Die Quellen des Lebens (2013)

OT: Die Quellen des Lebens - 173 Minuten - Drama
Die Quellen des Lebens (2013)
Kinostart: 15.02.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Oskar Roehler, bekannt als Regisseur von Elementarteilchen (2006) und dem vieldiskutierten Jud Süß - Film ohne Gewissen (2010), liefert auch mit seinem neuesten Film reichlich Gesprächsstoff: Quellen des Lebens erzählt eine Familiengeschichte basierend auf Roehlers autobiographischem Roman Herkunft und begleitet nicht nur mehrere Generationen einer Familie, sondern auch die Geschichte der Bundesrepublik durch mehrere Jahrzehnte. Roehler inszeniert hier einen zutiefst persönlicher Film, der die Familienchronik der Familie Freytag über drei Jahrzehnte beschreibt- ein vielschichtiges Kaleidoskop von einem Film. Es werden viele spannende Ansatzpunkte geboten, doch am Ende entsteht kein einheitliches Bild, kein episches Drama, das der 173 Minuten lange Film mit seiner weit ausgeholten Geschichte zu Beginn noch versprechen mag.

Der Film erzählt die Geschichte aus der Sichtweise von Robert Freytag, Sohn der Schrifstellerin Gisela Freytag und Klaus Freytags. Dabei holt der Erzähler Robert weit aus und erzählt die Familliengeschichte noch vor seiner Geburt, im Jahre 1949 beginnend, als der Familienvater Erich (Jürgen Vogel) nach jahrelanger Abwesenheit aus russischer Kriegsgefangenschaft zu seiner Frau (Meret Becker) und seinen Kindern zurückkehrt. Von der Familie wird er nur sehr widerwillig aufgenommen, einzig sein ältester Sohn Klaus hilft ihm ins Leben zurückzufinden und unterstützt ihn bei der Herstellung seiner Gartenzwerge und somit beim familieneigenen Wirtschaftswunder. Kurz bevor er sein Studium der Rechtswissenschaft beginnt, lernt Klaus (Moritz Bleibtreu) seine zukünftige Frau Gisela (Lavinia Wilson) kennen. Sie kommt aus reichen Verhältnissen und ist eine exzentrische junge, rebellierende Frau, ihre freie Art fesselt ihn, sie verlieben sich und Gisela wird ungewollt schwanger. Während sie nicht damit umzugehen weiß und auf den Strich geht um das Geld für die Abtreibung aufzutreiben, drängt er sie dazu ihr Leben in den Griff zu kriegen. Als Robert auf die Welt kommt vernachlässigt ihn seine mittlerweile berühmte Mutter, eine Schriftstellerin, völlig und verlässt die Familie schließlich. Der Kleine wächst bei seinem Vater auf bis auch dieser neben seinen Sexeskapaden und seinen Schrifstellerversuchen keine Zeit mehr für ihn findet. Robert wächst unter dem Geist der Sechziger, der Freizügigkeit der Hippies und der sich formierenden RAF auf und landet schließlich wieder in der Idylle vom Anfang des Films, dem Haus der Großeltern am Land- wo auch Klaus aufgewachsen ist - und etwas später im reaktionäre und kapitalistischen Elternhaus seiner Mutter Gisela.

Der Film durchschreitet verschiedene Gebiete der Republik, das Land und die Stadt und verschiedene Ideologien und bietet spannende Einzelaufnahmen des Zeitgeistes in den Einzelschicksalen der jeweiligen Generation. Manche Episoden dieser Familiengeschichte sind besser gelungen und lassen auf mehr hoffen (besonders die eindrucksvolle Rückkehr und Resozialisierung des Vaters zu Beginn des Films), doch werden sie auch bald wieder fallen gelassen um dem Lauf der Zeit zu folgen. Quellen des Lebens hetzt zu schnell durch eine deutsche Familiengeschichte, die sich über 30 Jahre erstreckt. Ein tolles Schauspieleraufgebot (Jürgen Vogel, Moritz Bleibtreu) werten den Film auf, lenken aber nicht davon ab, dass es schwer ist bei dem ständig wechselnden Fokus in die Geschichte zu versinken. Das Drehbuch ist inkonsistent, die Regie versucht verzweifelt die Story durch den jüngsten Nachkömmlich der Familie Freytag zusammenzuhalten, was jedoch nicht gelingt. Die Erzählung scheint ebenso unliebsam hin und her geschubst wie der kleine Robert, der von Mutter und Vater verlassen wird.

