Oh Boy (2012)

OT: Oh Boy - 83 Minuten - Komödie / Drama
Oh Boy (2012)
Kinostart: 28.12.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Oh Boy

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"Kennst du das Gefühl, dass dir die Leute um dich herum merkwürdig erscheinen? Und je länger du darüber nachdenkst, desto klarer wird dir, dass nicht die Leute, sondern du selbst das Problem bist?"

Dieses Gefühl des Nicht-Hineinpassens kann der Studienabbrecher Niko (Tom Schilling) in Jan-Ole Gersters Debütfilm Oh boy nicht abschütteln. Nachdem Niko sein Jusstudium abgebrochen hat, trennt er sich von seiner Freundin, entfremdet sich von seiner Umwelt. Handlungsort ist die Großstadt, genauer gesagt die Hauptstadt Berlin, der schon so mancher Film gewidmet wurde. Auch die Ästhetik ist dabei eine althergebrachte: Schwarz- Weiß Bilder, unterlegt mit Jazz-Musik, ein Protagonist, der durch die Straßen einer Großstadt, durch die Bars, die Cafes streift, manchmal auch mit dem Auto oder mit der Straßenbahn die Stadt durchquert. Dies scheint vorerst kein neues Sujet zu sein und erinnert vielmehr an die Filme der Nouvelle Vague, an Jean-Luc Godard und Francois Truffaut. Oh boy zeigt trotz seiner verstaubten Thematik auf erfrischende Weise neue Seiten von Berlin und des Großstadtlebens und besitzt außergewöhnlichen Charme, insbesondere für die Augen des deutschen Kinopublikums und ganz besonders in Hinblick auf das oftmals stiefmütterlich behandelte Genre der Komödie.

Oh boy ist die Geschichte des 28-Jährigen Niko, der in den Tag hineinlebt und sich treiben lässt. Der Film zeigt eine teils lose Aneinanderreihung von Begegnungen mit Bekannten und Familie, aber auch mit neuen Bekanntschaften, die meisten davon bestätigen Nikos Gefühl der Deplatziertheit. Da wäre zum Beispiel ein Psychologe, der Niko als Gefahr für den Straßenverkehr einstuft und ihm infolgedessen seinen Führerschein weg nimmt; eine alte Schulfreundin, die in ihrer Kindheit gemobbt wurde und die ihn an seine Jugendzeit erinnert; sein Vater, der ihm Vorwürfe macht; die Kellnerin im Cafe, die ihn mit der Auswahl an Kaffees erdrückt und der Theaterregisseur der mit Niko und Matze (Marc Hosemann), nachdem dieser sich das Lachen während der Aufführung nicht verkneifen kann, einen Streit vom Zaun bricht. Die stärkste Szene folgt erst gegen Ende des Films, als Niko in einer Bar auf einen alten Mann trifft, der ihn in ein Gespräch verwickelt und der schließlich in derselben Nacht stirbt.

Die Handlung scheint nirgends hinzusteuern, der Protagonist wird von keinerlei Tatendrang getrieben- somit ist Oh boy das genaue Gegenteil von einem Actionfilm: die Ereignisse sind arbiträr und zweitrangig, was der Film vor Allem zu vermitteln sucht liegt nicht auf Ebene der Handlung. Was sich herauskristallisiert ist ein gelungenes Porträt eines Endzwanzigers, bodenständig und ungekünstelt, vor Allem für ein jüngeres Publikum, aber auch für die ältere Generation: denn gerade der schwerfällige Blick auf den Alltag, wenn man sich wie ein Fremder in der eigenen Umgebung fühlt, ist ein altersunabhängiges Thema.

Wenn man will findet man auch das eine oder andere subtile Zitat an die Nouvelle Vague: ein Hauch von Außer Atem und eine Anlehnung an Truffauts einsame Helden. Eine Parallele ließe sich auch zu Woody Allens Manhattan ziehen, der auch vom Leben und Lieben eines Großstädters erzählt. Einzig Taxi Driver wird direkt zitiert: Nikos Freund Matze, der Schauspieler ist, spricht bei einer Autofahrt eine Szene aus Taxi Driver, in der es um die Verkommenheit der Stadt New York geht - für CineastInnen natürlich ein gefundenes Fressen.

Fazit:
Getragen wird der Film durch die sympathische Hauptfigur, die gerade durch ihre Taten- und Wortkargheit die Sympathien der Zuseher gewinnen kann. Der Film bezaubert durch seine tragikomische Grundstimmung, die oft vom Melancholischen ins Komödiantische kippt. Dank seinem Humor und seiner Leichtfüßigkeit hat man auch nicht das Gefühl einen billigen Abklatsch zu sehen. Jan-Ole Gerster ist die Hoffnung des neuen deutschen Kinos, das auf gehalt- und stilvolle Komödien setzt.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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