Stoker - Die Unschuld endet (2013)

OT: Stoker - 99 Minuten - Drama / Horror / Thriller
Stoker - Die Unschuld endet (2013)
Kinostart: 10.05.2013
DVD-Start: 05.09.2014 - Blu-ray-Start: 05.09.2014
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Filmkritik zu Stoker - Die Unschuld endet

Der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook hat mit seinen Filmen Oldboy (2003), Sympathie for Mr. Vengeance (2002) und Lady Vengeance (2005) bewiesen, dass er ein Gespür für brisante Themen hat und darüber hinaus zur Alpha-Liga der Filmregisseure gehört, welche außerhalb von Hollywood agieren. Ferner hatte Park Chan-wook bisher stets die Kontrolle über seine Filmprojekte, da er auch für das Drehbuch verantwortlich war. Man kann also skeptisch werden, wenn genau dieser Filmemacher einen Hollywoodfilm drehen soll und zudem das Skript hauptsächlich aus der Feder des Drehbuchautordebütanten Wentworth Miller, bekannt als Schauspieler aus der Erfolgsserie Prison Break, stammt. Doch bereits nach der ersten Filmminute sollte jede Skepsis verschwinden, da sich ein hochkarätiger Thriller mit Horrorfilmelementen entfaltet, der neben der erstklassigen Inszenierung auch ein Drehbuch bietet, welches zwar eine bereits bekannte Geschichte vorweist - allerdings mit seinen gekonnten Figurenzeichnungen überzeugen kann.

India Stoker (Mia Wasikowska) erhält seit ihrer Geburt jährlich an ihrem Geburtstag die gleichen Paar Schuhe von ihrem Vater Richard (Dermot Mulroney). Doch an ihrem 18. Geburtstag stirbt dieser, sodass mit ihm auch die Tradition vergraben wird. Bei der Beerdigung ihres Vaters lernt India ihren Onkel Charlie (Matthew Goode) kennen. Da Charlie bisher durch die Welt gereist ist, lernt India ihn erst jetzt kennen.  Der charmante Charlie weckt sofort das Interesse von Indias instabiler Mutter Evelyn (Nicole Kidman) und erhält dadurch einen langfristigen Platz im Haus der Stokers. Im Gegensatz zu ihrer Mutter ist India nicht so begeistert von ihrem Onkel. Denn neben seinem Charme sieht die junge Frau ein dunkles Geheimnis…

Auf den ersten Blick erscheint der Kurzinhalt des Films Stoker – Die Unschuld endet als altbekannt und oftmals durchgekaut. Zusätzlich spielt sich der Großteil des Films in einem Haus ab. Horrorfans sollten nun zahlreiche Szenarien im Kopf parat haben. Zu erwarten ist eine vorhersehbare Handlung, die mit zahlreichen Genreklischees vorangetrieben wird und am Ende in einem enttäuschenden Finale mündet. Zugegen: einige Handlungsstränge können erahnt werden und damit spielen sich im Kopf des Betrachters zahlreiche Klischees ab, die im weiteren Verlauf der Handlung folgen könnten.

Doch anstatt seinen Film an ausgelutschten Horrorfilmen anzulehnen, greift der Regisseur in ein altes und hoch gelobtes Filmregal. Stoker – Die Unschuld endet erinnert demzufolge an Alfred Hitchcocks Im Schatten des Zweifels (1943). Allerdings gibt es in Parks Film nicht nur einen neuen Onkel Charlie, sondern auch eine ähnlich bedrückende Stimmung wie beim Master of Suspense. Ferner bietet Stoker – Die Unschuld endet eine beunruhigendere Geschichte als Hitchcocks Im Schatten des Zweifels. Dies liegt wohl daran, dass der Autor des Skripts, Wentworth Miller, den Namen der Familie Stoker aus Bram Stoker gezogen hat, der uns den Roman Dracula brachte.

Weiters versteht es Park Chan-wook sehr gut bedrückende Stimmungen und Irrwege, wie sie Wentworth Miller vorfertigte, in Bilder zu verpacken und diese auf einer faszinierenden Art und Weise zu präsentieren. Beispielsweise muss India während einer Szene in den Keller gehen, um dort Eis aus der Tiefkühltruhe zu holen. Um die Spannung und das Interesse des Zusehers aufrecht zu erhalten, lässt Park Chan-wook die Titelheldin stets unter schwankende Lampen, durch den wenig beleuchteten Raum, gehen. Das Licht im Kellergang schaukelt somit hin und her – India geht beruhigt auf die Kühltruhe zu. Was sie wohl darin finden wird?

