Fluchtpunkt San Francisco (1971)

OT: Vanishing Point - 99 Minuten - Action / Drama
Fluchtpunkt San Francisco (1971)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 14.06.2013 - Blu-ray-Start: 14.06.2013
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Filmkritik zu Fluchtpunkt San Francisco

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Starke Geradlinigkeit einer Storyline ist nicht die beste Art komplexe Geschichten zu erzählen. Was sie jedoch kann, ist durch gezielte Andeutungen einen tiefer gehenden Kontext zu schaffen. Genrekreuzungen können ein bewährtes Stilmittel sein dem Trivialen zumindest den Anschein des metaphorisch gewichtigen zu geben. Und das ist vielleicht die größte Stärke von Vanishing Point; ein Film der sonst nicht oft mit starken Momenten punkten kann.

Kowalski (Barry Newman) hat den Auftrag erhalten einen weißen 1970er Dodge Challenger R/T von Denver nach San Francisco zu überführen. Mager formuliert aber ausreichend um die Frage zu beantworten worum es in diesem Film geht. Oftmals wird in anderen Kritiken erwähnt, dass Kowalski völlig übereilt fährt um eine recht unbedeutende Wette zu gewinnen, was aber so bei aller Logik nicht stimmen kann. Kowalski – dessen Vorname man im Film nicht zu hören bekommt, obwohl ganz Amerika von ihm zu sprechen scheint – befindet sich von der ersten Sekunde an ohne klar nennbaren Grund in getriebener Eile. Das Drama und zugleich dramaturgische Bereicherung in diesem Road-Actionmovie, sind Teilstücke/Rückblenden Kowalskis Vergangenheit welche die gefühlt zahllosen Verfolgungsjagden um einen persönlichen Aspekt erweitern – der Figur selbst jedoch keine Tiefe verleihen. Und so oft der Protagonist und sein weisser Dodge Challenger R/T zu sehen sind, geht es gar nicht so sehr um seine Figur und dem was hinter dieser Figur stehen könnte, noch spielt der Auftrag der Fahrzeugüberführung eine große Rolle.

Besonders interessant und für das nicht amerikanische Publikum vielleicht nicht ganz nachvollziehbar, ist das Distanzverhältnis zwischen Kowalski und dem Polizeifunk abhörenden Radiojockey Super Soul (Cleavon Little). Eine Beziehung  die ebenfalls völlig frei von emotionaler Tiefe auskommt aber nicht ohne dem, was Gesetzesbrecher Kowalski tut und wie Super Soul diese Flucht in fast dogmatischen Radioansprachen kommentiert. Hier wird der Rausch der Geschwindigkeit, die Flucht und das sich Widersetzen der Staatsgewalt als Freiheitswille definiert.

Wenn man das verstehen will, ist es nicht schlecht das von Misstrauen geprägte Verhältnis der US-Bürger gegenüber ihrer Regierung zu kennen. In keinem anderen Land der westlichen Zivilisation wurden so oft Attentate auf Politiker verübt wie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dies hat viel mit der Entstehungsgeschichte dieses Landes zu tun und was das angeht hat Vanishing Point nach über 40 Jahren seinen Aktualitätswert nach wie vor bewahrt. Der mediale Umgang mit Kowalskis Flucht ist eine dieser bedeutenden Andeutungen von denen der Film lebt.

Durch Super Souls losgetretene Medienhysterie ist K. zu einem gesetzlosen Vertreter des amerikanischen Traums von Freiheit und Ungebundenheit erklärt worden. Ein amerikanischer Held. Ein Mythos an dem der amphetamingeladene Kowalski selbst im wahrsten Sinne des Wortes vorbeirauscht. Der Anfang des Films ist zugleich sein Ende und alles was dazwischen passiert, ist symptomatisch für seine Figurenzeichnung - deren Dürftigkeit nach der späten Erkenntnis im Nachhinein eine Neubewertung fordert und stimmig wird. Jim Morrisons Zitat zur sozialen Lage seiner Zeit beschreibt es am besten: „I think, in these days, especially in the States, you have to be a politician or an assassin or something, to really be a superstar.“
 
Fazit:
Vanishing Point lässt den Zuschauer mit sehr vielen Fragen zurück und beantwortet sie – wenn überhaupt – nur spärlich. Ohne Eigenbemühung, zu lesen worin sich dieser Film verstrickt haben könnte, sieht man nur einen großherzigen und getriebenen Vandalen hinter dem Steuer – dessen Getriebenheit nur durch den Klang seines hochgetrimmten Dodge Challenger vermittelt wird -  der selbst nicht weiß wie das alles enden wird. Woran der Film als Actionfilm letztendlich scheitert sind die Verfolgungsjagden, welche aufgrund akuten Geldmangels sich um keine bessere Inszenierung verdient machen konnten.

Wertung:
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Filmering.at
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