Troja

OT: -  156 Minuten -  Historien / Drama
Troja
Kinostart: 13.05.2004
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Troja

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Wer einmal die Ilias von Homer gelesen hat wusste bestimmt, dass es nur eine Frage Zeit sein würde, bis sich Hollywood dieses Klassikers annehmen würde, denn dieses Epos, das als das älteste Werk der abendländischen Literatur gilt, bietet eine Geschichte, die für einen Film von monumentalen Ausmaßen wie geschaffen ist. Eventuell mag auch der Umstand, dass man sich bei der Adaption eines antiken Sagenstoffes wohl kaum Kritik in Sachen Handlung oder Realismus vorwerfen lassen muss, zur Produktion beigetragen haben. So nahm es der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen im Jahr 2003 in die Hand, den gewaltigsten Krieg der Antike  in würdige Bilder zu packen.


Griechenland, ca. 1200 v. Chr.: Der spartanische König Menelaos (Brendan Gleeson) feiert mit einer trojanischen Delegation unter der Führung der beiden Prinzen Hektor (Eric Bana) und Paris (Orlando Bloom) den Abschluss eines lange verhandelten Friedensvertrages. Während Hector die Gastfreundschaft des neuen Verbündeten genießt, hat sein Bruder bereits eine Affäre mit der wunderschönen Frau des Menelaos, Helena (Diane Krüger), begonnen. Diese liebt ihren  grobschlächtigen Gatten nicht und verliebt sich in den schönen Paris, der sie kurzerhand mit nach Troja nimmt. Dort wird sie allerseits freudig aufgenommen, nur Hektor ahnt bereits, dass Menelaos diese Schmach nicht so ohne weiteres auf sich sitzen lassen wird.


Menelaos bittet seinen Bruder Agamemnon (Brian Cox), den mächtigen König von Mykene, ihn bei der Rückholung seiner Frau  zu unterstützen. Agamemnon, dem der Oberbefehl über sämtliche Könige Griechenlands noch nicht genug ist, wittert nun seine Chance, das mächtige Troja zu erobern und trommelt 50.000 Krieger zusammen und setzt sie in Marsch. Unter ihnen ist auch Achilles (Brad Pitt) der größte Krieger seiner Zeit. Achilles und seine Gefolgsleute, die Myrmidonen, nehmen den stark befestigten Strand vor Troja im Alleingang ein und machen im nahegelegenen Tempel eine Gefangene, die Priesterin Briseis, eine Angehörige des Königshauses.

Agamemnon, der es schon längere Zeit leid ist, bei seinen Feldzügen nur vom arroganten Achilles und seiner Vorbildwirkung auf die anderen Soldaten abhängig zu sein, lässt Briseis entführen und zu seiner Sklavin machen. Diese Beleidigung ahndet der Peliade mit einem Boykott der Kampfhandlungen, was die Moral der Truppen drückt und dazu führt, dass die Griechen beim ersten Angriff auf die Stadt eine schwere Niederlage einstecken müssen. Bei einem nächtlichen Überfall der Trojaner auf das griechische Lager taucht jedoch plötzlich der vermeintliche Achilles auf und wird in einen Zweikampf mit Hektor von diesem erschlagen. Bei dem Toten handelt es sich jedoch um Patroklos, dem geliebten Cousin des Achilles, der in dessen Rüstung den Griechen Mut zu machen versuchte. Als Achilles vom Tod seines Vetters erfährt, schwört er Rache an Hektor und fordert diesen zum Duell, in welchem der trojanische Prinz den Tod findet.


Da die Stadt jedoch nach wie vor mit militärischer Gewalt nicht einnehmbar ist, macht sich im griechischen Heer Resignation breit, doch da hat der listige Odysseus (Sean Bean) die zündende Idee...


