Der große Gatsby (2013)

OT: The Great Gatsby - 142 Minuten - Drama / Romanze
Der große Gatsby (2013)
Kinostart: 17.05.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der große Gatsby

Pompös, bombastisch, Baz Lurmann! Der Regisseur hat bereits mit seinen bisherigen Filmkompositionen Moulin Rouge! (2001), William Shakespeares Romeo + Julia (1996) sowie Australia (2008) bewiesen, dass er große Liebesgeschichten zeitgemäß in Szene setzen kann und darüber hinaus noch den Flair der obsoleten Epoche, in der sich der Film abspielt beziehungsweise aus welcher die Story zum Film stammt, einfangen kann. Mit Der große Gatsby gelingt ihm genau dieses Kunststück. Weiters kreiert er eine riesige Party, die zum Mitmachen anregt, fasziniert und beeindruckt. Zugleich versinken jedoch die Ernsthaftigkeit der Geschichte und die Dramatik der Charaktere im Hintergrund. Aufgrund dieser Tatsache kann Der große Gatsby zwar Augen und Ohren des Zusehers sofort für sich gewinnen. Das Herz wird sich allerdings wehren in die Welt des Glamours einzutreten.

1922 - Nick Carraway (Tobey Maguire) ist ein Schriftsteller, der groß herauskommen möchte, den Mittelwesten verlässt und nach New York City zieht, um dort den Amerikanischen Traum zu leben. Er wohnt in einem kleinen Häuschen neben dem Multimillionär Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio). Seine Cousine Daisy (Carey Mulligan) haust zusammen mit ihrem Ehemann und Frauenhelden Tom Buchanan (Joel Edgerton) auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht. Nick hat bereits viel über Gatsby gehört, ihn jedoch noch nicht persönlich getroffen. Dies soll sich nun ändern. Nick hat eine persönliche Einladung vom geheimnisvollen Mann erhalten. Er soll zu der nächsten großen Party des Millionärs erscheinen. Ungewöhnlich ist, dass Gatsby noch nie eine Einladung verschickt hat. Der Grund für diese wird sich noch zeigen. Nick betritt demnach die Welt des Ruhms, Rausches und Schwindels. Er kann daraufhin auch unter der schimmernden Oberfläche kratzen und durchlebt im Zuge dessen ein für ihn prägendes Erlebnis, welches er später in einem Roman verarbeitet…

Äquivalent zu seinem Musical Moulin Rouge! erzählt Luhrmann seine Geschichte mithilfe einer Rahmenhandlung. Der Film beginnt mit dem mitgenommenen Nick, der versucht seine Erfahrung zu verarbeiten und letztendlich alles, was ihn bedrückt, auf Papier schreibt. Seine Odyssee durch Geld, Liebe und Betrug wird dem Zuschauer im Zuge des Schreibprozesses vom Regisseur der Extravaganz visualisiert. Zudem hat Baz Luhrmann in Der große Gatsby ein kleines Detail hinzugefügt, welches die Zuschauer zuerst sicherlich ins Staunen versetzen wird. Der Filmemacher hat den Film in 3D gedreht. Dadurch kommt folgende Frage auf: Ist das denn nötig?

Betrachtet man die Partys, so muss man sagen: wer sich als Teil dieser Feste fühlen möchte, der sollte sich für die 3D-Version des Film entscheiden. Die Gatsby-Feiern wirken durch die dreidimensionalen Effekte greifbarer. Die tanzenden Gäste reißen mit und bewirken den gleichen Effekt wie der starke Soundtrack, welcher zum Mitwippen anregt. „A little party never killed nobody“, ertönt es schließlich aus den Lautstärkern. Zahlreiche Szenenbilder werden durch die 3D-Technik plastischer dargestellt. Beispielsweise sind die Autofahrten sowie die Rundgänge durch das Gatsby-Haus positiv zu erwähnen. Doch bei dieser Begeisterung bleibt es leider nicht. Der 3D-Effekt lässt mit der Zeit nach. Sobald man sich daran gewöhnt hat, fällt die Effekthascherei kaum noch auf – nur noch besonders eindrucksvolle Bilder geraten nunmehr in den Vordergrund.

Alle amüsieren sich, nur der Gastgeber wird allen vorenthalten. Wo und vor allem wer ist Jay Gatsby?

