Die Jagd (2012)

OT: Jagten, The Hunt - 115 Minuten - Drama
Die Jagd (2012)
Kinostart: 05.04.2013
DVD-Start: 23.08.2013 - Blu-ray-Start: 23.08.2013
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Filmkritik zu Die Jagd

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Kindemissbrauch - ein Thema, das nicht nur grausame Taten beschreibt, sondern auch einfach instrumentalisiert werden kann. Man kann Menschen kaum einfacher ihre eigene Freiheit rauben als mit den Themen Terrorismus und Kindesmissbrauch, wie vor allem die Geschichte des Internets zeigt. Und natürlich ist es auch ein Thema das gezielt die Reputation eines Menschen vernichten kann - man mag sich gar nicht vorstellen was mit jemanden gesellschaftlich geschieht, der auch nur in den Randbereich eines solchen Verdachts gerät. Doch genau um dies Vorstellung dreht sich Thomas Viterbergs Die Jagd. Herausgekommen ist ein hochintensives Erlebnis, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Lucas (Mads Mikkelsen) ist Kindergärtner in einem kleinen Dorf in Dänemark. Er befindet sich gerade mitten in der Scheidung, meistert sein Leben aber dennoch so gut es geht. Unterstützt wird er dabei von seinem besten Freund Theo (Thomas Bo Larsen) und natürlich der restlichen, eingeschworenen Dorfgemeinschaft. Doch das Leben von Lucas ändert sich eines Tages schlagartig. Klara (Annika Wedderkopp), die vierjährige Tochter von Theo, hegt eine unschulidge, kindliche Liebe für Lucas. Doch als dieser ihre romantischen Ambitionen zurückweist, fühlt sich Klara gekränkt und behauptet, dass Lucas sich vor ihr ausgezogen und sie belästigt hat. Plötzlich schlägt Lucas eine Welle des Hasses entgegen - denn ein kleines Mädchen würde ja nicht einfach so lügen. Oder?

Die große Stärke von Die Jagd ist seine Unberechenbarkeit. Der Film beginnt mit einer eher besonnen Atmosphäre, wechselt ins Drama Fach und mutiert schließlich zum lupenreinen Thriller, der gewaltig die Spannungsschraube anzieht. Thomas Vinterberg inszeniert dabei mit einer solchen Finesse, dass man sich nie sicher sein kann wie weit der Film gehen, bzw. in welche Genrepfade er vielleicht noch abgleiten wird. Stellenweise erahnt man beinahe wie sich ein brutaler Racheakt anbahnt, während Vinterberg aber dennoch beständig seinen Weg geht und dabei die Lage stets unter Kontrolle hat.

Es gelingt ihm auch das Kunststück, dass man beinahe selbst an der einen oder anderen Stelle an der Geschichte von Lucas zweifelt. Besonders intensiv wird dieser Zweifel geschürt, als Klara den Keller von Lucas beschreibt, in dem dieser sie angeblich missbraucht hat - hier spielt Vinterberg nicht nur mit bekannten Fällen aus der Vergangenheit und weckt damit Assoziationen im Kopf des Zusehers, sondern er bringt sein Publikum in die selbe Lage wie die Gemeinschaft innerhalb des Films: Warum sollte sich das kleine Mädchen das alles ausdenken? Und dieser Keim eines Zweifels reicht schon um dem Film noch eine ganz andere Dimension mitzugeben.

Äußerst präzise schildert der Film auch die innergesellschaftliche Aufarbeitung eines Gewaltakts. Es ist faszinierend zu beobachten wie die heile Fassade Sprünge bekommt, sich der Schatten eines Zweifels ausbreitet und sich schließlich ein gewaltiger Graben auftut, während die Gemeinschaft in primitive Muster verfällt und das geordnete Zusammenleben völlig aufgegeben wird. Viterberg führt uns hier die Natur der Menschen vor, die weit entfernt von der herbeigesehnten Zivilisation ist, wie man sie sich wünschen würde. Die Jagd ist dabei sowohl künstlerisch ambitioniert, als auch ganz einfach unheimlich spannend und deshalb natürlich auch ein ganz großer Kinotipp.

Fazit:
Thomas Vinterberg ist mit Die Jagd ein ambitionierter und intensiver Film gelungen, der auf faszinierende Art und Weise der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und uns den reaktionären und unkontrollierten Charakter der Menschheit vor Augen führt. Dank eines ausgezeichneten Drehbuchs, grandioser Darsteller und einer tadellosen Regie wird Die Jagd zu einem imposanten Filmereignis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Alleine wie hier die Genres durchgespielt werden und der Film immer wieder haarscharf an der Grenze zum beinharten Thriller entlangschrammt verdient sich höchste Beachtung.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 32
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