Thursday Till Sunday (2012)

OT: De jueves a domingo - 96 Minuten - Drama
Thursday Till Sunday (2012)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Thursday Till Sunday

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Nach langen Jahren politischer Unterdrückung erfährt das chilenische Kino in den letzten Jahren eine Blütezeit. Junge RegisseurInnen haben gelernt sich neu zu artikulieren, wenn auch oft in einem sehr introvertierten Ton. Die Brisanz und Aussagekraft erreicht dabei allerdings universellen Charakter und ist keineswegs als nationales Phänomen abzustempeln. Ein gutes Beispiel dafür liefert die chilenische Regisseurin Dominga Sotomayor Castillo mit ihrem Spielfilmdebüt Thursday till Sunday (De jueves a domingo). Eine Familiengeschichte, wie sie überall auf der Welt stattfinden könnte, angesiedelt in der weiten Landschaft Chiles. Eine nationale Landvermessung chilenischer Seelenzustände auf internationalem Niveau.

Eine vierköpfige Familie bricht von Santiago de Chile auf Richtung Norden, um ein kleines Stück Land zu suchen. Die lange Reise entpuppt sich nicht nur als Suche einer verlorengegangenen Zeit, sondern auch als ein letztes Aufbäumen eines zerbrechenden Familienglücks. Je weiter die Fahrt fortschreitet, umso karger wird die Landschaft und umso mehr kristallisieren sich familiäre Konflikte heraus. Obwohl die Eltern (Francisco Pérez-Bannen, Paola Giannini) bemüht sind ihre Probleme vor ihren Kindern (Santi Ahumada, Emiliano Freifeld) zu verbergen, werden die Kinder im engen Raum des Autos immer wieder mit den Unstimmigkeiten ihrer Eltern konfrontiert.

Unaufhaltsam bewegt sich die kleine Familie mit ihrem Auto nach Norden, immer tiefer in die kargen endlosen Weiten des chilenischen Festlands. Die Schönheit der Landschaft spiegelt sich in den Fensterscheiben wieder. Es wird gesungen, angehalten um zu schlafen, um baden zu gehen, doch nie sehr lange um den Weg zum ersehnten Ziel nicht hinaus zu zögern. Der Vater will nach Norden, will ein letztes Mal gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in die Ferne blicken, in eine ferne ungewisse Zukunft.

Aus der Sicht der kleinen Luciá erzählt die Regisseurin in ruhigen, ästhetisch schönen Bildern von Kindheitserinnerungen, vom familiären Glück und dessen Vergänglichkeit. Nebenbei werden essentielle Konflikte offenbart, nie richtig ausgesprochen sind sie dennoch ständig präsent. Vom Rücksitz des Autos aus wird von einer Familie erzählt die sich ein letztes Mal auf die Suche nach ihrer verloren gegangenen Harmonie begibt. Doch je länger die Reise andauert, desto schwieriger wird es für die Eltern, dass Familienheil aufrecht zu erhalten.

Während sich Vater und Mutter mit dem mehr oder weniger Unausweichlichem bereits abgefunden haben, versuchen sich die Kinder zu zerstreuen, Ablenkung zu finden. Gerade die unschuldige und machtlose Mimik der Kinder verleiht dem hereinbrechenden Schicksal einen besonders starken Ausdruck. Ständig bemüht ihrer kindlichen Ausgelassenheit freien Lauf zu lassen werden sie immer wieder mit der harten Realität konfrontiert, meist nur durch Gesten oder kurze Konversationsfetzen. Sie werden nicht ignoriert, sondern in einer orientierungslosen Schwebe hängen gelassen. Auf sich alleine gestellt müssen sie die Situation selbst verarbeiten.

„Quiero dormir cansado“ so der Refrain eines mexikanischen Schlagers und das musikalische Leitmotiv des Films. Die Familie ist ihrer Konflikte müde. Einfach schlafen, sich in den Träumen der Vergangenheit suhlen und nicht weinend aufwachen, ist die verborgene Botschaft des Films, die vor allem vom Charakter der Luciá nach außen getragen und durch die Tristesse der Landschaft unterstrichen wird. Das Resultat ist ein in sich gekehrtes Familiendrama durchmischt mit einer ehrlichen Brise Familienidylle, dessen Tragik nur angedeutet, aber nicht offen angesprochen wird.

Fazit:
Mit Thursday till Sunday gelingt Regisseurin Dominga Sotomayor Castillo ein gelungenes Spielfilmdebüt und ein schönes Beispiel für ein aufstrebendes chilenisches Kino auf internationalem Niveau. Ein Roadmovie durch die weite Landschaft Chiles, ein fragiler Spiegel familiärer Gemütszustände, der zu zersplittern droht. Erzählt aus der Sicht der kleinen Luciá erfährt der Film seine besondere Eindringlichkeit, schafft einen orientierungslosen Ausdruck von Glück, Angst und Hilflosigkeit, aber auch resignierender Akzeptanz. Regisseurin Castillo kreiert eine universelle Schicksalsgeschichte einer modernen Familie, inspiriert von eigenen Erfahrungen und von den Erfahrungen vieler.

Wertung:
7/10 Punkte
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