Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

OT: -  160 Minuten -  Drama
Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
Kinostart: 26.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

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Jesse James wurde bereits zu Lebzeiten als Held verehrt. In zahlreichen Romanen entstand ein Bild von ihm, das ihn als modernen Robin Hood skizzierte, und ihn zum wohl ersten Medienstar der Geschichte werden ließ. Nach seiner Ermordung durch Robert Ford wurde dieses Bild nur verstärkt. Jesse James war der ehrenhafte Held, der von dem Feigling Robert Ford hinterrücks erschossen wurde. Ron Hanson im Roman und schließlich Andrew Dominik im Film Die Ermordung des Jesse James durch den Feiglich Robert Ford versuchen dieser traditionellen amerikanischen Geschichte einen neuen Anstrich zu verleihen, weswegen sie die Charaktere näher beleuchteten und den Figuren somit neue Facetten bescheren.

Jesse James (Brad Pitt) ist eine wahre Legende. Bereits zu seinen Lebzeiten werden seine Geschichten erzählt, und obwohl er ein Outlaw und Mörder ist, scheinen die Leute ihn zu verehren. Doch dieser Jesse James ist gealtert und leidet mittlerweile unter Depressionen. Robert Ford (Casey Affleck) hat stets zu seinem Helden Jesse James aufgesehen, aber dennoch war er es, der Jesse James von hinten erschossen hat. Während diese Tat Jesse James nur noch heldenhafter erscheinen ließ, machte sie Robert Ford zum Feigling der Nation. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass Robert Ford seinen einstigen Helden erschoss?

Dieser Frage widmet sich der Film mit dem gigantischen Titel Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford sehr ausgiebig und nimmt sich wirklich sehr viel Zeit um seine Geschichte zu entfalten und den Figuren Leben einzuhauchen. Regisseur Andrew Dominik verliert sich dabei allerdings zu sehr in Nebensächlichkeiten, und so kommt es, dass sich seine an sich wunderschönen Aufnahmen irgendwann einmal totlaufen. Denn wenn man einen Film ansieht, der von vorne herein bereits um ca. 1 Stunde zu lang ist, dann wirken sich besonders langsame Passagen umso tragischer aus.

Dabei hätte der Film eigentlich alle Voraussetzungen, um ein wirkliches Highlight zu werden. Mit dem Ansatz, der Figur des Jesse James einen tragischen Anstrich zu verpassen, geht man den richtigen Weg, und die dabei eingesetzten Darsteller liefern, um es kurz zu sagen, regelrechte Galavorstellungen ab, aber obwohl auch die Regie von Dominik sehr stilsicher ist, schafft es Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford nie so richtig, den Zuseher zu begeistern. Es tut mir sogar richtig weh, dass es mir nicht möglich ist, diesen Film höher zu bewerten, aber was soll man machen, wenn das Ansehen an manchen Stellen zur regelrechten Zumutung wird?

Vielleicht hat man die Ausgangslage des Films von vorne herein falsch eingeschätzt. Denn als kurzes, kompaktes Psychospiel zwischen Casey Affleck und Brad Pitt wäre dieser Film ein Knaller geworden, aber man musste unbedingt auf die künstlerische Schiene aufspringen und mit aller Gewalt einen pseudo-epischen Film erzeugen, der zwar überraschend wenig zu erzählen hat, aber dennoch auf die quälende Länge von 160 Minuten anschwillt. Der Film verliert sich in absolut irrelevanten Nebensträngen, bremst sein Pacing noch zusätzlich aus und so kommt es schließlich, dass einem selbst die schönen Naturaufnahmen irgendwann einfach nur mehr auf den Wecker gehen, da sie den Filmfluss noch zusätzlich bremsen.

Was den Film an vielen Stellen dennoch rettet, sind seine außergewöhnlich großartigen Darsteller. In der Hauptrolle agiert Brad Pitt in einer seiner stärksten Rollen, die ihm durchaus berechtigt den Darstellerpreis in Venedig bescherte. Von Innen heraus füllt er seinen Jesse James mit Leben, und gibt ihm sowohl die nötige Abgebrühtheit in seinen starken Momenten als auch die an vielen Stellen aufkeimenden Schwächen, die den wahren Kern seiner Figur aufblitzen lassen. In seinem vielschichtigen und nuancierten Spiel ist er ein wirklich beeindruckender Jesse James, der besonders in den Szenen, in denen er scheinbar seinen Tod erahnen kann, eine unglaubliche Melancholie verströmt. An seiner Seite agiert der großartig aufspielende Casey Affleck, der sich mit seiner verletzlichen, extrovertierten Darstellung als Robert Ford sehr für einen Oscar für die beste Nebenrolle empfiehlt.

Was soll man schließlich über diesen Film sagen? Es tut mir richtig weh, dass Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford seine Chancen nicht besser nützt. Regisseur Andrew Dominik hat zwei Darsteller zur Verfügung, die das psychologische Duell Jesse James gegen Robert Ford virtuos ausfechten können, aber anstatt sich darauf zu besinnen, legt er seinen Film als pseudo-künstlerisches, langatmiges Möchtegernepos aus, und verliert sich in sich wiederholenden Szenen, unmotivierten Nebenhandlungen und vor allem viel Langeweile, was dieses Werk schließlich auf mächtige 160 Minuten aufbläst. Im Kern scheint allerdings stets der großartige Film durch, den man aus diesem Ausgangsmaterial hätte machen können.

Fazit:
Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford schafft es leider nicht, seine großartige Ausgangslage vernünftig zu nutzen. Anstatt sich auf das Psychoduell zwischen den beiden ganz groß aufspielenden Hauptdarstellern zu besinnen, versucht der Film mit aller Gewalt, ein künstlerisches Epos zu sein und sorgt dabei vor allem für Langeweile. Der Film ist ungefähr eine Stunde zu lang und verliert sich immer mehr in Nebensächlichkeiten, schafft es nicht auf den Punkt zu kommen, und dies ist gerade deswegen so schade, weil stets der großartige Film durchscheint, der aus diesem Stoff hätte werden können.

Wertung:
6/10 Punkte

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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 22
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Liste von hans-dieter
Erstellt: 26.04.2015