Bemerkenswert ist auch die Kameraarbeit, die Chung Chung-hoon (Oldboy) in Zusammenarbeit mit Park geleistet hat. India, Evelyn und Charlie sitzen am Tisch und reden während dem Abendessen. Dabei wechselt die Kamera stets den Blickwinkel. Während India mit Charlie spricht, fährt die Kamera langsam hinter Charlies Kopf und bleibt auf seiner Schulter stehen. Kurz darauf erhält Evelyn das Wort. Doch anstatt die Dialoge im Schuss-Gegenschuss-Verfahren zu präsentieren, schwenkt die Kamera in eine andere Richtung und bleibt plötzlich an einem nicht vorhersehbaren Winkel stehen – faszinierend! Aus einem gewöhnlichen Tischgespräch wird ein Gespräch voller Anspannung. Park Chan-wook lenkt die Augen des Betrachters in seine erwünschte Richtung.

Doch nicht nur die Augen werden vom Regisseur kontrolliert. Auch die Gefühlsebene wird meisterhaft gepackt. Dem südkoreanischen Meisterregisseur gelingt es durchgängig eine unfassbare Intensität aufrecht zu erhalten. Hierbei spielt auch das Klavierspiel eine enorme Rolle. Bestimmte Szenen werden infolgedessen mit längeren oder kürzeren Klavierstücken untermalt. Aus dem Klavierspiel wird ein Spiel mit den Sinnen des Zuschauers. Park Chan-wook wickelt den Zuseher damit geschickt um den Finger und enthüllt dann, wenn man es am wenigsten erwartet, das Ass, welches er im Ärmel versteckt hielt. Dies kann aber nicht nur auf der inszenatorischen Ebene, sondern auch im Hinblick auf die Figurenzeichnung beobachtet werden. Einerseits hat der Drehbuchautor Wentworth Miller eine Geschichte konzipiert, die so sicherlich schon mal erzählt wurde, aber trotzdem gelingt es ihm zahlreiche Genreklischees zu unterwandern und diese dann als Steine wieder in den Weg des Betrachters zu legen. Somit führen Wentworth Miller und Park Chan-wook ihre Geschichte geschickt durch die Themen Familie und Mord sowie Unschuld und Perversion.

Denkt man nach den ersten zwei Dritteln des Films, dass eine Figur eher eindimensional gezeichnet wurde, so wird man eines Besseren belehrt und zugleich vor unvorhersehbaren Wendungen gestellt. Die Spannung wird dadurch besonders kurz vor dem Ende in die Höhe getrieben. Zudem treibt der Regisseur nicht nur die Spannung durch den Film, sondern auch seinen Film durch die Genres. Stoker – Die Unschuld endet kann zwar als Ganzes als Thriller angesehen werden, weist jedoch auch Elemente eines Horrorfilms und eines Familiendramas auf.

Des Weiteren stimmt auch die Chemie zwischen den Darstellern, welche perfekt besetzt wurden. Den Namen der Hauptdarstellerin Mia Wasikowska sollte man sich auf jeden Fall merken, denn der Schauspielerin gelingt es die Irrungen und Wirrungen der Titelfigur facettenreich und glaubhaft zu veranschaulichen. Auch Nicole Kidman (Moulin Rouge, 2001) und Matthew Goode (A Single Man, 2009) machen ihre Arbeit sehr gut. Kidman konnte schon immer mit ihren Reizen spielen und Goode treibt mit seinen Augen das Spiel des Wahnsinns in die Höhe. Aus diesem Grund können Horrorfans beruhigt in diesen Film gehen, sollten aber keinen klischeegeladenen Hollywoodfilm erwarten.

Fazit:
Der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook hält den Zuseher am Faden und schwingt ihn in Stoker – Die Unschuld endet beinahe buchstäblich mithilfe der Kamera durch den Film. Dabei werden Genreklischees unterwandert und später partiell erneut vorgeführt. Das Sehvergnügen wird jedoch damit nicht gestört, denn der Filmemacher macht seine Arbeit meisterhaft und präsentiert uns hier einen Thriller der Extraklasse. Wer Hitchcock-Spannung und die beklemmende Wirkung eines Bram Stoker Romans, wie Dracula, im Kino vermisst hat, der sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.   

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 20
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