Quartett (2012)

OT: Quartet - 98 Minuten - Komödie / Drama
Quartett (2012)
Kinostart: 25.01.2013
DVD-Start: 10.10.2013 - Blu-ray-Start: 10.10.2013
Will ich sehen
Liste
18275
Bewerten:

Filmkritik zu Quartett

Von am
Giuseppe Verdis Geburtstag jährt sich im Oktober dieses Jahres zum 200. Mal. Grund genug für Schauspielgröße Dustin Hoffman dem berühmten Komponisten durch sein Regiedebüt zu ehren, wenn auch ein wenig verfrüht. Bereits im September 2012 feierte Quartett Weltpremiere auf dem Toronto International Filmfestival. Der Film wurde ein voller Erfolg und vielleicht hätte auch Verdi Hoffmans Feuertaufe mit Standing Ovations goutiert.

Cecily (Pauline Collins), Reginald (Tom Courtenay) und Wilfred (Billy Connolly) verbringen ihren Ruhestand in der Seniorenresidenz “Beecham House” auf einem englischen Landgut. Ein „Altersheim“ für betagte Opernsänger und Orchestermusiker, das jährlich ein Konzert zu Ehren Verdis Geburtstag veranstaltet. Die Ankunft des einstigen Opernstars Jean (Maggie Smith) mischt das Trio ordentlich auf. Sie mimt noch immer die große Diva und weigert sich, beim geplanten Konzert teilzunehmen. Durch ihre Weigerung kann aber nicht nur das Dreiergespann nicht auftreten, auch der Fortbestand der Residenz steht auf dem Spiel.

Drehbuchautor Ronald Harwood schrieb Quartett 1999 als Theaterstück und adaptierte es Jahre später selbst als Drehbuch. Aber schon in seiner ursprünglichen Fassung, standen die Themen Realität und Kunst, sowie die schönen und unangenehmen Seiten des Älterwerdens im Mittelpunkt. Schauplatz des Geschehens ist die „Casa Verdi“ in Mailand. Ein von Verdi selbst gestiftetes Altersheim und damit die Idealbesetzung als Drehkulisse.

Die Handlung an sich ist schnell erzählt, doch im Vordergrund stehen vielmehr all die menschlichen Aspekte des Lebens. Vergänglichkeit, Liebe, Humor und die Hoffnung, dass es auch nach der Pensionierung ein Leben gibt. Das erfrischende an Quartett ist, dass der Film das Älterwerden weder mahnend, erschreckend noch langweilig darstellt, sondern ihm mit einem zwinkernden Auge entgegensieht. Mit der Wahl der vier Hauptdarsteller reiht sich ein britischer Reigen um den amerikanischen Regie-Neuling. Connolly scheint wie geboren für die Rolle des in die Jahre gekommenen Verführers, der scheinbar im Stundentakt mit der schönen Dr. Lucy Cogan (Sheridan Smith) anbandelt und den unbelehrbaren Charmeur mimt. Courtenay hingegen übernahm den etwas ernsteren Part des Romantikers, der weder die Liebe zum Leben, noch zu seiner Herzensdame aufgegeben hat. Mit Collins konnte eine der begnadetsten Komödiantinnen gewonnen werden. Diesen Titel trägt sie wahrhaftig zu Recht. Als Cecily sorgt sie mehrmals für Lacher und erinnert entfernt auch an die Amnesie-geplagte Paletten-Doktorfisch-Dame Dory aus Findet Nemo. Beide Figuren spielen sich schnell durch ihre unbeschwerte, vergessliche Art in die Herzen der Zuschauer. Am bekanntesten dürfte jedoch Oscarpreisträgerin Smith sein. Ihr wohl größter Verdienst ist, dass man, obwohl sie stets ähnliche Filmcharaktere darstellt, nie müde wird sie anzusehen. Wo andere Schauspieler mit der Zeit facettenarm wirken und in Schubladen gesteckt werden, erscheint sie noch beliebter und liebenswerter.

Wie alle Bewohner von „Beecham House“, begegnet auch das wieder vereinte Quartett den Problematiken des Altwerdens. Hoffman entschied sich jedoch dagegen, im wahrsten Sinne des Wortes, ein Drama daraus zu machen. Er zeigt stattdessen, dass auch die ältere Generation mit Themen konfrontiert ist, die ebenso junge Menschen beschäftigen. Dazu gehören Versagensängste, Beziehungsprobleme und Streitigkeiten um den besten Fensterplatz. Das eine oder andere Wehwehchen, die das Alter mit sich bringt, dient als willkommene humoristische Einlage.

Der eigentliche Hauptdarsteller ist aber trotz allem die Musik, die in nahezu in jeder Szene ihren Auftritt bekommt und dem Film schon Musical-artige Züge verleiht. Vor allem klassische Musik prägt den Alltag der Bewohner. Fest steht, Verdis Klänge bringen Bewegung in das Leben der Opernliebhaber und in das gesamte Spiel. Umso bedeutender sind dann die ruhigen Momente, in denen für einige Sekunden einfach nur Stille herrscht. Ein wohlklingender Ausgleich, wodurch zur Abwechslung das Bildgeschehen in den Vordergrund gerückt wird.

Fazit:
Hoffman könnte sich mit seinen nunmehr 75 Jahren selbst zur Ruhe setzen. Stattdessen ging er noch einmal an den Start und versuchte sich als Regisseur. Beim Versuch ist es allerdings nicht geblieben, bewies er doch ein gutes Händchen. Wie die Darsteller in Quartett hat auch er noch lange nicht ausgedient und entschied sich dafür einen Schritt nach vorne zu gehen und auch im Alter noch weiter zu wachsen. So gesehen steckt viel Persönliches von ihm in dieser Geschichte. Sein Engagement und die Liebe zur Thematik merkt man dem Film in jeder Szene an. Nicht zuletzt, konnte er durch den Dreh seinem musikalischen Eifer nachgehen. Den Gefallen an der Oper erlangte er bereits Ende der sechziger Jahre. Zweifellos kann Quartett aber nicht nur Fans klassischer Musik ans Herz gelegt werden. Die Handlung selbst ist zwar leicht vorhersehbar, doch sorgen viele genussreiche Szenen für einen kurzweiligen Kinobesuch.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
33%
6 /10
67%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Gosford Park (2001)
Best Exotic Marigold Hotel (2011)
Ziemlich beste Freunde (2011)
50/50 - Freunde fürs (Über)leben (2011)
Oh Boy (2012)
Der Gott des Gemetzels (2011)
Wie beim ersten Mal (2012)
Heute bin ich blond (2013)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
schon gesehen
Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013