Marina Abramovic: The Artist Is Present (2012)

OT: Marina Abramovic: The Artist Is Present - 106 Minuten - Dokumentation / Biographie / Geschichte
Marina Abramovic: The Artist Is Present (2012)
Kinostart: 09.11.2012
DVD-Start: 17.04.2013 - Blu-ray-Start: 17.04.2013
Will ich sehen
Liste
17729
Bewerten:

Filmkritik zu Marina Abramovic: The Artist Is Present

Von am
Künstlerin, Rockstar, Mensch, selbst Kunstwerk? Die Performance-Künstlerin Marina Abramovic ist eine herausragende Persönlichkeit, die wohl so schnell niemanden kalt lässt. Die Regisseure Matthew Akers und Jeff Dupre haben versucht dem Phänomen auf die Spur zu kommen und ihr Leben aufzuarbeiten. Anhand ihrer Retrospektive und neuen Performance “The Artist is Present” im New York Museum of Modern Art wird ein Rückblick auf ihr Leben geworfen und versucht ihre Persönlichkeit zu ergründen. Dabei haben sich die Filmemacher aber scheinbar etwas im Charisma der Künstlerin verfangen, sodass der dabei entstandene Dokumentarfilm schon beinahe einem Werbespot für die Künstlerin gleicht.

Marina Abramovic hat ein bemerkenswertes Leben hinter sich. Begonnen hat alles als junge, hungrige Performance-Künstlerin, zu einer Zeit, als viele noch die Frage stellten, was denn an solchen Performance-Stücken denn überhaupt Kunst darstellt. Es folgt die leidenschaftliche Liebe zum Performance-Künstler Ulay, mit dem sie in einem Van lebt und radikal ihre Kunst ausübt. Nach der harten Trennung, folgt ein Bruch. Abramovic fühlt sich plötzlich zu weltlichen Dingen hingezogen und wird zum wohlhabenden Star in der Kunstszene. In der Gegenwart angelangt veranstaltet das Museum of Modern Art eine Retrospektive mit ihren bemerkenswertesten Arbeiten. Mit dabei ist auch das neue Programm “The Artist is Present”, das nicht weniger bedeutet, als dass Abramovic während der gesamten Dauer der Ausstellung regungslos auf einem Stuhl sitzt, während ihr gegenüber ein Besucher der Ausstellung Platz nehmen kann. Viele nehmen dies als enorm intensive Erfahrung wahr und bald schon wird die Ausstellung zum riesigen Hit...

Die Person Marina Abramovic ist für den Film Fluch und Segen zugleich. Natürlich trägt sie den Film auf ihren Schultern und ihr Charisma überstrahlt alles was auf der Leinwand geschieht - man hängt ihr förmlich an den Lippen und lauscht gespannt was sie zu erzählen hat. Aber auf der anderen Seite spürt man auch deutlich, dass es den Regisseuren des Films dabei ganz ähnlich gegangen ist. Das verhindert natürlich jede Form der kritischen Betrachtung und führt dazu, dass der Film auch zum plumpen Werbevideo für die Marke Abramovic wird. Alles wirkt kalkuliert, etwas gekünstelt und wohl überlegt. Man vermisst etwas die ungezwungene Spontanität oder auch einmal ein Hinterfragen.

Aber das soll keinesfalls bedeuten, dass die Dokumentation misslungen ist. Der Unterhaltungswert ist enorm hoch und auf emotionaler Ebene funktioniert der Film ausgezeichnet. Die tragische Liebesgeschichte, inklusive Magic Moment, wenn sich die beiden schließlich während der Performance “The Artist is Present” still gegenübersitzen, das ist Material das dem Publikum nahe geht. Auch ist es hoch interessant zu sehen wie aus der hungrigen, engagierten und vor allem äußerst unmittelbaren Künstlerin eine Marke wird, die ihre Kunst nutzt um einen gewissen Wohlstand zu erhalten - allerdings fehlt eben gerade in diesem Punkt natürlich das kritische Hinterfragen, das notwendig gewesen wäre.

Andererseits besteht auch eine gewisse Lücke im Film. Man sieht die junge Abrambovic und später die wesentlich kalkulierendere Marke Abramovic, aber man vermisst etwas den Prozess, der dazu geführt hat. Doch trotz seinen Schwächen ist Marina Abramovic: The Artist is Present ein sehenswerter Dokumentarfilm, besonders, da man tatsächlich die Intensität ihrer Performancearbeit erahnen kann und ihre extremen Ansätze einen faszinierenden Charakter haben. Man sollte sich nur der Tatsache bewusst sein, dass man hier kein rundes, sondern ein tendenziell einseitiges Künstlerportrait vor sich hat, das man selbst hinterfragen muss, um nicht auch als Zuseher im Charisma von Abramovic hängen zu bleiben.

Fazit:
Marina Abramovic: The Artist is Present ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite versteht es der Film ausgezeichnet das Publikum um den Finger zu wickeln und dank dem fast schon greifbaren Charisma von Abramovic, ist man auch emotional stets voll dabei. Andererseits kann man aber das Gefühl nicht abschütteln, dass sich auch die Filmemacher in diesem Charisma verloren haben, was leider dazu führt, dass der Dokumentarfilm zum bloßen Werbespot für die Künstlerin verkommt - das muss nicht unbedingt schlecht sein (da der Werbespot zumindest ein guter ist), aber man sollte sich der Tatsache doch zumindest bewusst sein.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
67%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
33%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The Invisible String (2012)
The Act of Killing (2012)
12 Years a Slave (2013)
Senna (2010)
Dallas Buyers Club (2013)
Der Blender - The Imposter (2012)
Schindlers Liste (1993)
Lincoln (2012)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Viennale 2012 - Top 10
Liste von The Godfather
Erstellt: 19.12.2012