Abbitte

OT: -  130 Minuten -  Drama
Abbitte
Kinostart: 09.11.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
1814
Bewerten:

Filmkritik zu Abbitte

Von am

Regisseur Joe Wright, der bereits mit seiner Umsetzung des Jane Austen-Romans Stolz und Vorurteil beweisen konnte, dass er in der Lage ist, Literatur vernünftig auf die Leinwand zu bringen, und Drehbuchautor Christopher Hampton, der sich immerhin mit seinem Drehbuch zu Gefährliche Liebschaften einen Oscar sichern konnte, taten sich zusammen, um gemeinsam Ian McEwans Bestseller Atonement auf die Leinwand zu bringen. In den Hauptrollen glänzen Keira Knightley und James McAvoy, die wahrlich Großes vollbringen, und die man auch noch nie besser gesehen hat. Leider muss man auf die wirklich starken Gefühlsmomente bis zum Ende warten, und dazwischen gibt es auch schon mal einige Längen.

England, an der Schwelle zum zweiten Weltkrieg: Die 13-jährige Briony Tallis (Saoirse Ronan) beendet nichts ahnend ihr erstes Theaterstück, als sie aus dem Fenster sieht und dort mitansehen muss, wie Robbie (James McAvoy) ihre große Schwester Cecilia (Keira Knightley) beobachtet, als diese nur im Unterkleid bekleidet in den Brunnen springt, und dies scheinbar in vollen Zügen genießt. Für Briony ist dies deshalb so schlimm, weil Robbie stets wie ein Bruder für sie war und sich liebevoll um sie gekümmert hat. Man kann auch sagen, dass Briony selbst etwas in Robbie verliebt ist, doch sie weiß nicht, dass sich die Szene, die sie beobachtet hat, in Wirklichkeit ganz anders zugetragen hat.

Dennoch kann auch Robbie nicht abstreiten, dass er sich in die schöne Cecilia ein kleines bisschen verliebt hat. Am Abend in der Bibliothek kommt es dann zur Eskalation zwischen den beiden, und sie lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Wieder ist es Briony, die die beiden auf frischer Tat ertappt, und als am Abend auf dem Anwesen ein schreckliches Verbrechen geschieht, beschuldigt sie Robbie, der schließlich verhaftet wird und ins Gefängnis kommt. Die Liebe zwischen ihm und Cecilia ist ungebrochen, doch als sich Robbie entscheiden muss, ob er weiter im Gefängnis sitzen will oder ob er statt seiner Strafe im Krieg dienen will, entscheidet er sich für den Krieg...

Joe Wrights Abbitte kann man sehr schön in seine drei sehr verschiedenen Teile zerlegen. Am Beginn steht quasi das Exposé, in dem die Figuren eingeführt werden und die Geschichte langsam in ihre Ausgangslage gebracht wird. Dieser Abschnitt spielt ausschließlich rund um die riesige Villa der Familie Tallis. Hier wird die Liebesgeschichte in Schwung gebracht, und nach ersten Annäherungen der beiden Hauptfiguren,wird ihre Liebe, noch bevor sie richtig beginnen konnte, auch schon wieder abrupt beendet. Dies soll auch zum tragenden Leitmotiv zwischen Robbie und Cecilia werden: Nie können sie ihre Liebe wirklich auskosten.

Der zweite Abschnitt ist eine Kriegs-Liebesgeschichte vor relativ klassischem Hintergrund, und Cecilia und Robbie können sich nur während des Fronturlaubs sehen. Parallel dazu versucht die mittlerweile 18-jährige Briony (Romola Garai), ihre Schuld hinter sich zu lassen und leidet sehr darunter, Robbie zu Unrecht beschuldigt zu haben. Doch ihre Versuche, mit Robbie und Cecilia wieder klarzukommen scheitern, und im dritten und abschließenden Erzählstrang, dem Epilog, sehen wir eine gealterte Briony (Vanessa Redgrave), die ihre Geschichte in einem Buch niedergeschrieben hat, um so ihr tragisches Leben zu verarbeiten.

Speziell im ersten Handlungsstrang haben sich die Filmemacher noch ein besonderes Inszenierungsinstrument überlegt, das dazu dient, verschiedenen Ereignissen eine jeweils andere Bedeutung zu geben. Zum Beispiel wird die oben beschriebene Brunnenszene zuerst aus den Augen von Briony gezeigt, was dazu führt, dass man sich als Zuseher natürlich seine eigenen Gedanken über die Hintergründe macht, und erst etwas später sieht man dieselbe Szene noch aus dem Blickwinkel von Robbie und Cecilia, was dem Ganzen eine ganz andere Bedeutung gibt. Man hat sich ein paar solche Szenen überlegt, die dem Film doch etwas frischen Wind geben.

