Von Löwen und Lämmern

OT: -  95 Minuten -  Drama
Von Löwen und Lämmern
Kinostart: 09.11.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
1797
Bewerten:

Wie der geneigte Filmfan sicher schon lange weiß, ist Hollywoodstar Robert Redford nicht nur als Schauspieler und Womanizer in der Welt unterwegs, sondern konnte sich, ähnlich wie Kollege Clint Eastwood, längst als erfolgreicher und hoch angesehener Regisseur etablieren. Seine Werke zeichneten sich stets durch eine gewisse Ruhe aus und gewährten den Charakteren viel Zeit, um sich zu etablieren, was logischerweise dann auch in einer längeren Laufzeit bemerkbar wurde. Umso überraschender ist es, dass er seinen neuen Film Von Löwen und Lämmern auf das Mindestmaß von 95 Minuten beschränkt, und dieser Aspekt macht sich im Film auch sehr deutlich bemerkbar: Von Löwen und Lämmern scheint nur eine kleine Fingerübung geworden zu sein, in der Regisseur Redford etwas Wind gegen die US-Politik macht. Und in Anbetracht der vielen sehr guten Vorzeichen ist dies doch enttäuschend.

Senator Jasper Irving (Tom Cruise) lädt die angesehene Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) zu sich und gewährt ihr ein Exklusivinterview, in dem er neues Material über den Krieg gegen den Terror verspricht. Diese nimmt natürlich begeistert an, muss aber feststellen, dass der Senator sie nur missbrauchen will, damit sie ihm eine gute Publicity verschafft. Gleichzeitig müht sich der College-Professor Dr. Stephen Malley (Robert Redford) mit seinem unglaublich talentierten Studenten Todd (Andrew Garfield) ab, der seine Fähigkeiten nicht ernst nimmt, und so des öfteren der Uni fern bleibt. Während dessen kämpfen die beiden ehemaligen Studenten Arian (Derek Luke) und Ernest (Michael Pena), die von Malley unterichtet wurden, ums Überleben am Hindukusch...

Robert Reford legt seine Geschichte etwas im Babel light Stil an, und führt erst einmal drei völlig verschiedene Storyfäden ein, die sich zunächst alleine etablieren müssen. Erst nach und nach stellen sich die Querverbindungen zu den anderen Episoden her, und so kommt es, dass man als Zuseher direkt die Auswirkungen der einen Episode auf die andere wahrnehmen kann. Senator Irving spricht mit der Journalistin Janine Roth über die Zukunft des Krieges, während sich Professor Malley mit einem Studenten unterhält, der außerordentliche Fähigkeiten besitzt, aber nicht den Mut hat, diese auch einzusetzten, weil er der Meinung ist, dass eine Karriere in der Politik für ihn völlig sinnlos ist, da alle Politiker Lügner sind. Dies ergibt in der Abwechslung mit der Episode um den Senator eine besonders amüsante Wirkung.

Als letzter Handlungsstrang wird schließlich die Episode rund um die beiden Studenten im Krieg gezeigt, die erst im Laufe des Films richtig an die beiden anderen Episoden anknüpft. Es scheint, als wollte Robert Redford mit seinem Film eine möglichst detaillierte Nahrungskette der Politik zeigen, indem er die Ausbildung der späteren geistigen Elite, die Amtsausübung der momentanen Politik und das praktische Durchführen im Kriegseinsatz andeutet, indem er allen drei Ebenen eine eigene Episode widmet. Diese Betrachtung erfolgt allerdings nie aus einem distanzierten Blick, sondern immer nahe an den Figuren.

Aus dieser durchaus interessanten Idee ergeben sich allerdings einige Probleme. Dies beginnt bereits damit, dass nicht alle Episoden durchgehend gelungen sind. Am besten kann man sicher den Handlungsstrang mit Meryl Streep und Tom Cruise bezeichnen, die sich ein zwar oberflächlich zurückhaltendes, aber innerlich kochendes Duell um politische Werte und Arbeitsmoral liefern. Tom Cruise darf hier endlich wieder einmal zeigen, dass er eigentlich Schauspieler ist, und verkörpert seinen schmierigen, aber wortgewandten Senator außerordentlich beeindruckend. Sein Gegenüber Meryl Streep agiert gewohnt auf hohem Niveau, auch wenn ihre moralische Rolle wesentlich undankbarer als die Rolle von Tom Cruise ist.

