Jarhead - Willkommen im Dreck (2005)

OT: - 122 Minuten - Antikriegsdrama
Jarhead - Willkommen im Dreck (2005)
Kinostart: 05.01.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Jarhead - Willkommen im Dreck

Von am

 

„Jeder Krieg ist anders, jeder Krieg ist gleich!"

 

Das war mein Krieg, und ich habe meine Waffe nie abgefeuert. Diese Worte spricht  Anthony Swofford (Jake Gyllenhaal) nach dem alles vorbei ist. Doch für ihn wird niemals alles ganz vorüber sein. Er war bei den Marines, genoss die härteste Ausbildung und brachte es bis zum Scharfschützen. Dann brach der Golf Krieg aus und Anthony wurde in die Wüste geschickt. Dort langweilen sich die Soldaten zu Tode, warten sehnsüchtigst darauf schießen zu dürfen und verbringen ihre Tage mit den einfachsten Dingen wie Hydrieren, Dehydrieren, Briefe lesen und Masturbieren. Am Ende werden sie nach Hause fahren, ohne jemals auf den Feind geschossen zu haben. Der Krieg ist zu Ende, und sie haben nichts dazu beigetragen. Dennoch wurden sie von ihrem Ausflug in die Hölle bis in ihre Grundfesten verändert. Egal was sie jetzt noch tun werden, sie werden immer Teil des Krieges bleiben...

 

Jarhead basiert auf dem gleichnamigen Buch, das gleichzeitig die Autobiographie des Scharfschützen Anthony Swofford darstellt. Verfilmt wurde es von keinem geringeren als dem genialen Sam Mendes, der nach Meisterwerken wie American Beauty oder Road to Perdition längst kein Unbekannter mehr ist. Das brillante am Antikriegsfilm Jarhead ist, dass so gut wie keine Action vorkommt. Wenn man über den Golfkrieg spricht denken alle sofort an Bombenangriffe und haben vorprogrammierte Bilder im Kopf. Sam Mendes wirft alle diese Bilder über den Haufen und zeigt uns das Geschehen aus der Sicht der Bodeneinheiten, die krampfhaft versuchen ihre Langeweile in den Griff zu bekommen.

 

Zu Beginn sehen wir die Ausbildung der Marines, die eine kleine Hommage an Stanley Kubricks Full Metal Jacket darstellt. Von Anfang an sticht auch der brillante Stil von Sam Mendes ins Auge. Er baut viele humorvolle Szenen ein, die den  Zuseher die spätere Dramatik umso härter treffen lassen. Vor allem der Soundtrack erweist sich als perfekt. Selten hat ein Film eine derart brillante Musikuntermalung vorweisen können. Zum Beispiel wird zu einer Prügelszenen „Don´t worry, be happy" gespielt. Dies passt perfekt in die Aufmachung des Films und verleiht ihm über die gesamte Spieldauer einen einzigartigen Charme.

 

Das Drehbuch von Jarhead ist außergewöhnlich gut. Der Film erzählt kompromisslos die Geschichte von Swoff und Sam Mendes zeigt auch unorthodoxe Szenen wie die Masturbation auf der Toilette oder das Betrügen der daheimgebliebenen Frauen. Jarhead erreicht viel psychologische Tiefe und zeigt gekonnt wie sich die Mentalität der Truppe durch ihren Kriegseinsatz verändert hat. Sie mussten eine der härtesten Ausbildungen der Welt über sich ergehen lassen, nur um sie am Ende sowieso nicht einsetzen zu dürfen. Stattdessen patroulieren sie mitten im Nirgendwo  und wissen vor lauter Langeweile nicht mehr was sie tun sollen. Diese Anspannung kommt deutlich zum Vorschein als Swoff ausrastet und beinahe einen eigenen Kameraden tötet weil dieser ihm Strafdienst einbrachte, oder als Swoffs Partner Troy (Peter Sarsgaard) durchdreht weil ihnen die letzte Chance auf einen Schuss verwehrt wird. Hinzu kommt noch die stetige Sorge um die Treue der Freundin zu Hause, und langsam werden die Männer immer verrückter. Die Befreiung der Aufgestauten Wut wird durch Sam Mendes perfekt dargestellt in dem nach dem Ende des Krieges alles Soldaten ihrer Frustration freien Lauf lassen und ein ganzes Magazin in den Himmel schießen. Am Ende haben sich alle verändert. Sie mögen wieder zuhause sein, aber der Krieg wird in ihren Herzen immer weiterleben.