Doch diese Technik wird nur im ersten Abschnitt verwendet, und sobald sich das Geschehen in eine Kriegs-Lovestory transformiert, setzt man auf einen anderen Stil. Durch eine an manchen Stellen raue, aber dennoch außerordentlich poetische Bildsprache wird der Eindruck von einem Bruch in der Liebe zwischen Robbie und Cecilia angedeutet. Die Kriegsszenen selbst sind dabei keine groß angelegten Schlachten, sondern stets nur relativ kleine Szenen, mit einer herausragenden und außerordentlich beeindruckenden Ausnahme:

Die wohl mit Abstand stärkste Szene des Films, abgesehen vom Ende vielleicht, ereignet sich während des Zweiten Weltkriegs, als Robbie mit seiner kleinen Truppe am Strand eintrifft und dort ein Truppenlager betritt. In einer unglaublich imponierenden Plansequenz, die aus einer knapp vier Minuten andauernden Steady-Cam Sequenz ohne einen einzigen Schnitt besteht, zeigt uns Joe Wright, wie Robbie über den Strand irrt und durch die Unmengen Soldaten stolpert. Manchmal löst sich die Kamera dabei von ihm, zeigt zum Beispiel einen Chor, der gerade „Dear Lord and Father of Mankind“ vorträgt, und stößt später in einer fließenden Bewegung wieder auf Robbie. Diese höchst anmutende Sequenz zählt sicher zu den beeindruckendsten Aufnahmen, die ich jemals sehen durfte.

Das Problem, das Abbitte allerdings trotz der technischen Perfektion und trotz der absolut fabelhaften Schauspieler - sowohl Keira Knightley als auch James McAvoy spielen auf Oscarniveau - nicht abschütteln kann, sind einige ziemlich langatmige Passagen. Dies beginnt bereits mit der Einführung, wo mir der Einstieg relativ schwer gefallen ist und ich einmal eine gewisse Zeit brauchte, bis ich mich überhaupt in die Geschichte eingeklinkt habe. Der heftigste Durchhänger folgt schließlich, als sich der Fokus von Robbie wegbewegt und stattdessen auf Briony und ihre Schuldgefühle konzentriert.

Überhaupt fällt es auf, dass Joe Wright anscheinend gerne die Erwartung des Zusehers enttäuscht. Denn während die tragische Liebesgeschichte zwischen Robbie und Cecilia hoch interessant ist, kann die Schuld und Sühne-Story rund um Briony nicht wirklich durchgehend überzeugen. Und dennoch ist es gerade diese Geschichte, auf die man sich in Abbitte konzentriert, und durch die man die Liebesgeschichte an vielen Stellen nur im Randbereich der Briony-Geschichte weiterbringt. Vielleicht sind ein Grund, weshalb diese Geschichte schwächer ist, die relativ lethargischen Darbietungen von Saoirse Ronan und Romola Garai, die gegen die groß aufspielende Keira Knightley und den nicht minder großartigen James McAvoy, einfach sehr blass wirken.

Fazit:
Abbitte ist ein technisch herausragender Film mit zwei Hauptdarstellern in absoluter Bestform. Sowohl Keira Knightley als auch James McAvoy liefern eine großartige Darbietung auf Oscarniveau und tragen den Film alleine auf ihren Schultern. Auch ist es gerade ihre tragische Liebesgeschichte, die den Zuseher interessiert. Leider legt Regisseur Joe Wright den Fokus hauptsächlich auf die viel uninteressantere Geschichte rund um Briony, und erzählt die interessante Liebesgeschichte nur am Randbereich der an vielen Stellen langatmigen Schuld und Sühne-Story. Dennoch ist Abbitte ein durchaus empfehlenswerter Film, der am Ende doch sehr ergreifend ist. Somit trotz Durchhänger empfehlenswert!

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 27
10 /10
4%
9 /10
11%
8 /10
44%
7 /10
30%
6 /10
7%
5 /10
4%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Walk The Line
Gran Torino
Flug 93
Rachels Hochzeit
Auf der anderen Seite
I
Paranoid Park
Das Siebente Siegel
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Gute Filme
Liste von Lucia
Erstellt: 14.12.2014
gelungene Literaturverfilmungen
Liste von MR
Erstellt: 04.01.2014
Alle Listen anzeigen