Alfie (2004)

OT: Alfie - 103 Minuten - Komödie / Drama / Romanze
Alfie (2004)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Alfie

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Nach Vater der Braut 1+2 und Ein Zwilling kommt selten allein widmet sich Regisseur Charles Shyer abermals einem Remake. Alfie (dt. Titel: Der Verführer läßt schön grüßen) kam bereits 1966 auf die Kinoleinwände unter der Regie von Lewis Gilbert und mit Michael Caine in der Hauptrolle. Eine fünffach Oscar-nominierte Vorlage ist schwer wieder aufzunehmen. Doch genau das ist es, was Shyer nie beabsichtigte. Er wollte nicht etwas wiederholen, das schon vor 40 Jahre da war. Seine Version von Alfie sollte ein eigenständiger Film werden.

Alfie ist ein britischer Womanizer, der seinen Lebensunterhalt als Limousinen Chauffeur in Manhattan verdient. Der attraktive Junggeselle lässt so schnell nichts anbrennen. So reiht sich eine bedeutungslose Affäre nach der anderen. Doch plötzlich bekommt sein lotterhaftes Leben eine ernstere Wendung.

Alfie ist der Titel und Alfie ist Programm. Eine egoistische Fashionhure, die sich am liebsten mit sich selbst beschäftigt. Für gewöhnlich werden modebewusste Männer – noch dazu, wenn sie gerne rosa Hemden tragen – mit Homosexualität gleichgesetzt. Alfie hingegen ist eindeutig heterosexuell. Ein Casanova, bei dem die Frauen hängenbleiben wie die Fliegen am Klebeband. Trotz all der Oberflächigkeit der Hauptfigur, ist seine Geschichte selbst es nicht.

Alfie beinhaltet viele autobiografische Züge des Regisseurs. Er selbst lebte den Alfie-Stil, bis er feststellte, dass er trotz aller Gesellschaft ziemlich alleine war. Um diese Einsamkeit zu überspielen, hangelte er sich von einer bedeutungslosen Beziehung zur nächsten. In erster Linie führt Alfie aber einen oberflächigen Umgang mit sich selbst. Der wahre Charakter ist bald durchschaut, denn trotz aller Coolness beweist er oft genug, dass er auch Herz hat und sammelt dadurch Sympathiepunkte bei den Zusehern. Zweifelhaft ist allerdings der Zeitpunkt an dem Alfie zum ersten Mal zum Umdenken bewegt wird. Sein bestes Stück will nicht mehr ganz so wie er selbst. Spätestens ab diesem einschneidenden Erlebnis würde wohl jeder Mann sein Leben umkrempeln, wenn im Gegensatz alles wieder in Ordnung wird. Den Anstoß für die vollständige Umkehr liefert dennoch eine Frau, als eine seiner Affären ihn wegen eines Jüngeren abblitzen lässt. Auch Frauen können also ein Alfie sein.
 
Jude Law stellt den Humor und die Tragik, die gleichermaßen das Wesen des Protagonisten ausmachen, sehr gut dar. Dadurch, dass keine der anderen Figuren eine allzu große Rolle einnimmt, trägt er allein den Film, was ihm Szene für Szene unbeschwert gelingt. Auch, wenn Shyer der Vergleich zum Original missfällt, äußern Kritiker nur allzu gern ihre Meinung darüber, wer denn nun den besseren Alfie abgibt. Michael Caine und Jude Law einander gegenüberzustellen ist aber in etwa so, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Optisch gibt es zwar keine großen Unterschiede und auch Alfies direkt in die Kamera gerichteten Kommentare wurden übernommen. Caine spielt einfach in einer anderen Liga, begeistert mit viel Charme und Witz. Law hingegen punktet wiederum mit einer Dynamik und Spitzbübigkeit, mit der er vor allem seine weiblichen Fans für sich gewinnen kann. Was natürlich auch fehlt, ist die Provokation. War es in den 60ern noch skandalös Frauen am Fließband zu vernaschen, schockt es heutzutage niemanden mehr.
 
Unter den Nebendarstellerinnen, die Alfies jeweilige Liebschaften verkörpern, reiht sich ein bekannter Name neben den anderen. Neben Marisa Tomei, Sienna Miller, Renée Taylor und Nia Long, fällt vor allem Susan Sarandon positiv auf. Sie alle sind sehr moderne Frauen und begegnen Alfie auf Augenhöhe. Waren sie in der 60er Jahre Verfilmung noch konform und ganz in Hand der Männer, sind sie in Shyers Version weniger hilflos und auch emotional reifer als ihr männliches Gegenüber.

Fazit:
Shyers Message Männer als rücksichtslose Lüstlinge darzustellen und vor deren unwürdigen Umgang Frauen gegenüber zu warnen, geht nach hinten los. Dafür ist Alfie zu wenig „Arschloch“, zeigt er in einigen Szenen, dass er doch ein Herz hat. Auch der Schluss unterstützt diese Message nicht. Dafür hätte Alfie bis zuletzt ein Wiederling bleiben müssen, doch dazu fehlte Shyer dann doch der Mut oder der Wille und so stellt er Alfie lieber als Philosophen dar. Alles in allem macht es dennoch Spaß Alfie in seinen Höhen und Tiefen zu begleiten. Es geht im Prinzip um alles und auch wieder um nichts. Es ist eine Tragödie, getragen mit Leichtigkeit und auch, wenn die Geschichte eher allgemein gehalten wird, so erfüllt sie doch ihren Zweck: Alfie bietet Unterhaltung und sorgt für ein kurzweiliges Filmerlebnis.

Wertung:
6/10 Punkte
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