The Place Beyond the Pines (2012)

OT: The Place Beyond the Pines - 140 Minuten - Krimi / Drama
The Place Beyond the Pines (2012)
Kinostart: 14.06.2013
DVD-Start: 07.11.2013 - Blu-ray-Start: 07.11.2013
Will ich sehen
Liste
18473
Bewerten:

Filmkritik zu The Place Beyond the Pines

Von am
Derek Cianfrance sorgte 2010 mit seinem intensiven Liebesdrama Blue Valentine für eine der größten Überraschungen des Kinojahres. 12 Jahre lang war sein Film in Produktion und trotz der widrigen Umstände ist schließlich einer der besten Filme des Jahres herausgekommen. Nun hat sich der Filmemacher etwas beeilt und sein nächstes Projekt The Place Beyond the Pines deutlich rascher fertiggestellt. Dass er die Sorgfältigkeit dennoch nicht reduziert hat und er auch kein One-Hit-Wonder ist zeigt er nun eindrucksvoll, denn zumindest in punkto Ambition ist sein aktueller Film noch eine Stufe über Blue Valentine zu stellen: Cianfrance hat mit The Place Beyond the Pines schlicht ein Epos erschaffen, das sich wie eine Gazelle zwischen den Genres bewegt und dabei über Familien und Generationen hinweg eine eindrucksvolle Geschichte erzählt, die durchaus auch mehr als einen Film hätte füllen können.

Luke (Ryan Gosling) ist ein Außenseiter und Drifter. Er arbeitet als Motorrad-Stuntman in einem Jahrmarkt, zieht durchs Land und hat nicht die Absicht sesshaft zu werden. Bis er schließlich seiner ehemaligen Flamme Romina (Eva Mendes) über den Weg läuft und erfährt, dass er Vater ist. Romina hat zwar mit Kofi (Mahershalalhasbaz Ali) bereits einen neuen Partner gefunden, allerdings lässt sich Luke davon nicht beeindrucken. Zunächst jedoch braucht er etwas Geld, was ihn schließlich in die Werkstatt von Robin (Ben Mendelsohn) führt. Dieser hat aber auch noch einen anderen Vorschlag: Luke und er könnten sich zusammentun und Banken überfallen. Dies gelingt auch zunächst ohne Probleme, bis es zur folgenschweren Zusammenkunft mit Cop Avery (Bradley Cooper) kommt, der selbst so manche Probleme hat. Zuhause wartet seine Frau Jennifer (Rose Byrne) und sein frischgeborener Sohn, aber er flüchtet sich lieber in seine Arbeit. Doch auch dort machen es ihm korrupte Cops wie Deluca (Ray Liotta) nicht gerade einfach...

Es fällt schwer über The Place Beyond the Pines zu sprechen ohne zu viel zu verraten. Denn ein nicht gerade unbeträchtlicher Reiz des Films geht daraus hervor, dass er den Zuseher vor den Kopf stößt und insgesamt gleich zwei radikale Brüche in die Erzählung einfügt, die den Film je in eine neue Richtung lenken. Damit einhergehend ist nicht nur ein Wechsel der Erzählperspektive, sondern auch ein Wechsel des Genres, was den Film sanft vom Action-Thriller, zum Korruptions-Thriller und schließlich zum reinrassigen Drama führt, ohne dass man den Eindruck hätte, dass die Struktur nicht kohärent wäre. Es schwebt viel eher eine Aura über dem Film, die bewirkt, dass man das Gefühl hat, dass das alles genau so sein muss und genau so erzählt gehört.

The Place Beyond the Pines ist dabei allerdings wohl nicht für jeden so offensichtlich grandios, wie es vielleicht Blue Valentine noch war. Grund ist, dass Blue Valentine vergleichsweise klein und überschaubar war, auch wenn sich Derek Cianfrance einer durchaus ambitionierten Erzählstruktur bediente. Auch im Fall von The Place Beyond the Pines ist es wieder das Gefüge der Narration, das den Film so hervorhebt, allerdings haben wir es hier nicht mit einer übersichtlichen Erzählung zu tun, sondern viel eher mit einem ausufernden Epos, das in der Tradition eines großen Romans eine komplexe Analyse anstellt und über einen sehr großen Zeitraum bei den Figuren bleibt und ihre Entwicklung beleuchtet.