Auch die Geschichte um den Collegeprofessor kann noch punkten, auch wenn sich hier bereits erste Schwächen abzeichnen. Denn obwohl dieser Handlungsstrang atmosphärisch sehr gelungen ist und Robert Redford durch sein Charisma einiges an Charme in den Film bringt, lässt dieser Teil der Geschichte doch die unterschwellige Kritik des oben beschriebenen Handlungsstrangs vermissen. Als richtig schwach erweist sich dann allerdings die Episode rund um die zwei Studenten im Krieg, die von Feinden umzingelt sind, und schließlich um ihr Überleben kämpfen müssen.

Es scheint, als hätte sich Robert Redford zuviele Actionfilme angesehen, denn wie heldenhaft und patriotisch er den Kampf der beiden Soldaten zeigt, steht der reißerischen Inszenierung eines Michael Bays in nichts nach. Beginnen tut dies gleich mit einem heldenhaften Sprung aus dem Helikopter, nachdem Arian merkt, dass sein Freund verwundet wurde und aus dem Hubschrauber gestürtzt ist, und dies zieht sich auch nahtlos durch die ganze Episode, bis man schließlich am relativ schwachen Ende angelangt ist. Erschwerend hinzu kommt, dass die Episode generell nicht in die Stimmung des Films passt und sich nicht wirklich in das homogene Gesamtbild einfügt.

Auch driftet Von Löwen und Lämmern an einigen Stellen schon fast in eine Moralpredikt von Robert Redford ab, der sich wirklich sehr viel Mühe gibt, damit seine Systemkritik auch wirklich jeder versteht. Aber ich will den Film auch nicht allzu hart bewerten, da er auf einigen Ebenen auch sehr gut funktioniert. Zwar ist eine der drei Episoden des Films als richtig schwach zu bezeichnen, aber dafür ist die Episode rund um den Senator einfach ausgezeichnet. Auch kann man dem Film nicht absprechen, dass einige der Statements rund um Moral und Anstand ankommen und dank der großartigen Schauspieler wird auch keinem langweilig werden. Ein ganz guter Film ist also dennoch herausgekommen, nur von einem Robert Redford erwartet man sich halt doch mehr.

Fazit:
Von Löwen und Lämmern wirkt in seiner Erzählweise wie die Lightversion von Babel und versucht, wie sein großes Vorbild seine Erzählstränge zunächst ganz von einander unabhängig einzuführen, um sie dann im Laufe des Films immer wieder an einigen Stellen zu verknüpfen. Tom Cruise beweist in seiner Rolle als Senator, dass er doch noch schauspielern kann, und brilliert gemeinsam mit Meryl Streep in der besten Episode des Films. Robert Redford bringt einen gewissen raubeinigen Charme mit in seiner Rolle als Collegeprofessor und wertet damit auch seinen Handlungsstrang auf. Als richtig schwach, patriotisch und mit der Moralkeule vorgetragen erweist sich jedoch die Kriegsepisode des Films, die der Gesamtwertung auch einen gehörigen Dämpfer gibt. Gut bleibt der Film zwar dennoch, aber von Robert Redford erwartet man sich halt doch mehr.

Fazit:
6/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 9
10 /10
0%
9 /10
11%
8 /10
33%
7 /10
0%
6 /10
44%
5 /10
11%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Im Tal von Elah
Sleepers
Gran Torino
Public Enemies
Das Meer in mir
The Aviator
Asphalt-Cowboy
Dead Man Walking
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von hans-dieter
Erstellt: 26.04.2015
Will ich sehen
Liste von Bebsi82
Erstellt: 05.02.2014
schon gesehen
Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013
Alle Listen anzeigen