No (2012)

OT: No - 118 Minuten - Drama
No (2012)
Kinostart: 09.05.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu No

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1988 heißt es „Adioś Señor Pinochet!“: nachdem der Diktator auf internationalen Druck hin ein Referendum zu seiner Wiederwahl zulässt, kommt es zum überraschenden Sieg der No- Kampagne und zum Umbruch in Chile. Obwohl die Situation nach 15-jähriger Unterdrückung für die Oppositionellen zunächst hoffnungslos scheint, schaffen sie es doch eine Mehrheit für sich zu gewinnen. Pablo Lorraín zeigt in No wie dies möglich war und mit welchen Mitteln die Opposition die Bevölkerung für sich gewinnen konnte. Das Ergebnis ist unfassbar unpolitisch ausgefallen, denn Lorraín zeigt vor Allem, dass die Abwahl Pinochets maßgeblich der Marketingstrategie der NO-Kampagne zuzuschreiben ist. Die Aufbruchsstimmung jener Zeit entzündet sich an der hoffnungsvollen Euphorie der Kampagnenmacher und ihrer optimistischen Werbestrategie. Durch die Entscheidung, die neu gedrehten Filmszenen mit Umatic-Kameras aus den 80ern zu aufzunehmen werden die Grenzen zwischen dem Archivmaterial aus dem Jahre 1988 und dem 2011 entstandenen Spielfilm verwischt und es entsteht ein fließender Übergang zwischen Spiel- und Dokumentarfilm, der so noch nicht auf der Leinwand zu sehen war.

René Saavedra (Gael García Bernal) ist ein erfolgreicher Werbefachmann, der eines Tages von den Oppositionellen der No-Kampagne als Marketingberater engagiert wird. Saavedras Chef in der Werbebranche Lucho Guzmán (Alfredo Castro), der der maßgebliche Kopf hinter der Si-Kampagne ist, gefällt dies garnicht. Eigentlich ein unpolitischer Mann, stellt Saavedra die No-Kampagne völlig auf den Kopf und erntet dabei zunächst Unverständnis und Ablehnung bei eingesessenen Linken und Opfern der Diktatur. Die Regierungsgegner malen sich zwar wenige bis keine Chance beim Referendum aus, doch stehen ihnen erstmals 15 Minuten Sendezeit täglich zur Verfügung, die sie möglichst gut nützen möchten. Mit einprägsamen Jingles und Werbemethoden die eher einem Coca Cola-Spot entsprechen als einem politischen Werbefilm überzeugt die No-Kampagne durch ihre freudig in die Zukunft blickende Werbestrategie: „Chile, die Freude erwartet uns“.

No ist Teil von Lorraíns Pinochet-Trilogie, die nach Tony Manero und Post Mortem mit No ihren Abschluss findet. Während in den ersten beiden Filmen der Alltag in der Diktatur gezeigt wird, beleuchtet No nur eine Momentaufnahme und schlägt einen optimistischeren Ton ein. Basierend auf dem Theaterstück Referendum von Antonio Skármeta und nach dem Drehbuch von Pedro Peirano erzählt der Film den Umbruch in Chile aus der Sicht von Saavedra, der die Werbekampagne und die Demokratie als „Produkt“ bezeichnet, das es richtig zu verkaufen gilt. Selbstverständlich wird dies auch mit jeder Menge schwarzer Humor und Raffinese inszeniert, denn der Ernst der Lage wird keineswegs verschwiegen: dass Menschen in dieser Diktatur gefoltert und ermordet werden und von einem Tag auf den anderen verschwinden. Auch die Macher der No-Kampagne bekommen das am eigenem Leib zu spüren.

Getragen durch Gael García Bernal, der in der Rolle völlig aufzublühen scheint, und von einem im Allgemeinen elektrisierendes Schauspielensemble entsteht eine authentische Momentaufnahme eines entscheidenden Wendepunktes in Chile. No ist ein mitreissender Film, der es schafft das Publikum auch ohne überraschende und effekthaschende oder hochdramatisch-pathetische Elemente zu fesseln. Einzig der stete Fokus auf der Marketingstrategie irritiert zeitweise und lenkt von anderen Aspekten, die zum politischen Umsturz beigetragen haben könnten, ab. Nichtsdestotrotz ist dies als Stärke des Films und nicht als dessen Schwäche zu werten, denn Larraín schafft es meisterhaft sich ein tragendes Element dieses friedlichen Umsturzes, der in seiner Umsetzung einzigartig ist, herauszunehmen und für ein breites Publikum greifbar zu machen.

Fazit:
No ist ein Film der durch seine Machart fasziniert und dessen gekonnte Inszenierung wegbereitend sein könnte für zukünftige historische Filme: der schwebende Übergang zwischen Fiktion und Dokumentation ist meisterhaft gelungen. Ein Drittel der Aufnahmen sind historisch, die anderen zwei Drittel schmiegen sich nahtlos daran an und versetzen den Zuschauer ins Jahr 1988. In Zeiten des 3D-Kinos einen Film mit einer technisch fast 30 Jahre rückständigen Kamera zu machen ist mutig. Die Aufnahmen gleichen einer schlechten VHS- Kassette, es flimmert, die Qualität lässt zu wünschen übrig, doch vermitteln die Bilder eine besondere Atmosphäre und üben ungemeine Macht aus.

Wertung:
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Filmering.at
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