Troja
ist alles in allem ein sehr ansprechender und bildgewaltiger Streifen geworden, jedoch schafft er den Sprung zu einem Sandalenepos vom Kaliber eines Gladiator nicht ganz. Da ich ein großer Fan von orchestralen Soundtracks bin, hätte ich für monumentale Bilder mehr monumentale Musik erwartet. Starkomponist James Horner hat diesmal leider kein Meisterwerk abgeliefert. Normalerweise wird in komponierter Filmmusik ein charakteristisches Thema verwendet, das in veränderter Form immer wiederkehrt. Auf ein solches wurde bei Troja verzichtet, der Soundtrack müsste vor allem bei den Schlachtszenen viel peitschender sein. Beispielsweise ist die Szene, in der man die tausenden Schiffe der Flotte auf See sieht, im Trailer mit einem derart packenden Thema unterlegt, dass es einem unwillkürlich eine Gänsehaut aufzieht. Die im Film verwendete Musik ist an dieser Stelle weitaus zahmer, was ihr einiges an Reiz nimmt.


Im Gegensatz zur Vorlage von Homer wurde im Film auf die Darstellung der Götterwelt und die Verwendung von Übernatürlichkeiten (Eingreifen der Götter in den Kriegsverlauf, Unverwundbarkeit des Achilles, etc.) verzichtet. Der Anlass für den Krieg steht unter machtpolitischen statt mythologischen Gründen. Auch wurden gewisse Persönlichkeiten weggelassen und die Schicksale der Hauptakteure verändert, im Großen und Ganzen ist die Ilias jedoch sehr realistisch und detailgetreu wiedergegeben (z.B. die für einen Griechen eher untypischen blonden Haare des Achilles, auf die Homer extra hinweist). Sehr angenehm ist außerdem die Tatsache, dass nicht für eine Seite Partei ergriffen wird und der Film dadurch verhältnismäßig „objektiv" wirkt, da er nicht in das Darstellungsschema „die Guten gegen die Bösen" hineinrutscht.


Einer der großen Pluspunkte des Filmes ist ein herausragender Brad Pitt, dem die Rolle des Überkriegers auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Arrogant und respektlos vor Agamemnon, leichtfüßig und gnadenlos im Kampf, väterlich zu seinen Soldaten.
Die Darstellung des Paris durch Orlando Bloom wurde gerne kritisiert, jedoch stellt er genau den Typus des feigen Schönlings dar, der den Trojanern diesen Krieg eingebrockt hat, so wie es die Ilias vorgibt. Diane Krüger als Helena überzeugt nur bedingt, die blonde Deutsche passt nicht so recht in die Ägäis, eher hätte man sich hier eine dunkelhaarige, rassige Schönheit vom Typ einer jungen Monica Bellucci vorgestellt. Kino-Urgestein Peter O'Toole macht als trojanischer König Priamos wieder einiges an Boden gut, auch Brian Cox als machtgeiler Agamemnon überzeugt auf voller Länge.


Die optische Inszenierung von Troja ist tadellos, zwischen die exzellenten Schlachtchoreographien wurden auch in passendem Abstand ästhetisch-schöne Bilder gepackt. Bei den Schlachten spritzt zwar ausreichend Blut, aber im richtigen Maße (keine abgehackten Gliedmaßen á la 300) und artet nicht zur reinen Gewaltorgie aus. Besonders sehenswert ist der hervorragend inszenierte Zweikampf zwischen Hektor und Achilles.


Fazit:
Troja ist eine würdige Verfilmung des weltberühmten Heldenepos von Homer. Der Film muss zwar kleine Minuspunkte wie den etwas zahnlosen Soundtrack und einigen wenigen Rollen, die man besser besetzen hätte können, einstecken, überzeugt und unterhält mit gut umgesetzter Handlung, tollen Bildern und einem grandiosen Brad Pitt. Einer dieser Filme, bei denen man sich beim Verlassen des Kinos Schwert und Schild in die Hand wünscht.

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 47
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