„Ich wette, dass er jemanden umgebracht hat.“
„Eher war er wohl während des Kriegs ein deutscher Spion.“
„Er vermeidet jeden Ärger.“
„Ich habe Angst vor ihm. Wenn ich mir vorstelle, dass er etwas gegen mich in der Hand hätte…“

Die Einführung des Hauptcharakters wird mit Aussagen, die von seinen Gästen stammen, in die Länge gezogen. Der große Gatsby wird demnach beinahe als Mythos dargestellt - bis er letztendlich erscheint. Im Vergleich zu der langen Hinführung schon fast unspektakulär. Leonardo DiCaprio (Inception, 2010) ist hier sicherlich die richtige Wahl für diese Rolle gewesen. Er gibt erneut eine gekonnte Performance ab und lässt seine innere Leere jederzeit aus der aufgesetzten Fassade herausschimmern. Auch Carey Mulligan wirkt als Daisy auf Anhieb traurig. Mulligan verdeutlicht, dass ihrem Charakter ihre eigene Oberflächlichkeit bewusst ist. Sie ist gefangen in der damaligen Rolle der Frau, versucht zwar auszubrechen, scheitert aber an der Angst alles zu verlieren. Carey Mulligan, die bereits in Filmen wie Alles, was wir geben mussten (2010) und Shame (2011) ihr Talent unter beweist stellte, kann den inneren Konflikt ihrer Figur problemlos veranschaulichen und zieht damit mit DiCaprio an einem Strang. Doch auch die anderen Darsteller, also Joel Edgerton (Warrior, 2011), Isla Fisher (Die Hochzeit unserer dicksten Freundin, 2012), Jason Clarke (Zero Dark Thirty, 2012) und Tobey Maguire (Spider-Man 3, 2007), überzeugen in ihren Rollen.

Die Darsteller drehen also am richtigen Rad, lösen aber dessen ungeachtet nicht das nötige Mitgefühl beim Zuschauer aus. Die Dramatik der Charaktere geht aufgrund dessen verloren. Die Schuld muss hier dem Regisseur zugeschoben werden, der mit seinen wunderschönen Bildern das Publikum verwöhnt, es damit aber nicht berühren kann. Die Liebesszenen wirken zum Beispiel wie aus einem Bilderbuch entnommen. Ansonsten gilt die große Streitszene zwischen Tom, Daisy und Jay als Hänger des Films, sollte dramaturgisch gesehen aber als Katalysator für den Höhepunkt fungieren. Das Interesse des Betrachters wird dann erst wieder bei der nächsten Autofahrt gewonnen, welche mit Jack Whites „Love is Blindness“ untermalt ist.

Wie bereits oben thematisiert passt der Soundtrack des Films perfekt zum präsentierten Bild. Aktuelle Songs und Lieder aus dem letzten Jahrzehnt wurden infolgedessen neu gemixt. Man kann sich also auf Beyonces Crazy in Love und Amy Winehouses Back to Black freuen, welche von anderen Artisten neu eingesungen wurden. Im Zusammenhang mit den bereits beschriebenen Bildern können diese Lieder in neuem, akustischem Gewand die damalige Stimmung sehr gut einfangen und zudem die neue reflektieren. Dafür hat auch Shawn „JAY-Z“ Carter, einer der Produzenten des Films, gesorgt. Des Weiteren muss man als Zuseher ein gutes Aufmerksamkeitsvermögen mitbringen, um diese Songs zu entdecken, da Baz Luhrmann nebenbei ein voll ausgeschmücktes Bild in 3D präsentiert und zugleich in gewohnter Manier die Bilder schnell aneinanderreiht – folglich zügig das Bild wechselt. Aus diesem Grund kann gesagt werden, dass jeder, der Gefallen an Moulin Rouge! und William Shakespeares Romeo + Julia gefunden hat, sicherlich bei Der große Gatsby auf seine Kosten kommen wird.

Fazit:
Baz Luhrmanns Leinwandadaption des F. Scott Fitzgerald Klassikers Der große Gatsby ist ein Fest für die Ohren und Augen geworden, schließt dabei aber das Herz beinahe aus. Zwar können die Darsteller mit nötigem Gespür die Situation der Figuren veranschaulichen, dennoch geht die Dramatik der Geschichte in der imposanten Regie des Filmemachers unter. Luhrmann bietet mit Der große Gatsby nicht nur eine große Feier, sondern feiert damit auch seine Regiekunst selbst. Mithilfe der wunderschönen Szenenbilder und des perfekt passenden Soundtracks kann die Atmosphäre der 1920er Jahre eingefangen werden. Zusätzlich fungiert der Film auch als aktueller Spiegel der Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund kann über die aufgewiesenen Mängel hinweggesehen und schließlich die sehenswerte Party genossen werden.  

Wertung:
7/10 Punkte
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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 23
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