Angels' Share - Ein Schluck für die Engel (2012)

OT: The Angels' Share - 101 Minuten - Komödie / Drama
Angels
Kinostart: 21.12.2012
DVD-Start: 14.03.2013 - Blu-ray-Start: 14.03.2013
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Filmkritik zu Angels' Share - Ein Schluck für die Engel

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Ken Loach ist seit den Sechzigern maßgeblich bekannt für seine politisch aufgeladenen Sozialdramen. Die Filme des links gerichteten Filmemachers spielen sich vornehmlich im Milieu der Arbeiterklasse und der sozial Schwächeren ab. Mit Angels' Share unternimmt er nunmehr den Versuch, diese Themen in eine lebensfrohe Komödie zu verpacken. "Angels' Share", "Schluck der Engel", so die Bezeichnung für die zwei Prozent, die bei der Lagerung des Whiskys üblicherweise verdunsten. Es heißt, diesen Teil würden sich die Engel holen; in Ken Loachs Story sind es vier freche junge Gauner, die sich ihren Anteil am hochprozentigen schottischen Nationalgetränk unter den Nagel reißen wollen.

Die Bande von Nichtsnutzen stiehlt ein paar Flaschen eines alten Whiskyfasses, des eine Millionen Pfund schweren "Malt Mill" und ersetzt ihn durch einen anderen, ohne dass der Käufer, der bei der Auktion mehr als eine Millionen Pfund dafür geboten hat, Notiz davon nimmt. Ein perfekter Coup, ausgeführt von denjenen, die von der Gesellschaft vergessen wurden, mit denen man am Wenigsten gerechnet hätte. Der Diebstahl des teuersten Whiskys Schottlands scheint der ideale Raub zu sein, eine Story à la Ocean's Eleven - allerdings auf Ken Loach Art. Der Anführer der Gruppe ist der junge Delinquent und werdende Vater Robbie (Paul Branningan), der zu Beginn des Films wegen eines brutalen Angriffes auf einen jungen Man verurteilt werden soll und nur knapp einer Haftstrafe entgeht. Stattdessen hat er 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu absolvieren und muss sich in einem therapeutischen Gespräch dem Opfer seiner Straftat und dessen Familie stellen.

Während Robbie von der Familie seiner Freundin Leonie (Siobhan Reilly) und von einem gewissen Clancy (Scott Kyle), mit dessen Vater bereits Robbies Familie eine Blutfehde ausfocht, brutal zusammengeschlagen wird - bietet ihm der Sozialarbeiter Harry (John Henshaw) den einzigen Ausweg aus der Gewaltspirale ("Selbst wenn du dich ändern willst, die lassen dich nicht", so Leonies Vater). Leonies Familie, die ihn nicht für gut genug befindet, verdeutlicht ihm, dass seine ganze Familie bloßer Abschaum sei und dass aus ihm auch nichts Besseres werden würde. Von Robbies eigener Familie fehlt jede Spur im Film, er wohnt in einer heruntergekommenen Wohngemeinschaft.

Unter der rücksichtsvollen Führung von Harry treten Robbie und seine Freunde widerwillig die Arbeit an. Für die Kids wird Harry zu so etwas wie einem Ersatzvater- besonders für Robbie. Harrys Rückhalt und Unterstützung scheint die einzige Hoffnung für ihn zu sein. Dank Harry erkennt er seine Leidenschaft für Whisky und wird zu einem regelrechten Experten. Doch der soziale Graben zwischen Kids wie Robbie und der Gesellschaft scheint unüberwindbar: mit seiner Vergangenheit, die sichtbar ist durch die große Narbe in seinem Gesicht, ist Robbie gebrandmarkt und somit unbrauchbar am Arbeitsmarkt. Gerade in der Gesellschaft von gut situierten Whiskykennern und -verkostern fallen die Freunde trotz ihrer Ambitionen negativ auf.

Auch wenn so manches deutlich übertrieben wirkt: die Dummheit Alberts (Gary Maitland), der weder das Wahrzeichen Edinburghs kennt und dem die Mona Lisa kein Begriff ist; die glücklichen Zufälle, die dazu führen, dass die Freunde es schaffen, ihre Flaschen teuersten Whisky um einen horrenden Preis an einen Sammler zu verhökern, dessen Kunde nicht an einem Beweis interessiert ist, ob dies der Millionen schwere Whisky ist. Trotz der kleinen Stolpersteine bleibt der Film authentisch, unter Anderem dank Paul Branningans Darstellung und Verkörperung des Robbie.

Fazit:
In Angels' Share gibt es viele Schmunzelmomente, als auch bedrückende und ausweglos scheinende Szenen (besonders stark ist die therapeutische Gegenüberstellung Robbies mit dem Opfer seiner Gewalttaten), beides wird jedoch nicht völlig ausgelotet und die Mischung macht’s: Es bräuchte eigentlich mehr solcher Komödien, die zum Brüllen komisch sind und gleichzeitig Hoffnung spenden. Komödien, die sich nicht nur auf Kosten der Verlierer lustig machen oder von einem Aufstieg in der Gesellschaft erzählen, sondern die stattdessen zeigen, wie solche Kids das Beste aus ihren Ambitionen machen und sich auf illegale Art durchschlagen, wie sie es gewohnt sind. Der Film ist kritisch, macht aber gleichzeitig großen Spaß, ohne uns die Probleme der Jugendlichen zu verschleiern. Was jedem anderen 76-Jährigen Regisseur hätte misslingen müssen, nämlich den Alltag der arbeitslosen Jugend darzustellen, gelingt Loach meisterhaft, sodass nicht einmal das vielleicht etwas kitschige Ende einem guten Kinoerlebnis im Weg steht.

Wertung:
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