The Deep Blue Sea (2011)

OT: The Deep Blue Sea - 98 Minuten - Drama / Romanze
The Deep Blue Sea (2011)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Deep Blue Sea

Terence Davies ist ein außergewöhnlicher Filmemacher. Nach seiner Kurzfilm-Trilogie (Children, 1976; Madonna and Child, 1980; Death and Transformation, 1983) brachte er 1988 mit seinem ersten Langfilm Distant Voices, Still Lives ein Meisterwerk in die Kinos. Danach folgten Am Ende eines langen Tages (1992), Die Neonbibel (1995), Haus Bellomont (2000) und die Dokumentation Of Time and the City (2008). Beim Betrachten seiner Filme fällt auf, dass sie eine eigene Bildstilistik beinhalten, denn Davies ist bekannt für die symmetrischen Bildkompositionen und symphonischen Strukturen seiner Filme. Ferner ist der Regisseur und Drehbuchautor ein sehr gefühlvoller Künstler. Um während den Dreharbeiten eine Szene abzuschließen, muss er sie zuerst fühlen. Infolgedessen werden am Set viele Tränen vergossen. Aus diesen Gründen können Terence Davies Filme auch als „schwierige Filme“ bezeichnet werden. Seine Filme berühren auf eine ungewöhnliche Art und Weise, jedoch nur wenn man sich darauf einlässt. So ist es auch bei seinem neuen Werk The Deep Blue Sea, das von einer tragische Liebesgeschichte handelt.

1950 – London nach dem Zweiten Weltkrieg - eine knallharte Klassengesellschaft. Die Sozialstruktur in arm und reich aufgeteilt. Hester Collyer (Rachel Weisz) hat die Wahl und sie entscheidet sich für die Armut. Sie wählt die Leidenschaft und trennt sich von der Liebe und Beständigkeit, die ihr geboten werden. Hester verliebt sich in Freddie Page (Tom Hiddleston), den entwurzelten Kriegspiloten und verlässt daraufhin ihren Ehemann, den hohen Richter, Sir William Collyer (Simon Russell Beale). Trotzdem lebt Hesher nicht im Glück…

Dieses Liebesdrama basiert auf das gleichnamige Theaterstück (1952) von Terence Rattigan, welches bereits 1955 von Anatole Litvak verfilmt wurde. Die Theatervorlage macht sich in dieser neuen Verfilmung bemerkbar, da sich Terence Davies hier voll und ganz auf die Figur Hester konzentriert und ihre Beziehung zu den Männern Freddie und William zuerst in aufeinander folgenden Rückblenden gegenüberstellt. Der Ausgangspunkt dieser Erinnerungen ist ein Tiefpunkt in Hesters Leben. Mithilfe der Rückblenden erhält man als Zuschauer Einblick in das Leben der Charaktere und kann sich damit in sie einfühlen. Vor allem hilft hierbei die Inszenierung des Regisseurs, der die damalige Zeit authentisch übermittelt. Besonders das stets gedämpfte Licht in den öffentlichen, sowie privaten Räumen überträgt den Gemütszustand der Protagonistin und verleiht zugleich eine dichte Atmosphäre beim Rezipienten. Mit gezielt angewandtem Musikeinsatz wird die aktuelle Gefühlslage zudem reflektiert. Terence Davies setzt dabei entweder auf den Klang der Violine oder auf kollektiven Gesang. Unter Zuhilfenahme der Lieder werden demnach die Emotionen an den Betrachter weitergeleitet. The Deep Blue Sea ruft ansonsten im Hinblick auf diesen Gesang sein erstes Meisterwerk Distant Voices, Still Lives (1988) ins Gedächtnis.

Jedoch erinnert nicht nur der Einsatz der Musik an Distant Voices, Still Lives, auch die langsamen Kamerafahrten, die Rahmungen und Spiegelungen lassen das Meisterwerk in den Sinn kommen und erzeugen dabei ein starkes räumliches Gefühl. Ferner gleitet die Kamera langsam über die nackten, ineinander verwobenen Körper von Hester und Freddie. Durch eine geschickt angewandte Kameradrehung verlässt der Regisseur die Vergangenheit und präsentiert die Gegenwart und damit die einsame Hester, welche alleine auf dem Bett liegt. Darüber hinaus erhält der Blick aus dem Fenster eine symbolische Wirkung, denn Hester befindet sich in einer ausweglosen und fatalen Liebe – sucht mithilfe des Blicks aus dem Fenster ihre Freiheit, blickt allerdings auf Trümmer.   

Gedanken und Gefühle werden des Weiteren mit langen Großaufnahmen auf die Gesichter der Schauspieler veranschaulicht. Besonders Rachel Weisz nutzt hier die Gelegenheit und präsentiert den inneren Kosmos der Figur Hester mit den kleinsten Bewegungen ihrer Gesichtsmimik. Die berührende Performance von Rachel Weisz, welche 2006 für ihre schauspielerische Leistung in Der ewige Gärtner mit dem Oscar als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde, schreit infolgedessen nicht nur nach Erlösung, sondern auch nach einer Oscar-Nominierung. Glücklicherweise überzeugen auch Tom Hiddleston, der nach dem Blockbuster Marvel’s The Avengers (2012) nun auch in diesem Drama sein Talent zeigt, als auch Simon Russell Beale (My Week with Marilyn, 2011) als verlassener und verletzter Ehemann.

Trotz dieser Tatsachen löst das Drama besonders wegen der langsamen Kamerafahrten ein Gefühl der Anstrengung beim Zuschauer aus. Daraus bildet sich eine Langatmigkeit, welche jedoch im Zuge der gefühlvollen Inszenierung schnell durchbrochen wird. Lässt man sich somit auf die Inszenierung des Regisseurs ein, so erlebt man 98 Minuten lang eine gefühlvolle Reise in die 50er Jahre.

Fazit:
Der unkonventionelle Filmemacher Terence Davies erschafft mit dem Liebesdrama The Deep Blue Sea etwas ganz Besonderes. Er gewährt seinem Zuschauer ein emotionales Erlebnis, indem er ihn in eine äußerst dichte Atmosphäre eintauchen lässt. Aufgrund der speziellen Inszenierung kann der Film nur seine ganze Wirkung auf den Zuseher entfalten, sobald sich dieser auch darauf einlässt. Abschließend wird deutlich, dass man einen Terence Davies Film nicht nur sieht, sondern auch fühlt.

Wertung:
8/10 Punkte    
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Liste von Jadefuchs
Erstellt: 09.05.2015
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