Starlet (2012)

OT: Starlet - 103 Minuten - Drama
Starlet (2012)
Kinostart: 31.05.2013
DVD-Start: 14.02.2014 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Starlet

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Ungewöhnliche Einblicke in ein zumeist unbeachtetes Umfeld gewährt Regisseur Sean Baker mit seinem aktuellen Werk Starlet. Sein größtes Anliegen während des Filmdrehs war es, seinen Darstellern Raum für Spontanität, Intuition und Improvisation zu lassen, um eine möglichst natürliche und ehrliche Atmosphäre zu schaffen. Inspiration bezog der Filmemacher dabei aus recht verwunderlichen Quellen wie der Kurzfilmserie Die kleinen Strolche, der Comedy-Serie Warren the Ape und einem lange aufbewahrten Drehbuch-Treatment.

Im sonnendurchfluteten San Fernando Valley, dem Zentrum der amerikanischen Porno-Industrie, lebt das aufstrebende Starlet Jane (Dree Hemingway). Auf einem privaten Flohmarkt kauft sie der 85-jährigen Sadie (Besedka Johnson) eine Thermoskanne ab, in der sie später 10.000 Dollar entdeckt. Konfrontiert mit der Frage, ob sie das Geld zurück geben oder doch behalten soll, entscheidet sie sich die betagte Dame erst einmal näher kennenzulernen.

Zwischen Porno-Business und samstäglichen Bingo-Abenden erzählt Baker die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Um Starlet so authentisch wie möglich zu gestalten, entschied er sich den Film im Stil des „cinéma vérité“ zu drehen. Das bedeutet viel Einsatz der Handkamera und eine dokumentarische Herangehensweise. Die Zuseher finden sich in der Rolle des Beobachters wieder und bekommen das Gefühl, tatsächlich dabei zu sein. Dabei sein heißt, in das alltägliche Leben eines Pornosternchens zu spähen. Dadurch werden interessante Einblicke hinter die Kulissen der Porno-Industrie möglich, ohne dass Baker zu sehr in die Welt des Voyeurismus verfällt.

Starlet ist vor allem aber eine Geschichte, die verschiedene Blickwinkel und Zusammenhänge beschreibt und dabei geläufige Themen anspricht: Einsamkeit, Schönheit, Alter und Jugend, Geld, Freundschaft, Sexualität und Liebe. All diese Begriffe werden im Zusammenspiel zwischen Jane und Sadie besonders präsent. Die ungewöhnliche Beziehung zwischen den beiden wird zudem durch die unverkennbare Kameraarbeit von Radium Cheung besonders betont. Handkamera, Nahaufnahmen, lange Einstellungen und Mut zu stillen Momenten verleihen den gemeinsamen Szenen Stärke.

Nicht zu verachten ist aber auch das Talent von Dree Hemingway (Urenkelin des berühmten Ernest Hemingway) und Besedka Johnson. Beide geben in Starlet ihr Filmdebut und beide spielen ihre Rollen mit großer Natürlichkeit und Präzision, sodass eine besondere Harmonie zwischen dem ungleichen Paar entstehen konnte.
 
Allerdings: soviel der Film auch erzählt, so wenig gibt er über seine Figuren preis. Obwohl vor allem die Kameraarbeit es möglich macht, sich den Charakteren zumindest räumlich nahe zu fühlen, bleiben konkrete Aussagen über deren Vorgeschichte oder deren Motive verborgen. Auch gibt es keine nennenswerten Höhen und Tiefen oder auffallende Wendungen, was Starlet zu einer sehr geradlinigen Geschichte macht. Der Film verliert dadurch an Intensität und auch die Figuren selbst werden weniger greifbar.

Fazit:
Nach Angaben des Regisseurs behandelt Starlet zwei persönliche Anliegen. Zum einen untersucht er die moralische Frage „was mache ich mit einem Haufen gefundenen Geld?“ und zum anderen „wie sieht es hinter der Fassade eines aufstrebenden Pornosternchens aus?“. Beide Ansätze  eignen sich sehr gut als ansprechendes Filmmaterial. Nichtsdestotrotz wäre es vielleicht ratsamer gewesen zwei voneinander unabhängige Filme zu drehen oder sich gezielt auf eine Story zu konzentrieren. Die eigentliche Stärke des Filmes – nämlich die Beziehung von Jane und Sadie – wird bald offenbart. Leider wird das eigentliche Potenzial dieser Storyline jedoch nur unzureichend ausgeschöpft und den Zusehern eine emotionale Nähe zu den Figuren verwehrt. Dessen ungeachtet bleibt Starlet eine kleine Perle des Independentfilms, die durch ihren unverkennbaren visuellen Stil und zwei herausragenden Darstellerinnen zu schimmern weiß.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 5.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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