Ein Freund gewisser Damen - The Walker (2007)

OT: - 108 Minuten - Drama
Ein Freund gewisser Damen - The Walker (2007)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
1841
Bewerten:

Filmkritik zu Ein Freund gewisser Damen - The Walker

Von am

Regisseur und Drehbuchautor Paul Schrader begann seine Karriere quasi mit seinem fulminanten Drehbuch zu Martin Scorseses Taxi Driver, welches ihm die Tür in die Traumfabrik öffnete und es ihm auch ermöglichte, selbst zu inszenieren, doch die meisterhafte Qualität seines Taxi Driver-Drehbuchs, welches so stark war, dass es Scorsese nur mehr halbwegs stilgerecht auf die Leinwand bringen musste, sollte er nie wieder erreichen. Vor zwei Jahren schlidderte seine Karriere sogar in ein kleines Debakel, als er ein Prequel zu Der Exorzist machen sollte, seine Fassung von Warner Bros. allerdings energisch abgelehnt wurde. Doch nun ist Paul Schrader wieder da und wandert mit The Walker auf gewohntem Terrain.

Carter Page III. (Woody Harrelson) ist der titelgebende Walker. Er ist nicht der Mann für gewisse Stunden, sondern derjenige, der sich darauf beschränkt, reiche Frauen auszuführen und ihnen die Zeit zu vertreiben. Er hat vorbildliche Manieren, versteht sich darauf, den Damen den Klatsch zu servieren, den sie gerne hören wollen, und durch seine offen zur Schau gestellte Homosexualität haben auch die Männer der Damen kein Problem mit dem Ausführer. Doch sein ruhiges und gesichertes Leben soll sich jäh ändern, als seine langjährige Freundin Lynn (Kristin Scott Thomas) in einen Mordfall verwickelt wird. Der Ermordete war ihr Liebhaber, und um ihren Ruf zu schützen, findet Carter an ihrer Stelle die Leiche und gerät somit direkt ins Visier der Ermittler...

Jeder der Schrader kennt (und ich hoffe, dass die meisten zumindest Teile seines Oeuvre kennnen), wird sich schon denken können, dass es absolut nicht das Ziel des Regisseurs ist, eine gewöhnliche Krimi-Geschichte zu erzählen, wie man sie an allen Ecken und Enden serviert bekommt. Paul Schrader versteht sich viel mehr auf Charakterstudien und liebt es seine, Figuren von innen heraus zu durchleuchten, sie zu demaskieren und auf einen langen, beschwerlichen Weg zu schicken, der sie schließlich für immer verändern soll. Die Story dient dabei meistens nur als Stützkonstruktion, um Schrader ein Spielfeld für seine psychologische Betrachtung zu bieten.

Dabei ist Schrader wie kaum ein anderer ein Meister der Randfiguren, die zwar integraler Bestandteil der Gesellschaft sind, aber nie wirklich dazugehören, sondern stets nur aufgrund ihrer Dienstleistungen benötigt werden. Ganz klar ersichtlich war dies bereits in Taxi Driver mit Robert de Niro als Taxifahrer, der sich zwar im Herzen der Gesellschaft bewegt, aber nie dazugehört, sondern von allen nur als lebendiger Gebrauchsgegenstand verwendet wird. Carter Page III. ist eine ähnliche Randfigur: Er sitzt mit den reichen Damen am Tisch, vertreibt ihnen die Zeit und glänzt durch seine fabelhaften Manieren. Aber so richtig dazugehören tut er nie.

Nun nutzt Schrader den Film dazu, um zunächst seine Hauptfigur einzuführen und ihr ein Gesicht zu verpassen. Das Auftreten von Carter Page III. ist perfekt. Der Maßanzug sitzt makellos, seine Aussprache ist bedächtig betonend, jede Bewegung ist perfekt auf die andere abgestimmt, und sowohl seine Manieren als auch sein Charme sind für den Zuseher sofort ersichtlich. Carter Page III. ist offensichtlich ein Mann von Welt, der versteht, wovon er redet, und ein Meister darin, seinem Gegenüber das zu präsentieren, was er gerne möchte.

Schrader zeigt uns eine Welt voll glänzender Oberflächen. Doch eben diese edlen Oberflächen wird er in der restlichen Spieldauer seines Films gehörig demolieren. Den Einklang dazu liefert eine absolut fantastische Szene, in der er die Demaskierung seiner Hauptfigur auf den Punkt bringt: Als Carter Page III. nach Hause kommt, legt er sein edles Gesicht ab. Er nimmt die Manschettenknöpfe ab, gleitet aus dem feinen Anzug, und schließlich setzt er seine Perücke ab und gewährt dem Zuseher eine Blick auf einen kahlköpfigen, verletzlichen Carter, der so ganz anders ist als das Bild, das er normalerweise von sich zeigt.

In Folge ist die einsetzende Krimi-Geschichte allerhöchstens als Rahmen um die Entwicklung der Hauptfigur zu sehen. In Wirklichkeit dreht sich alles darum, wie Carter Page III. zum ersten Mal in seinem Leben dazu gezwungen ist, sich auf die Hinterbeine zu stellen und zu kämpfen. Ergänzt wird die Geschichte wunderbar durch die private Liebesbeziehung zu Carters Lebensgefährten Emek (Moritz Bleibtreu), einem Künstler, der seine Werte verteidigt und nicht dazu bereit ist, seine Kunst dem Massengeschmack anzugleichen. Emek scheint ein Mensch zu sein, der sich Zeit seines Lebens selbst treu war, und somit die ideale Ergänzung zu Carter, der immer den einfachen Weg wählte.

The Walker profitiert dabei außerordentlich durch die absolut herausragende Darstellung von Woody Harrelson, der dieser Figur ein unglaublich facettenreiches Profil verleiht und souverän durch den Film führt. Er führt einen kompakten und durchwegs starken Cast an, aus dem man auch Moritz Bleibtreu sehr positiv hervorheben muss. Doch eines muss man bei The Walker dennoch kritisieren: Obwohl der Film als Charakterstudie großartig ist, ergeben sich dennoch einige Schwächen und Durchhänger, die vor allem dadurch bedingt sind, dass die Geschichte selbst nicht immer überzeugen kann. Dennoch ist The Walker ein sehr sehenswerter Film, mit dem sich Paul Schrader eindrucksvoll zurückmeldet.

Fazit:
Mit The Walker gelingt es Paul Schrader eindrucksvoll zu beweisen, dass sein Der Exorzist-Debakel eine einmalige Angelegenheit war und er noch immer imstande ist, sehr gute Filme zu machen. Was The Walker auszeichnet, ist, dass der Film zunächst eine glänzende Fassade entwirft, diese dann langsam demoliert und dabei immer sehr nahe an seiner Hauptfigur bleibt. Als Charakterstudie ist dieser Film somit durchwegs empfehlenswert, aber dadurch, dass sich Schrader ausschließlich auf diesen Aspekt konzentriert, geht die Story etwas unter, und es schleichen sich auch einige langatmige Passagen in den Film. Dennoch ist The Walker ein wunderschön gefilmter, stilsicherer und großartig gespielter Film, dem man durchaus eine Chance geben kann.

Wertung:
7/10 Punkte







Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
50%
6 /10
0%
5 /10
50%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The Messenger (2009)
Taxi Driver (1976)
Inside Man
Der englische Patient (1996)
Die letzte Versuchung Christi
There Will Be Blood (2007)
The Wrestler (2008)
Das Weisse Band - Eine deutsche Kindergeschichte (2009)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!