3096 Tage (2013)

OT: 3096 - 111 Minuten - Drama
3096 Tage (2013)
Kinostart: 28.02.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu 3096 Tage

Von am
1998 spurlos verschwunden, und nach 8 Jahren Gefangenschaft endlich wieder in Freiheit - die tragische Geschichte rund um Natascha Kampusch dürfte wohl kaum jemanden entgangen sein. Mit offensichtlicher Vorsicht wurde die Story nun von Sherry Hormann (Die Wüstenblume) auf die Leinwand gebracht. Das ursprüngliche Drehbuch kam von Bernd Eichinger, welcher einem Herzinfarkt erlag, und wurde dann von Ruth Toma fertiggestellt. Basierend auf Kampuschs gleichnamigen Buch und zahlreichen Interviews war es möglich, diesem Projekt einen authentischen Touch zu geben. Wo sich die Allgemeinheit über die Medienperson uneinig ist, zeigt der Film klare Konturen eines Mädchens, das - in einem Kellerloch eingesperrt - zur Frau wird.

Der Film beginnt mit Nataschas Aussage, die das Ende des Martyriums beschreibt: “Es war klar…nur einer von uns beiden würde überleben… Und das war ich, letztendlich…Und er nicht.“ Danach wird die unglaubliche Entführung und Gefangenschaft etappenweise erzählt. Es wird glücklicherweise völlig darauf verzichtet, die Story emotional leinwandtauglicher umzugestalten bzw. mit fiktiven Zusätzen Wolfgang Priklopils (Thure Lindhardt) Motivationen zu erläutern. Der Fokus liegt hier auf der sensiblen Beziehung zwischen Peiniger und Opfer. Mit dieser Verfilmung wird eine wage Vorstellung verbildlicht, was genau im Fall Kampusch über Jahre hinweg passiert ist. So hat man als Zuseher die Möglichkeit sich eine eigene Meinung über die Geschehnisse zu bilden, oder sogar die bisherige zu ändern. Denn trotz vorherrschenden Antipathien dem Opfer gegenüber, wird man sich während dem Kinobesuch mitfühlenden Emotionen nur schwer entziehen können. Es wird in 109 Filmminuten herausgearbeitet, was Natascha meinte, als sie über ihren Entführer sagte: „Er hat mich auf Händen getragen und mit Füßen getreten.“

Nicht nur die detailliert nachgebaute Kulisse des Verlieses, sondern auch die abgemagerte Schauspielerin der Natascha (Antonia Campbell-Hughes) hinterlassen einen beängstigend-realen Ein- und Nachdruck. Indem man mitverfolgt, wie das Mädchen ihr Schicksal annimmt, bekommt man das intensive Bild eines starken Charakters vermittelt. Es wird ebenso transportiert, dass sie wohl -  ohne ihrer Entscheidung, sich mit Priklopil zu arrangieren, -  heute noch nicht in Freiheit wäre. Thure Lindhardt zeichnet uns, ohne optischer Ähnlichkeit, einen zutiefst verstörten, real wirkenden Täter auf die Leinwand. Mal gewalttätig, mal friedlicher und nie ganz durschaubar wird uns Priklopil präsentiert.

Für Natascha Kampusch ist die Verfilmung ihres Leidensweges mit Sicherheit dahingehend positiv, dass ein Zugang zu etwas nicht vorstellbaren geboten wird. Es wird hier nicht angestrebt, eine Identifikationsmöglichkeit mit dem Opfer zu bieten, - vielmehr kann man nun die Informationen, welche in den vergangenen Jahren durch die Medien aufgesaugt wurden, durch diese Veranschaulichung verarbeiten. Ein Zusatz, der unverzichtbar erscheint, wenn man den Versuch wagt nachzuvollziehen, was hier tatsächlich geschehen ist.

Fazit:
Effektarm und nüchtern bekommt man den Kampusch-Fall auf dem Tablett serviert. Mit detailierter Kulisse und glänzenden Protagonisten bringt der Film eine dunkle Ahnung des jahrelangen Martyriums mit sich. Priklopil wird zwar vorsichtig, aber dennoch ausreichend skizziert, was sich in Folge positiv auf die Authentizität des Gesehenen auswirkt. Wie immer man zur Medienperson Kampusch auch steht, der Film ist einen Kinobesuch wert.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
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