Body Complete (2012)

OT: Body Complete - xx Minuten - Drama / Thriller
Body Complete (2012)
Kinostart: 18.01.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Body Complete

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Der Bosnienkrieg wurde in den letzten Kinojahren ein relativ beliebtes Sujet. Filme wie No man’s land und Esmas Geheimnis - Grbavica hielten das Lebensgefühl einer ganzen Generation fest und machten die Skrupellosigkeit dieses Krieges für ein breites Filmpublikum greifbar. Mit Angelina Jolie wagte sich im Jahr 2011 auch die Hollywoodprominenz an das Thema. In the Land of Blood and Honey wurde allerdings sehr kritisch aufgenommen, von den schärfsten Kritikern wurde Jolie sogar "Kriegspornographie" vorgeworfen. Die filmische Realisierung einer solch brennenden Thematik ist schwierig, ja fast unmöglich und Bedarf eines besonderen Feingefühls, Engagements und Wissens, das der österreichische Film Body Complete sehr wohl mitbringt. Trotz seiner teils unpassenden Thrilleranleihen ist das Ergebnis solide und kann sich sehen lassen.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die Vermisste Edina Julic. Seitdem die Wienerin nach Bosnien und Herzegowina gefahren war um die Überreste ihres viele Jahre zuvor im Krieg ermordeten Vaters in seinem Heimatort Morovci zu beerdigen, ist sie spurlos verschwunden. Morovci liegt in der serbisch dominierten "Republika sprska" von Bosnien und war in Kriegszeiten Schauplatz der ethnischen Säuberungen. Als die junge Frau nicht mehr nach Hause zurückkehrt, plagt die Mutter ein schrecklicher Verdacht, dem die Journalistin Nicole (Asli Bayram) nachzugehen versucht. Nicole fährt an den Ort des Geschehens, nach Bosnien, begleitet von einem ansässigen Kamerateam. Doch in Morovci wird sie nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen und bringt sich zunehmend in Gefahr.

Auf packende Weise wird hier die Thematik der Vermissten und Vergessen aufgegriffen. Dabei geht es nicht nur um die verschollene Edina Julic, sondern um eine ganze Generation, deren Angehörige seit dem Krieg nicht mehr auffindbar und noch immer nicht beerdigt werden können. Viele Massengräber wurden erst in den letzten Jahren entdeckt und bis dato werden ständig neue gefunden. Der Film inszeniert das Thema an manchen Stellen dokumentarisch bzw. halb-dokumentarisch: zu Beginn wird Fernsehmaterial zum Bosnienkrieg und zur Bombardierung von Sarajevo gezeigt. In einer Szene gegen Filmende werden die demonstrierenden „Frauen von Srebrenica“ vor dem Parlament in Sarajevo gezeigt, die für ihre vermissten Familienangehörigen demonstrieren. Body Complete entstand nach dreijähriger Vorbereitung und intensiven Recherchen und Gesprächen mit Opfern und Zeitzeugen- dieses politische Engagement muss man dem Film trotz seiner inszenatorischen Schwächen zugute halten.

Der Film weist einige kleinere und größere Schwachpunkte in der Inszenierung auf - zum einen wirken die Dialoge manchmal etwas zu forciert, vor Allem auf der nationalistischen Seite: hier zeigt sich ein fast stumpfsinniges Schema zwischen Gut und Böse (der serbische Bürgermeister als bitterböser Nationalist und sein Fahrer als aggressiver Chauvinist und Macho). Zum Anderen muss man sagen, dass es nicht immer gelingt, die Spannung aufrecht zuhalten: immer und immer wieder werden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass Interviews und Fragen zu den ethnischen Säuberungen und der vermissten Frau unerwünscht sind, weswegen der Film ab einem gewissen Punkt zu stagnieren scheint. Auch der Handlungsstrang zu Nicoles Vergangenheit als Kriegsreporterin wirkt unfertig und an manchen Stellen nicht besonders glaubhaft.

Umso stärkere Wirkungskraft liegt dafür in den Szenen im forensischen Labor, wo die menschlichen Überreste der Leichen aus den Massengräbern untersucht werden. In diesen Laboren arbeiten Archäologen der etwas anderen Art, die die Funde aus Massengräbern zusammenzusetzen versuchen, von denen im ganzen Land verstreut immer wieder neue ausgegraben werden. Diese Szenen lassen einem kalte Schauer über den Rücken laufen und verdeutlichen den Horror, auf dem das Land aufgebaut wurde, nämlich auf den Leichen vieler unschuldiger ZivilistInnen.

Eine weitere klare Stärke des Films sind seine Darsteller: mit Asli Bayram als Protagonistin und vielen international bekannten Schauspielern aus Bosnien (Miraj Grbic als Bürgermeister, Senad Basic als Murat und viele mehr) hat Lukas Sturm einige talentierte und gleichzeitig authentische Schauspieler für den Film an Land gezogen. Trotzdem wirkt Body Complete aufgrund seiner Unausgegorenheit eher wie ein Fernsehfilm und scheint weniger geeignet fürs Kino.

Fazit:
Der Titel des Films „Body Complete“ ist der Ausdruck für einen vollständigen Leichnam und die damit einhergehende Idee, dass die Seele eines Verstorbenen nur seine Ruhe findet, wenn seine Leiche in ihrer Vollständigkeit begraben wird. Der Film zeigt mit seinem radikalen Ende auf drastische Weise, dass dies für viele Hinterbliebene ein aktuelles Thema bleibt. Im Labor wird erklärt, dass es vorkommen kann, dass Teile eines Leichnams auf mehreren Massengräbern - im ärgsten Fall auf sieben - verteilt gefunden werden. Das ist die Gegenwart und Wahrheit vieler Familien, die noch immer nach ihren im Krieg verschollenen Liebsten suchen und für diese Geschichten macht sich der Film besonders stark, was man ihm zugute halten muss.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
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