Stealing Klimt

OT: -  88 Minuten -  Dokumentation
Stealing Klimt
Kinostart: 01.11.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Stealing Klimt

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Stealing Klimt behandelt nicht, wie man es aus dem Titel interpretieren könnte, einen Raub, bei dem einige Bilder des berühmten österreichischen Malers gestohlen werden. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne, aber in gewisser Weise geht es doch um einen Diebstahl: Doch das Ganze bekommt eine gänzlich andere Bedeutung, wenn der Dieb kein schmieriger Einbrecher, sondern die österreichische Regierung ist. Natürlich wurden die Bilder auch nicht von der Regierung gestohlen, sondern vor langer Zeit von den Nazis beschlagnahmt. Österreich weigerte sich nur, die Bilder wieder herzugeben.

Maria Altmann ist die Nichte von Adele Bloch-Bauer, welche wiederum die Gattin des Industriellen Ferdinand Bloch-Bauer war. Diese Adele Blochbauer ist es auch, die eines der teuersten Gemälde der Welt ziert, nämlich Gustav Klimts „Adele Bloch-Bauer I“, vielleicht besser als Die Dame in Gold bekannt. Nachdem die Nazis die Familie enteigneten, befanden sich lange Zeit über fünf Klimt-Gemälde im österreichischen Staatsbesitz, bis sich die rechtmäßige Erbin Maria Altmann einsetzte, um die Bilder zurück zu erhalten. Doch dieser Vorgang erwies sich als schwerer als gedacht.

Österreich dachte nämlich gar nicht daran, die Bilder herzugeben und bezog sich auf das Testament von Adele Bloch-Bauer, die in ihrem letzten Willen ihren Mann bat, die Bilder an ein Museum zu vererben. Dabei scheint man vergessen zu haben, dass sie gar nicht die rechtmäßige Besitzerin der Bilder war, und ihr Mann ihrem Wunsch nicht nachgekommen ist. Nach einem langjährigen Rechtsstreit, der zuerst in den USA begonnen wurde, aber schließlich von einem österreichischen Schiedsgericht entschieden wurde, gingen die Bilder endlich wieder in den Besitz von Maria Altmann über.

Stealing Klimt heftet sich an die Fersen von Maria Altmann, und beschränkt sich dabei nicht nur auf die reine Geschichte dieser Verhandlung, sondern erschafft auch eine Chronologie ihrer Familiensituation und beleuchtet somit den ganzen Weg der Gemälde, bis es schließlich zum großen Rechtsstreit kam. Dabei sind die Sympathien allerdings sehr klar verteilt, und die österreichische Regierung kommt bei diesem Unterfangen nicht wirklich gut weg. Auch fällt es auf, dass man keinen einzigen Vertreter der Gegenpartei zu Wort kommen lässt.

Gut, zumindest dieser Aspekt wird am Ende insofern aufgeklärt, als man da schreibt, dass die Vertreter der Regierung nicht für Interviews bereit waren, doch bei solchen Angaben muss man immer abwägen, ob sich die Vertreter nun drücken wollten, oder ob sie schlicht wirklich keine Zeit hatten. Denn im Film wird es so dargestellt, als hätten sie absolut kein Interesse gehabt, sich zu dem Fall zu äußern, was das Land natürlich noch in ein etwas schlechteres Licht rückt. Auch merkt die Doku noch gönnerhaft an, dass man Österreich ein Vorkaufsrecht für die Bilder zum Marktpreis von 300 Millionen Dollar gewährt hätte.

Dies mag auch durchaus der Wahrheit entsprechen, aber wird es im Film so dargestellt, als würde Österreich quasi als Trotzreaktion auf die Bilder verzichten. Aber zum einen zeigte eine Volksabstimmung, dass kein Interesse an den Bildern bei den Bürgern vorhanden war, und zum anderen kann sich ein Land wie Österreich trotz des im Film so schön beschriebenen Reichtums nicht aus dem Stegreif 300 Millionen Dollar leisten, was das Kulturbudget wohl deutlich sprengen würde. Doch ich will hier nicht zu sehr auf den wenigen Fehlern der Filmemacher herumhacken, denn insgesamt gesehen machen sie mit Stealing Klimt wirklich sehr viel richtig.

Nicht nur dass sie die Chronologie der Ereignisse sehr detailliert und gut recherchiert wiedergeben, und diese Dokumentation immer interessant und informativ bleibt, sie schaffen es auch, einige Fragen rund um den wahren Besitz der Kunst aufzuwerfen. Und wenn man etwas darüber nachdenkt, sind dies durchaus Fragen, die lohnen, sich einige Gedanken darüber zu machen. Wer ist der wahre Besitzer der Kunst? Ist es der Künstler oder der Auftraggeber? Oder ist es gar die öffentliche Hand, da man wichtige Kunst nicht in die Hände einer Privatperson geben sollte, damit sie immer der Öffentlichkeit zugänglich bleibt?

Am Ende des Films werden all diese Bilder von anonymen Privatleuten ersteigert, und sind somit nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit der kleinen Ausnahme "Adele Bloch-Bauer I", welches für die absolute Rekordsumme von 135 Millionen Dollar vom US-Unternehmer Ronald S. Lauder gekauft wurde, und nun in der Neuen Galerie in Manhattan zu sehen ist. Doch obwohl Stealing Klimt eine höchst interessante Doku ist, weist auch dieser Film den selben großen Schwachpunkt wie soviele andere Dokus dieses Jahr auf: Er ist einfach nicht fürs Kino gemacht, sondern sollte eigentlich im Fernsehen laufen.

Fazit:
Stealing Klimt ist eine sehr interessante Dokumentation, bei der der österreichische Staat nicht gerade positiv wegkommt. In vielerlei Hinsicht ist dies auch vollkomen gerecht, aber die Filmemacher legen die Symapthien bewusst in Richtung Maria Altmann, und übertreiben es auch an manchen Stellen. Dennoch wurde der Fall sehr gut aufbereitet und höchst informativ ans Publikum gebracht. Doch wie so viele andere Dokumentationen, die dieses Jahr ins Kino gekommen sind, leidet auch Stealing Klimt daran, dass er eigentlich klassisches Fernsehmaterial ist.

Wertung:
6/10 Punkte

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