Paranoid Park

OT: -  90 Minuten -  Drama
Paranoid Park
Kinostart: 01.11.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Paranoid Park

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Regisseur Gus Van Sant sollte jedem Filminteressierten spätestens seit dem Gewinn der Goldenen Palme in Cannes für sein nihilistisches Meisterwerk Elephant ein Begriff sein. Mit seinem neusten Film Paranoid Park konnte er sich erneut einen Preis beim Filmfestival an der Côte d’Azur sichern, wenngleich es dieses Mal nicht für den wichtigsten Preis des Festivals reichte. Die Festivaljury beschränkte sich allerdings auch nicht auf einen der anderen Preise, sondern überlegte sich für Van Sant einen ganz neuen Preis, und so kam es, dass Paranoid Park der Gewinner des Jubiläumspreises in Cannes wurde. Das Gute an Paranoid Park ist sicher, dass Gus Van Sant beweist, dass er ein Gespür für die Jugend hat und es wie kein Anderer versteht, die Welt der High-School Kids auf die Leinwand zu bringen. Das Schlechte ist jedoch, dass dies eigentlich auch schon alles ist, was Paranoid Park zu bieten hat.

Der Paranoid Park ist ein Skatergelände, etwas außerhalb der Stadt, wo sich alle treffen, die auf sich alleine gestellt sind und die den amerikanischen Traum nur vom Hörensagen kennen. Die beiden Freunde und Skater Alex (Gabe Nevins) und Jared (Jake Miller) überwinden sich eines Tages endlich und statten dem legendären Park einen Besuch ab. Sie wollen sogar noch einen Schritt weiter gehen und am Abend wiederkommen, wo es erst richtig interessant im Paranoid Park ist. Doch da Jared am Abend verhindert ist, fällt das Projekt ins Wasser. Kurz darauf wird bekannt, dass in der Nähe des Paranoid Park ein Sicherheitsbeamter tot aufgefunden wurde...

Gus Van Sant adaptiert mit Paranoid Park den gleichnamigen Roman von Blake Nelson und wagt sich mit seinem Film tief in die Welt der suburbanen Skaterjugend vor. Er konzentriert sich dabei nur auf die Jugendlichen, und für die Erwachsenen hat er nur wenig Raum übrig. Taucht doch einmal ein Erwachsener auf, so wirkt er beinahe wie ein Störkörper. Erstmals deutlich wird dies, als Alex zum Verhör mit dem Polizisten Liu (Dan Liu) gerufen wird und dieser vom Zuseher nur als Bedrohung wahrgenommen wird. Van Sant ist sich dieser Wirkung auch bewusst und versteht sie gekonnt einzusetzen.

Im Fall von Detective Liu will er beim Zuseher ein Bedrohungsgefühl wecken. Man ahnt sofort, dass Alex irgendwie mit dem Tod des Sicherheitsbeamten in Verbindung steht. Doch nicht nur in dieser Szene, sondern praktisch immer, wenn ein Erwachsener auftritt, wird dieser von Van Sant nur als rudimentär vorhanden skizziert. Sei dies Alex' Onkel Tommy (Christopher Doyle), der nur im Hintergrund vorkommt und dabei weder von Alex noch vom Zuseher richtig wahrgenommen wird, oder auch Alex' Vater (Jay Williamson), bei dem Van Sant sogar so weit geht, den Fokus so zu verdrehen, dass man ihn nur verschwommen wahrnehmen kann.

Paranoid Park ist ein Film der Jugendlichen und er schickt den Zuseher mitten in die Welt der Protagonisten hinein. Dabei behandelt er an manchen Stellen auch die typischen Teenagerprobleme, wie die Wahl der Freundin, das Drücken vor Verantwortung und die Leere im Leben, aber durch die Belastung, der Alex durch den Vorfall mit dem Sicherheitsbeamten ausgesetzt ist, verkommen all diese Probleme zu reinen Nebensächlichkeiten. Van Sant entscheidet sich dabei dafür, den Film aus einer etwas distanzierten Sicht zu zeigen, was bewirkt, dass der Zuseher einen detailierten Überblick über das Geschehen hat und die Atmosphäre aufnehmen kann, aber den Film immer als Außenstehender erlebt und sich die Bindung zu den Figuren auch in Grenzen hält.

