When Night Falls (2012)

OT: Wo hai you hua yao shou - 70 Minuten - Drama
When Night Falls (2012)
Regie:
Drehbuch:
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu When Night Falls

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Im November 2008 wird Yang Jia, der mutmaßliche Mörder von sechs Polizisten, in Shanghai zum Tode verurteilt. Die Umstände, wie es zu dieser Tat kam, sind höchst dubios und das Urteil wurde selbst für chinesische Verhältnisse äußerst rasch und undurchsichtig gefällt. Regisseur Liang Ying beschreibt in seinem Film When Night Falls die letzten Tage vor Yang Jias Hinrichtung, jedoch nicht aus Sicht des Verurteilten, sondern aus Sicht seiner Mutter (An Nai), die bis zuletzt verzweifelt versucht das Gericht von Yangs Unschuld zu überzeugen und ihren Sohn ein letztes Mal im Gefängnis zu besuchen.

Liang Yings Schilderung der Ereignisse beginnt mit Fotos. Fotos von Yang Jia, Fotos vom Tatort, Fotos von der Gerichtsverhandlung. Yangs Mutter erläutert die Geschehnisse zwischen Yangs Tat, kurz vor den Olympischen Sommerspielen in China, bis zu seiner Verurteilung aus dem Off. Der erschütternde Gerichtsspruch: Todesstrafe. Der Film setzt wenige Tage vor Yangs Hinrichtung ein. Die Mutter erhält per Post den Urteilsspruch, wenige Tage darauf wird es vollstreckt. Dazwischen spielt ein ganzer Film. In kühl wirkenden, ruhigen Szenen zeigt der Regisseur den verzweifelten Kampf der Mutter gegen die Windmühlen der Behörden und gegen ihre eigene Ohnmacht.

In ausgeklügelten, statischen Einstellungen erzählt der Film weniger von einer Schicksalsgeschichte, als vielmehr von einer Situation. Einer ausweglosen Situation der Verzweiflung, der Unverständnis, der Wut. Dabei verfällt der Regisseur in eine sachlich, dokumentarisch anmutende Genauigkeit. Auf atmosphärische Musik wird (fast) gänzlich verzichtet, anklagende Worte sind eingebettet in banale Alltagssituationen. Direkte, offenkundige Kritik wird weitgehend vermieden, die politischen Beweggründe fein in die Geschehnisse eingewebt.

Ganz nüchtern versucht der Regisseur die Ungerechtigkeit des chinesischen Justizapparats aufzuzeigen. Emotionen lassen sich nur in den feinen Nuancen der großartigen Protagonisten erkennen. Lange, exakt komponierte, statische Einstellungen lösen die einzelnen Szenen auf und werden mit einem klaren authentischen Ton unterlegt. Lediglich die Urteilsverkündigung und die im Off geschilderte Erzählung der Mutter klären über die geschehenen Ereignisse auf. Dazwischen eine triste Leere, aufgeladen mit der knisternden intimen Spannung eigener Hilflosigkeit.

Versucht Liang Ying durch die gewählte Inszenierung eine sachliche Distanz zu bewahren, lässt er sich zu Beginn und zum Schluss des Films zu einem klaren Statement hinreißen das stark im Widerspruch zum restlichen Film steht. Eine Zäsur, die nicht ins Bild passt und eine klare emotionale Stellung bezieht. Besonders der Schluss des Films versucht bewusst auf die Tränendrüse zu drücken. Ein sentimentales Lied setzt ein, Fotografien von Yang Jias Grab folgen. Was bleibt ist ein flaues Gefühl im Magen und ein weiteres Argument über die chinesische Staatsführung zu wettern. Ganz gleichgültig der Tatsache ob die präsentieren Argumente gerechtfertigt sind oder nicht, hätte eine Meinungsbildung des Publikums auch anders stattfinden können. Der Rest des Films hat dies bewiesen.

Fazit:
When Night Falls hat seine starken und seine schwachen Seiten. Der solide Kern besticht durch eine schlichte jedoch exakt aufgelöste Inszenierung der Banalität des Alltags im Konflikt mit der Unerträglichkeit eines ungerechten Schicksals. Gelingt es der Hauptdarstellerin An Nai durch feine Nuancen ihren ganzen inneren Gemütszustand nach außen zu tragen, wirkt der Film zu Beginn und am Ende etwas plump. Dennoch gelingt es Liang Ying mit schlichten Mitteln das verzerrte Bild der chinesischen Rechtsprechung subtil anzukreidend, um einmal mehr ein Plädoyer gegen die Todesstrafe in China zu sprechen.

Wertung:
6/10 Punkte
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