film hat ein überraschendes Ende, denn Tina löst sich letztlich von ihrem Mann und diese Emanzipation findet auf äußerst zynische Weise statt, die einem den Atem verschlägt.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
50%
7 /10
17%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
17%
3 /10
0%
2 /10
17%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
La Grande Bellezza - Die große Schönheit (2013)
Silver Linings - Wenn Du mir, dann ich Dir (2012)
Kill the Boss (2011)
Ziemlich beste Freunde (2011)
Der Spion und sein Bruder (2016)
Zurück in die Zukunft (1985)
Der Diktator (2012)
Whatever Works (2009)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Best of 2013
Liste von arienette
Erstellt: 12.06.2013