Paranoid Park setzt sich dabei aus sehr hypnotischen Aufnahmen zusammen, und man verliert sich doch etwas in den wunderschönen Bildern von Kameramann Christopher Doyle, die durch Super 8 Skateboardaufnahmen von Rain Kathy Li ergänzt werden. Dabei versucht man nicht, die charakteristische Hektik in die Skateboard-Bilder zu bringen, sondern zeigt sie sehr stilsicher und mit ruhiger Kameraführung. Generell schlägt Paranoid Park eher ruhige Töne an, was besonders in den vielen Alltagsszenen aus dem Teenagerleben auch deutlich spürbar wird.

Paranoid Park beginnt mit einer Szene, in der Alex seine Geschichte aufschreibt. Dies ist auch der Blickwinkel, aus dem die Geschichte erzählt wird. Alex schwelgt dabei in seiner Erinnerung, und so springt das Geschehen auch schon mal unchronologisch hin und her, und wie man später sehen wird, erweist sich der gesamte Film als Schuldbewäligung von Alex, was auch erklärt, dass er nicht gleich auf den Kern seiner Belastung zu sprechen kommt, sondern sich erst langsam nach vorne arbeitet. Die Szene, die schließlich den Anstoß für die Geschichte gibt, wird erst nach über der Hälfte des Films gezeigt.

Und hier erzeugt Gus Van Sant auch Bilder, die sich dem Zuseher nachhaltig einbrennen. Wie sich der Sicherheitsbeamte, der Alex und einen Freund beim "Surfen" auf einem Frachtzug erwischt, schließlich zweigeteilt auf den Gleisen windet, und dabei seine Gedärme über den Schotter hinter sich herzerrt, hat eine Brutalität an sich, die man nicht so schnell vergessen wird. Doch trotz dieser guten Ansätze bleibt Paranoid Park gespalten in Erinnerung, und der Zugang zu der Liga der großen Filme bleibt ihm verwehrt.

Dies liegt vor allem daran, dass sich der Film zu sehr auf seine hypnotischen Bilder und seinen starken Soundtrack verlässt, es aber versäumt, dabei durchgehend spannend zu sein. Die meiste Zeit über gewährt Van Sant seinem Publikum lediglich einen Blick in das Alltagsleben der Teenager, was naturgemäß nicht gerade überwältigend ist. Einen Teil dazu tragen wohl auch die Darsteller bei, die großteils über die Internet-Seite MySpace gecastet wurden und somit zwar glaubwürdig sind, aber doch an manchen Stellen schauspielerische Qualitäten vermissen lassen. Auch fällt es auf, dass Paranoid Park durch seine unchronologische Erzählweise eine Komplexität vorheuchelt, die er nicht wirklich besitzt, und sich somit etwas im Kreis dreht. Der Film bleibt zwar dennoch interessant, aber eine gute Inszenierung kann eben nicht über eine banale Geschichte hinweg täuschen.

Fazit:
Gus Van Sant beweist mit Paranoid Park erneut, dass er es wie kein anderer versteht, die Welt der Teenager auf die Leinwand zu bringen, und er erzeugt mit seinem Film hypnotische Bilder, die den Status Quo des jugendlichen Lebens sehr gut auf das Publikum transportieren. Dennoch kann dies nicht darüber hinweg trösten, dass die Geschichte, die der Film erzählt, äußerst banal ist, und durch die unchronologische Erzählweise nur der Eindruck von Komplexität entsteht, die der Film eigentlich nicht besitzt. Auch die Laiendarsteller können nicht immer überzeugen, und somit ist Paranoid Park ein durchaus interessanter Film, der zweifellos seine kraftvollen Momente hat, der aber im Endeffekt nicht durchgehend die Qualität hält, die an manchen Stellen durchblitzt.

Wertung:
6/10 Punkte

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