Alexandre Ajas Maniac (2012)

OT: Maniac - 93 Minuten - Krimi / Horror / Thriller
Alexandre Ajas Maniac (2012)
Kinostart: 27.12.2012
DVD-Start: 21.05.2013 - Blu-ray-Start: 21.05.2013
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Filmkritik zu Alexandre Ajas Maniac

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Seit einigen Jahren kommt man an keinem Gespräch über das Horror Genre vorbei, in dem nicht das Wort „Remake“ im gleichen Atemzug genannt wird. Großteils verpönt, gibt es im Horror Genre auch gute wenn auch immer streitbare Beispiele wie The Ring, Nosferatu: Phantom der Nacht oder Bram Stoker’s Dracula. Diesmal wagt sich der eigentlich erfahrene Alexandre Aja (Haute Tension, P2) an die Neuverfilmung des Slasher-Klassikers Maniac aus den 80ern. Dass er mit Neuinterpretationen durchaus umzugehen weiß, hat er bereits mit dem Schocker The Hills Have Eyes gezeigt. Für das Remake hat er sich mit Frank Khalfoun (Haute Tension, P2) einen alten Kollegen geholt, der im Regiestuhl Platz nimmt. Beide halten sich dabei nur lose an die Originalversion von William Lustig und nehmen sich einige Freiheiten heraus, wie etwa bei der Inszenierung aber auch bei der Erzählperspektive, die neben der expliziten Gewaltdarstellung das Aushängeschild des Filmes ist. Und einmal mehr beweist der Franzose Aja mit seinem Kollegen Khalfoun, dass er ein Händchen für harten Tobak hat.

Gerade als die Straßen wieder sicher scheinen, schlägt in Downtown Los Angeles ein Serienkiller zu, um seinen blutigen Fetisch zu befriedigen: das Skalpieren junger Frauen. Frank (Elijah Wood) lebt zurückgezogen und einsam in Downtown Los Angeles. Ganz allein betreibt er einen Laden, den er von seiner verstorbenen Mutter geerbt hat und in dem er Schaufensterpuppen restauriert. Nachts zieht er durch die Straßen und macht Jagd auf Frauen, die er tötet, skalpiert und entkleidet. Mit diesen Trophäen schmückt er zu Hause seine Puppen. Dadurch, glaubt er, haucht er ihnen Leben ein. Aufgewachsen mit einer promiskuitiven Mutter, die ihn immer vernachlässigt hat, hofft Frank, nun seine innere Leere füllen zu können. Eines Tages taucht die junge Künstlerin Anna (Nora Arnezeder) in seinem Laden auf. Fasziniert von den Schaufensterpuppen bittet sie, diese fotografieren zu dürfen, und kommt mit Frank ins Gespräch. Natürlich hat Anna keine Ahnung, mit wem sie da gerade Freundschaft schließt…

Bereits in den ersten zehn Minuten, mit der Ermordung des ersten Opfers wird klar, dass es in Maniac nicht um das Psychogramm eines Serienkillers geht. Jeder Mord besticht durch glasklare Brutalität und wird ohne jeglichen inszenatorischen Schnickschnack präsentiert. Einerseits werden so die Schauwerte in das Licht gerückt, leider bleibt der Regisseur dem Zuschauer eine gründliche Charakterisierung von Frank schuldig. Wenn sich Franks Horrortrip dem Ende neigt, werden in kurzen Flashbacks die Hintergründe gezeigt, die ihn anscheinend zu dem gemacht haben, was er jetzt ist. Dabei wird man das Gefühl nicht los, dass es sich hier um Alibi-Rückblenden handelt: einen tieferen Einblick oder gar Empathie erhält man dadurch nicht. Der Versuch den Killer damit dem Zuseher näher zu bringen wirkt fehl am Platz.

Dass Elijah Wood den unscheinbaren Frank mimt bekommt man in nur wenigen Einstellungen mit, denn die Erzählperspektive des Films wird aus der subjektiven Sicht des Protagonisten gezeigt (POV). Nur in wenigen Einstellungen, etwas wenn er sich vor einem Spiegel befindet, verleiht Woods blasses, kindliches Gesicht und der leere Blick seinem Charakter eine unheimliche Portion Unberechenbarkeit. Dass er dieses Spiel beherrscht, hat er nicht zuletzt in Sin City bewiesen. Die von Nora Arnezeder gespielte Anna ist anfangs mehr als nur potentielles Opfer für Frank. Sie zeigt sich interessiert an seinem Handwerk und seiner Person, für Frank keine Selbstverständlichkeit und so dauert es nicht lange, bis er Gefühle für sie entwickelt. Arnezeder spielt die offene und liebenswürdige Anna mit einer lebendigen Natürlichkeit, die dem Zuschauer die Sympathie für ihren Charakter mit Leichtigkeit abnimmt.

Der Schauplatz ist einmal mehr L.A.. Allerdings wird weitestgehend auf Glamour verzichtet, vielmehr herrscht eine düstere und distanzierte Stimmung vor. Die Auswahl war wohl kalkuliert, denn die leeren Straßen und das menschenleere, weitläufige Areal in der Peripherie der Metropole erwecken einen tristen Eindruck und lassen die flüchtenden Opfer verloren erscheinen. Während Frank mit seinem Auto durch Downtown L.A. fährt, erwischt sein, und damit auch unser Blick, eine Vielzahl an Obdachlosen, einsame und getriebene Menschen: Es kommt Großstadtfeeling auf. Der stimmungsvolle 70er Synthesizer Soundtrack, der entfernt an den elektronischen Neo-Noir-Soundtrack von Drive erinnert, tut sein Übriges und schafft eine durch und durch runde Atmosphäre.

Fazit:
Maniac ist ein blutrünstiger und sehenswerter Slasher der den Zuschauer aufgrund seiner unkonventionellen, wenn auch nicht neuen Erzählperspektive einnimmt aber ihn letztlich durch die merklich aufpolierte Inszenierung und stellenweise durch einen recht platten Spannungsbogen mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Die Idee, den Zuseher in POV Einstellungen zum Mittäter zu machen hat durchaus ihre Reize, nützt sich aber bis zum Ende des Films schnell ab, da sie einerseits Nähe zum Protagonisten erzeugt, eine fundierte Charakterstudie jedoch nicht zulässt. Bei Freunden des Genres und vor allem der etwas härteren Gangart werden die explizit dargestellten Gewaltszenen jedoch mit Sicherheit ankommen.

Wertung:
7/10 Punkte
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