Durch den Sprung zwischen Familien und Generationen ergibt sich ein außergewöhnlich komplexes Bild des menschlichen Zusammenlebens, bzw. der Auswirkungen von kleinen Zusammenstößen innerhalb der jeweiligen Lebenslinien. Figuren tauchen immer wieder auf - auch wenn sie nicht in Person erscheinen, so ist zumindest ihre Aura erkennbar und es hat zum Teil schon fast magischen Charakter wenn man die vergangene Präsenz des Vaters am Ende fast unmittelbar in der Gegenwart verspürt, während sich der Sohn aufmacht um seinen eigen Platz in der Welt zu finden. Diese ausufernde Erzählweise ist nicht nur schwierig zu meistern, sondern mittlerweile auch eine Seltenheit und umso beeindruckender ist es auch sie wieder in dieser hohen Qualität auf der Leinwand zu sehen.

Wie es eine solch breite Narration nun einmal erfordert, arbeit auch Derek Cianfrance sehr viel mit Lücken. Und auch diese elliptische Erzählweise ist ein großer Gewinn für den Film. Man macht sich nicht nur Gedanken über die Vergangenheit der Figuren, bevor wir sie das erste mal auf der Leinwand sehen, sondern muss sich auch zwangsläufig damit auseinandersetzen wie es ihnen in den übersprungenen Jahren zweier Erzählpunkte ergangen ist, da die Ausgangslange häufig wechselt, ohne dass man als Zuseher direkte Informationen bekommen würde. Aber gerade diese Lücke an Informationen wird zur Stärke, in dem sie der Film als Gedankenstauraum für die Vorstellungskraft des Zusehers positioniert und so dazu einlädt die Geschichte mit eigenen Gefühlen und Erzählsträngen zu füllen.

Die zentralen Themen des Films sind dabei sowohl der ewige Schuld und Sühne Kreislauf, als auch die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen. Und beide zentralen Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Episoden und hinterlassen ihre subtilen Abdrücke in den essentiellen Szenen des Films. Die Stärke des Films ist, dass er seine Motive nicht durch einen Knalleffekt verarbeitet, sondern sie als sanften Druck über den gesamten Film legt, was schließlich dazu führt, dass man am Ende die zuvor ausgeführte, sanfte Druckstelle erkennt und beginnt die Zusammenhänge zu verstehen, die sich auf solch komplexe Weise, über mehrere Generationen hinweg, ergeben haben und schließlich dazu führen, dass die Gegenwart so aussieht wie sie aussieht.

Fazit:
The Place Beyond the Pines ist ein packendes, komplexes und hoch interessantes Epos, das sich über Familien und Generationen ausspannt und schließlich drei Filme in einem bündelt. Der Film gleitet sanft durch drei Genres, und verarbeitet seine Schuld und Sühne Story in Form der prägenden Beziehung zwischen Vätern und Söhnen. Die Wendungen und Perspektivenwechsel der Erzählung halten den Film nicht nur frisch, sondern sorgen auch dafür, dass man als Zuseher einen komplexen Eindruck von den Handlungen und ihren Auswirkungen bekommt. Dank der präzisen Inszenierung von Derek Cianfrance und den grandiosen Darstellern ist The Place Beyond the Pines jedenfalls bereits jetzt einer der eindrucksvollsten Filme des Kinojahres.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 31
10 /10
3%
9 /10
52%
8 /10
19%
7 /10
13%
6 /10
3%
5 /10
3%
4 /10
6%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Blue Valentine (2010)
The Wolf of Wall Street (2013)
Natural Born Killers (1994)
Nebraska (2013)
Boogie Nights (1997)
Der Geschmack von Rost und Knochen (2012)
Gangster Squad (2013)
Trainspotting - Neue Helden (1996)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von Richard014
Erstellt: 15.05.2014
Will ich sehen
Liste von Rumo
Erstellt: 09.03.2014
Die Besten Filme mit Ryan Gosling
Liste von Radleey
Erstellt: 31.12.2013
Alle Listen anzeigen