Ludwig II (2012)

OT: Ludwig II - 130 Minuten - Biographie / Drama / Geschichte
Ludwig II (2012)
Kinostart: 26.12.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Ludwig II

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„Wir haben die Kunst, um nicht an der Wahrheit zugrunde zu gehen.“ (Friedrich Nietzsche)

Bisher spukte Helmut Berger als Außenseiter König Ludwig II. von Bayern in den Köpfen der Menschen. Seit Luchino Viscontis Verfilmung 1972 sind jedoch viele Jahre vergangen. Berger taucht mittlerweile eher in fragwürdigen Fernsehshows auf und der neue Ludwig II. heißt Sabin Tambrea. Denn im Jahr 2012 entstand unter der Regie von Marie Noelle und Peter Sehr eine gänzlich neue, in helles Licht getauchte Filmbiografie des einzigartigen Märchenkönigs.

1864, Bayern. Als Ludwig II. (Sabin Tambrea) im Alter von 18 Jahren unerwartet König wird, träumt er davon, sein Land mit Hilfe der Kunst zum Mittelpunkt der Schönheit zu machen. Als erste Amtshandlung lässt er deshalb den in die Flucht getriebenen Richard Wagner (Edgar Selge) kommen. Als sich die Lage zwischen Preußen und Österreich immer mehr zuspitzt, wird Ludwig zu einem Krieg gezwungen, der all seinen Vorstellungen von Frieden und Glück widerspricht. Nach der vernichtenden Niederlage Bayerns ist jedoch nach wie vor keine Besserung der politischen Entwicklungen in Aussicht. Wenige Jahre später muss sich Bayern aus politischen Zwängen am Deutsch-Französischen Krieg beteiligen. Auch privat muss Ludwig einige Niederlagen einstecken. Er hadert mit seiner Homosexualität, löst die Verlobung zu seiner Cousine Sophie (Paula Beer) und auch die Beziehung zu seinem Vorbild Wagner wird nach und nach zerrüttet. In den letzten Jahren seines Lebens, zieht sich Ludwig (nun gespielt von Sebastian Schipper) mehr und mehr in seine Fantasiewelt zurück und baut die Schlösser Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee. Die Minister jedoch missbilligen die Abwesenheit des Königs und erklären ihn kurzerhand für regierungsunfähig.

Das Regieduo hat es sich zur Aufgabe gemacht König Ludwig den Menschen ein Stück näher zu bringen. Sicher kein leichtes Unterfangen, denn jeder, der ihn kennt, hat sich bereits ein eigenes Bild von ihm gemacht (nicht zuletzt durch Bergers herausragende Performance). Allerdings schütten Sehr und Noelle ein nicht zu unterschätzendes Ass aus dem Ärmel. Sabin Tambrea, Bühnendarsteller und Neuling auf der Kinoleinwand, bringt eine Natürlichkeit zu Tage, die eine gänzlich neue und überraschend gute Rolleninterpretation zulässt. Als Ludwig mit 18 Jahren den Thron besteigt, ist er nervös, unsicher und alles andere als vorbereitet auf die Rolle des Königs von Bayern. Diese Konfrontation zwischen Ludwig und seiner neuen Rolle, zeigen Noelle und Sehr in einer beeindruckenden dreiminütigen Einstellung, die das Gefühlsleben des jungen Königs genial einfängt. So sieht man Ludwig kurz vor der Proklamation seinen Krönungsmonolog proben. Ein junger Mann, der zwischen Zukunftsvisionen und Gegenwartsängsten hin und her gerissen ist. Ein Thronfolger, der so lange zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit schwankt, bis er sich schlussendlich an der Wand kauernd unter seinem Hermelinmantel versteckt. Eine Szene, die den Grundstein dafür legt, um als Zuschauer Verständnis für den Protagonisten aufzubauen.

Produzent Ronald Mühlfellner war von Anfang an klar, dass der Film steht und fällt mit der Besetzung des Ludwigs. Tambrea, der sich selbst noch den kindlichen Glanz in den Augen bewahren konnte, transportiert Ludwigs Naivität und kindliches Wesen in jeder gesprochenen Silbe und jeder einzelnen Bewegung. Es sind aber noch andere Faktoren, die dazu beitragen, dass der Film besonders authentisch wirkt. Abgesehen von der Besetzung, sind es die vielen Details, die zwar nicht unbedingt überraschende Neuigkeiten über Ludwig zu Tage fördern, den Film aber umso persönlicher gestalten.

Für die letzen 30 Filmminuten, entschied man sich recht unkonventionell für eine Umbesetzung, sodass nun Sebastian Schipper den alternden Monarchen verkörpert. Und dennoch: Auch hier bewahrt sich die Glaubhaftigkeit, da auch schon der echte Ludwig einen starken optischen Wandel vollzog, dass man sich unweigerlich fragt, ob es sich wirklich um ein und dieselbe Person handelt. So gesehen ein findiger Kunstgriff den Hauptdarsteller nicht einfach einige Kilo zulegen und per Maske altern zu lassen, sondern den Schauspieler einfach auszuwechseln.

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings. Die fantasievollen Venusgrotten in Linderhof, der unterirdischer See, das Paradezimmer in Herrenchiemsee (das sogar prunkvoller ausfiel als das Vorbild in Versailles), die illusionistischen Decken- und Wandmalereien. All diese träumerischen Fantasiewelten sind Ausdruck dessen, was König Ludwig II. charakterisiert. Seine Flucht in die Einsamkeit, die Isolierung vom Alltag. Leider hat man sich hier dazu entschlossen die königlichen Fantastereien ebenso nur nebenbei zu thematisieren wie Ludwigs homosexuelle Neigungen. Hier war man nicht ganz so konsequent, bedenkt man, wie sehr sich das Regieduo es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich auf die Person Ludwig und dessen Gefühlsleben zu fokussieren.

Fazit:
Selten sieht man eine so gut gemachte Neuinterpretation eines schon mehrfach verfilmten historischen Stoffes. Die Kamera konnte die Originalschauplätze traumhaft gut einfangen und schafft dadurch eine Szenerie, die zum Schwelgen einlädt. Sabin Tambrea als Ludwig zu casten war ein besonderer Glücksgriff, da er die kindliche Träumerei sowie die Zerrissenheit des Königs wunderbar erfassen und transportieren konnte. Als Bühnendarsteller inszeniert er den labilen König besonders verletzlich und kann durch seine Erfahrungen aus dem Vollen schöpfen. Entstanden ist ein sehr persönlicher Film, dessen Authentizität und ehrliche Herangehensweise durch ausführliche Recherchearbeiten und großer Liebe zum Detail das Herzstück bilden.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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