Mama (2013)

OT: Mama - 100 Minuten - Horror
Mama (2013)
Kinostart: 19.04.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Mama

Das Horrorgenre hat derzeit einen Tiefpunkt erreicht. Statt originellen und kreativen Ideen werden lieber altbekannte Handlungsabläufe stets neu aufgewärmt und den bereits frustrierten Anhängern des Genres präsentiert, die anscheinend nie die Hoffnung auf einen guten Film aufgeben. Die Filme bewegen sich in den bereits vorgegebenen Grenzen, werden mit Klischees beladen und enttäuschen am Ende mit einer absurden oder vorhersehbaren Auflösung. Aus diesem Grund werden Filmemacher und Drehbuchautoren benötigt, die diese Grenzen durchbrechen und qualitativ gesehen einen Schritt nach vorne machen. Diesen Schritt hat nun der Regiedebütant Andres Muschietti gewagt, der zusammen mit seiner Schwester Barbara Muschietti und dem Autor Neil Cross das Drehbuch zu Mama verfasste und damit großen Wert auf die Charakterzeichnung der Hauptfiguren legte. Infolgedessen wurden die Hauptcharaktere, in diesem Fall Protagonist und Antagonist, mit einer emotionalen Tiefe ausgestattet, welche für das Horrorgenre untypisch ist.

Im Zuge der internationalen Finanzkrise im Jahr 2008 dreht Jeffrey (Nikolaj Coster-Wandau) durch und ermordet seine Geschäftspartner sowie seine Ehefrau. Daraufhin fährt er mit seinen zwei Töchtern, Victoria (Megan Carpentier) und Lilly (Isabelle Nélisse), in den Wald und verursacht dort einen Unfall. Der Vater und die Mädchen überleben und ziehen weiter in eine nahe liegende, verlassene Hütte. Dort bereitet sich Jeffrey vor seine Töchter zu ermorden und sich danach das Leben zu nehmen. Allerdings wird er aufgehalten - eine schattenhafte Gestalt dreht ihm den Hals um.

Lilly und Victoria bleiben somit in der Hütte. Fünf Jahre später werden die Mädchen von einem Suchtrupp gefunden. Lucas (ebenfalls Nikolaj Coster-Wandau) der Onkel der Kinder, hat die Suche nie aufgegeben und nimmt die erschrockenen Mädchen in sein Zuhause auf. Seine langjährige Freundin Annabel (Jessica Chastain) ist nicht sehr begeistert über die Tatsache zwei kleine Kinder im Haus zu haben, akzeptiert Lilly und Victoria aber zuliebe ihres Freundes. Langsam leben sich die Mädchen auch ein, jedoch stellt sich die Frage, ob es an Lucas und Annabel oder doch an jemand anderes liegt. Mit wem spielen die Kinder und wer bringt sie nachts ins Bett? Wer hat die Rolle der Mutter übernommen?

„Ein Geist ist wie die Essenz einer Person. Wenn man eine ganze Persönlichkeit in der Sonne ausdörren lässt, ist das, was übrig bleibt, der Leichnam einer einzigen Emotion.“
Guillermo del Toro

Guillermo del Toro glaubt an Geister und fungiert deshalb in diesem Projekt als ausführender Produzent. Er hat großes Potenzial im Kurzfilm Mama der Muschietti Geschwister gesehen, sodass er unbedingt einen Langfilm daraus formen wollte. Dies ist ihm hiermit auch gelungen. Positiv fällt die Tatsache auf, dass der Geist nicht nur als Schreckensgestalt verwendet, sondern auch als verstorbener Mensch betrachtet wird, der Emotionen mit sich trug. Diese Emotionen verleihen der Figur auch eine gewisse Tiefe, die mithilfe einer Hintergrundsgeschichte vervollständigt wird. Ebenso erhält die Titelheldin Annabel reichlich Zeit und kann sich demzufolge entfalten. Zusätzlich verleiht die Hauptdarstellerin Jessica Chastain (Zero Dark Thirty, 2012) der Figur eine emotionale Tiefe. Die Schauspielerin trägt den Film auf ihren Schultern und veranschaulicht den inneren Konflikt ihrer Figur mit Leichtigkeit.    

Auch Nikolaj Coster-Wandau (Game of Thrones) überzeugt in seinen Rollen. Der Schauspieler bringt beide Charaktere glaubhaft herüber ist aber trotz doppelter Rolle nicht äußerst lange auf der Leinwand zu sehen. Coster-Wandau agiert als Jeffrey nur einige Minuten und ist als Lucas etwa halb so lange zu sehen wie Chastain. Die Charaktere bleiben demnach auch flach und werden nicht mit der nötigen Tiefe versehen, wie es bei den Hauptfiguren der Fall ist. Des Weiteren handelt es sich bei den Nebenfiguren um bloße Abziehbilder und damit um reine Stereotypen, die so in jedem x-beliebigen Horrorfilm vorgefunden werden können.     

Weiterhin hat der Regiedebütant Andres Muschietti, der zuvor als Werbefilmer tätig war, das Horrorgenre gut studiert und verwendet den Ton aufgrund dessen mit dem nötigen Feingefühl, sodass bei den richtigen Szenen der nötige Gruselfaktor erreicht wird. Die Schocker werden folglich mit begleitendem Sound angekündigt und geraten unter die Haut. Sogar Zuseher, die sich nicht einfach erschrecken lassen, werden hier ein paar Mal zusammenzucken. Ferner erzeugt Muschietti Spannung, indem er den Zuschauer in vielen Situationen als Beobachter des Geschehens fungieren lässt und dabei nicht die vollständige Handlung offenbart. Als Betrachter des Horrorfilms muss man sich also Teile des gezeigten Vorgangs selbst ausdenken und im Kopf spielt sich auch meistens ein größerer Horror ab als auf der Leinwand.

Darüber hinaus wird dem Zuschauer auch die subjektive Perspektive vor die Augen gestellt, sodass der bekannte Genre-Trick, das langsame voranschreiten der Kamera auf einen Gegenstand hinzu, auch in diesem Horrorfilm nicht fehlt. Dessen ungeachtet passt die Inszenierung des Endes nicht zur restlichen Gestalt des Films. Wird zuvor noch wenig mit CGI-Effekten gearbeitet, so werden diese kurz vor dem Abspann in die Höhe getrieben. Zusammengefasst ist Mama ein sehenswerter Horrorfilm, der sich zwar in den bekannten Grenzen des Genres aufhält, allerdings mit der Figurenzeichnung der Hauptcharaktere, sowie mit gelungener Gruselstimmung überzeugt.   

Fazit:
Regiedebütant Andres Muschietti hat das Horrorgenre gut studiert und präsentiert uns mit Mama einen Horrorfilm, der sich in den vertrauten Gebieten des Genres aufhält. Die Schocker werden demnach mithilfe des Tons angedeutet, der Gruselfaktor erhöht. Besonders punktet Mama mit den tief greifenden Charakterzeichnungen der Titelfiguren Annabel und Mama. Jessica Chastain bietet als Annabel ein weiteres Mal eine beachtenswerte Performance und wertet den Film dadurch auf, sodass schließlich über einige Drehbuchschwächen und dem CGI-Überschuss am Ende hinweggesehen werden kann.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.5/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 12
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Liste von hans-dieter
Erstellt: 26.04.2015