Leb wohl, meine Königin! (2012)

OT: Les adieux à la reine - 100 Minuten - Drama / Geschichte
Leb wohl, meine Königin! (2012)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 05.10.2012 - Blu-ray-Start: 05.10.2012
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Filmkritik zu Leb wohl, meine Königin!

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Im Jahr 2002 veröffentlichte die französische Autorin Chantal Thomas ihren preisgekrönten Roman Leb wohl, meine Königin! (Les Adieux à la Reine). Zehn Jahr später verfilmte Regisseur Benoît Jaquot den literarischen Stoff und startete damit im Wettbewerb der 62. Berlinale. Der Film setzt fast ausschließlich auf französische Schauspielerinnen. Darunter Léa Seydoux (Mission Impossible 4 – Phantom Protokoll) als die Vorleserin Sidonie Laborde und Virginie Ledoyen (The Beach) in der Rolle der Gräfin Gabrielle de Polignac. Einziger Hollywood-Import, aber nicht minder französisch begabt, ist Diane Kruger als Königin Marie Antoinette (Das Vermächtnis des geheimen Buches).

Versailles, im Juli 1789. Am Hof König Ludwigs XVI. scheint das Leben, abseits der wachsenden Unruhen in Paris, völlig sorgenfrei zu sein. Als das Schloss jedoch die Nachricht vom Sturm der Bastille erreicht, werden Fluchtwege für den Ernstfall geschmiedet. Königin Marie Antoinettes Vorleserin, Sidonie Laborde, möchte den Gerüchten allerdings keinen Glauben schenken. Beharrlich versucht sie weiterhin ihren täglichen Pflichten nachzukommen und der Königin so nah wie möglich zu sein. Sie ahnt nicht, dass ihre gemeinsamen Tage bereits gezählt sind.  

Leb wohl, meine Königin! erzählt die Anfänge der Französischen Revolution aus Sicht von Sidonie Laborde. Den Blickwinkel einmal zu ändern und den Zuschauer durch die Augen einer Hofbediensteten zusehen zu lassen, zeichnet den Film besonders aus. Dadurch, dass die Vorleserin im Mittelpunkt steht, ergibt sich aber nicht nur eine Sichtweise seitens der Bediensteten. Vielmehr ist es auch eine fast ausschließlich weibliche Perspektive.

Diese Perspektive spannt sich wie ein roter Faden über die gesamte Filmlänge und durch alle Filmebenen. Anders, als in Sofia Coppolas Verfilmung, die mit viel Pomp und Pop eine verschwenderische Königin (Kirsten Dunst) zeigt, verkörpert Diane Krugers Marie Antoinette in erster Linie eine Frau, denn eine Herrscherin. Eine Frau, die ohne ihren König an der Seite gezeigt wird und sich von ihren Gefühlen leiten lässt. So bekommt Sidonie vor allem die Launen der Königin zu spüren, während Gräfin de Polignac deren Zuneigung und Verehrung genießen darf. Zärtlichkeiten und Sehnsüchte stehen durchwegs im Vordergrund. Sehnsüchte nach dem gleichen Geschlecht, sexuellen Abenteuern und Sicherheit. Politische Ambitionen, männliche Führung oder der Sturm auf die Bastille rücken dabei komplett in den Hintergrund.

Die Einbeziehung des Zusehers in das Leben bei Hofe verdeutlicht sich speziell in der Kameraführung. In den meist langen Szenen kommt oftmals eine Handkamera zum Einsatz, um das Gefühl des Dabeiseins zu vermitteln. Mit der Kombination einer subjektiven Kameraführung lässt Jaquot sein Publikum einmal direkt durch die Augen der Protagonistin sehen, ein anderes Mal ist es stiller Beobachter der Szenerie. Besonders während Dialogszenen werden anstelle der üblichen Schuss-Gegenschuss Einstellungen, überwiegend Kameraschwenks eingesetzt. Der Eindruck man selbst würde von einem Gesprächspartner zum anderen sehen, verstärkt die Wahrnehmung man würde ebenfalls am Geschehen teilnehmen.

Diese persönlichen Einsichten werden dennoch nur aus einer gewissen Distanz gewährt. Bis zum Ende des Films erfährt der Zuseher so gut wie nichts von der Protagonistin und selbst dann werden nur zarte Einblicke gewährt. Die Konzentration liegt daher besonders auf den Begehren von Sidonie. Ihre Zuneigung zur Königin, ihren Gehorsam und ihr Wunsch zu einer Gesellschaftsschicht zu gehören, die ernsthaft bedroht wird. Herkunft und Motive bleiben auf der Strecke, wodurch eine emotionale Verwicklung seitens der Zuseher ausbleibt. Allen Versuchen zum Trotz, den Zuseher in das Geschehen mit einzubeziehen, bleibt dennoch ein Gefühl von Ahnungslosigkeit. Obwohl Sidonie und ihr Umfeld  im Mittelpunkt stehen, erfährt man nur wenig über deren Lebensinhalt. Die Figuren werden nur sehr oberflächlich dargestellt und viele Fragen bleiben bis zum Ende unbeantwortet. So gesehen hätte Jaquot noch mehr aus der Romanvorlage herausholen können.

Fazit:
Leb wohl, meine Königin! hat durchaus positive Anreize. Kostüme und Ausstattung sind definitiv ein Blickfang und auch mit Léa Seydoux ist den Filmemachern zweifellos ein Glücksgriff gelungen. Ihre optische Anziehungskraft und ihr gekonnt zurückhaltendes Spiel schaffen es, den Zuseher zumindest streckenweise einzufangen. Auch die Idee, abseits vom Mainstream einen Teil französischer Geschichte neu zu erzählen, ist an sich eine spannende. Sie macht den Film aber nicht automatisch sehenswert. Fehlende Spannung und Tiefe lassen Figuren und Zuseher in der Schwebe, was das Historiendrama nur bedingt empfehlenswert macht.

Wertung:
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Berlinale 2012 - Wettbewerb
Liste von Filmering.at
Erstellt: 03.10.2012