Eine Identifikationsfigur gibt es im ganzen Film nicht: Roehler macht es dem Zuseher und den Figuren nicht leicht. Glaubt man eine Figur ins Herz geschlossen zu haben wird auch schon eine andere, egoistische Seite von ihr gezeigt, die nicht mehr so sympathisch ist.

Die Ambivalenz der Charaktere ist sehr stark spürbar und in fast allen Figuren ausgeprägt, psychologisch scheint sie aber oft nicht motiviert. Die Großeltern sind von Anfang in ihrer Beziehung gefangen, als Erich aus der Gefangenschaft zurückkehrt nimmt ihn seine Frau ihn auf, obwohl sie ihn eigentlich nicht mehr liebt und Angst vor ihm hat. Dies wird jedoch nach der ersten Episode nicht mehr thematisiert, die beiden bleiben bis ins hohe Alter noch zusammen. Klaus ist zu Beginn des Films noch eine sympathische Figur, ein junger Schriftsteller und liebevoller Sohn. Er mutiert jedoch im Laufe des Films immer mehr zum egoistischen Rabenvater: er lässt seinen Sohn schließlich jahrelang bei seinen spießigen Großeltern hängen, auch dies wird weiter nicht thematisiert. Einzig und allein der junge Robert ist eine mögliche Identifikationsfigur für den Zuseher, doch taucht er erst ab der zweiten Hälfte des Films auf. Der Film endet harmonisch aber auch plötzlich - nachdem Robert seine Mutter nach Jahren der Kontaktlosigkeit aufsucht und eine selbstzentrierte, zynische, einsame Frau vorfindet, die ihn nicht zu Wort kommen lässt, fährt er mit seiner Freundin Laura nach Italien. Der Film endet mit einem etwas kitschigen und offenen Bild, das die beiden am Strand zeigt, eine glückliche Generation, die sich von der Elterngeneration losgesagt hat.

Roehler lässt sich zu sehr von seiner persönlichen Geschichte leiten und verliert dabei sein objektives Gespür als Regisseur. Die Geschichte fügt sich einfach nicht, die verschiedenen Generation leben für sich in ihrer eigenen Zeit, von der sie geprägt sind, nichts hält das Familienepos zusammen. Eine Straffung der ausschweifenden Geschichte oder ein verbindendes Glied zwischen der Generationengeschichte wäre nötig gewesen um diesen Spielfilm kinofähig zu machen. Der Titel des Films Quellen des Lebens ist ein möglicher Anhaltspunkt für die Aufschlüsselung des Films: doch es wirkt auch etwas aufgesetzt, wenn am Ende des Films der Großvater an seinem Lebensabend seine Frau als seine „Quelle des Lebens“ bezeichnet. Als wolle man noch schnell die Essenz des Films erklären, die jedoch keine ist.

Fazit:
Quellen des Lebens ist ein bis zum Schluss unschlüssig bleibender Film, der in alle Richtungen drängt und in der Bearbeitung einer jahrzehntelangen Familiengeschichte über die lange Zeitspanne der Handlung und des Filmes oft den Fokus verliert. Die Geschichten stehen nebeneinander und sind nur durch das Familienband verbunden. Durchaus ein unterhaltsamer Film, der jedoch sein volles Potential leider nicht ausschöpft und deswegen nur an der Oberfläche kratzt. Einzig der Anfang mit der Rückkehr des verwahrlosten Großvaters und das Ende mit dem Wiedersehen von Mutter und Sohn bleibt im Gedächtnis als verstörende Bilder einer Familie die einander nicht fremder werden kann.

Wertung
6/10 Punkte
Filmering.at
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013