 

Die Darsteller des Films sind vom Feinsten. In der Hauptrolle trägt Jake Gyllenhaal souverän durch den Film. Zuvor konnte er sein Talent bereits im brillanten Donnie Darko zur Schau stellen und seine charmante und verträumte Herangehensweise passt sich perfekt ins Gesamtbild des Films ein. An seiner Seite liefert Peter Sarsgaard eine Meisterleistung ab und avanciert zum schauspielerischen Höhepunkt des Films. Er konnte bereits in Garden State zeigen was er kann, aber seine Leistung in Jarhead ist sein absoluter Karrierehöhepunkt. Er ist den ganzen Film über der Ruhepol des Platoon nur um sich dann im Finale total zu entladen und ein Feuerwerk der Gefühle zu entzünden. Jamie Foxx, der nach seinem Riesenhit Collateral und seiner Oscarprämierten Rolle in Ray mit Stealth eine eher beschämende Vorstellung gab hat sich wieder erholt und zeigt sich in Jarhead wieder von seiner guten Seite. Als Staff Sgt. Sykes spielt er sein ganzes Können aus und überzeugt auf ganzer Linie. Er erinnert dabei irgendwie an R. Lee Ermeys Darstellung des Gunnery Sgt. Hartman in Full Metal Jacket, bringt aber genügend eigene Aspekte in die Rolle ein.

 

Sam Mendes ist mit Jarhead das ungewöhnliche Kunststück gelungen einen  Film zu drehen der auf allen Ebenen funktioniert. Aus stilistischer Sicht ist der Film durch seine genialen Kameraeinstellungen, den schönen Bildern, den perfekten Soundtrack und seinem Humor überzeugend. Zusätzlich wird eine psychologische Analyse der Soldaten geboten die ihres gleichen sucht und ihre beeindruckende Charakterentwicklung wunderbar portraitiert. Hinzu kommen noch poetische Ansätze, wie sie Sam Mendes schon in American Beauty zeigte. Diese sind zum Beispiel Swoffs Traum, in dem er Sand erbricht. Dieser wird mit „Something in the way" von Nirvana unterlegt und erreicht beinahe die Brillanz der Videoszene in American Beauty, in der man einen Beutel im Wind fliegen sieht. Eine andere poetische Szenen ist als Swoff im Ölregen steht und feststellt dass sogar der Himmel blutet.

 

Trotz vieler cooler und witziger Szenen kann man Jarhead auf keinen Fall ankreiden ein kriegsverherrlichender Film zu sein. Die Psychologie der Soldaten wird bis ins kleinste Detail beleuchtet und ihrer Charakterentwicklung vom Beginn der Ausbildung bis ihrer Rückkehr aus dem Krieg wird gekonnt dargestellt. Die Schrecken des Krieges werden gezeigt und Sam Mendes lässt den Zuseher auf seine eigene Weise spüren wie grausam der Krieg sein kann. Nämlich in dem er absolute Killermaschinen die Chance nimmt zu töten und ihnen statt dessen ihrer eigenen Psyche ausliefert. Die Soldaten werden ihrem inneren Zwiespalt überlassen: Zwar wollen sie unbedingt ihre Ausbildung anwenden, aber andererseits bereuen sie ihren Beschluss sich zu verpflichten auch des öfteren. So gibt Swoff bei einem Interview zu das er nur hier ist weil er dumm genug war zu unterschreiben. Die Langeweile und Anspannung scheint grenzenlos und beeinflusst die Psyche der Soldaten bis an ihr Lebensende.

 

Marines sind Befehlsempfänger und haben nicht zu denken. Das wird uns deutlich gezeigt als ihnen Apocalypse Now als Propagandamaterial vorgespielt wird. Dies zeigt uns dass mit der richtigen Manipulation sogar das kritischste Werk zum Thema Krieg noch als Werbung benutzt werden kann. Insgesamt bietet Jarhead natürlich viele Anspielungen auf frühere Kriegsfilme ohne jemals von ihnen zu stehlen. Stattdessen entwickelt er seinen eigenen Stil. Die Bilder der brennenden Ölfelder sind genial und werden sicher ihren Platz in der Filmgeschichte finden. Außerdem ist der Humor des Films, der gekonnt von der Musik unterstützt wird, einzigartig und verstärkt noch die Dramatik der ernsten Szenen.

 

Insgesamt ist Jarhead für mich ein Film der sich auf dem Niveau eines Full Metal Jacket bewegt. Der einzige Kritikpunkt ist dass er teilweise eine winzige Spur zu langatmig ist. Dies tritt aber nur in sehr geringen Maßen auf und stört nicht wirklich. Jarhead bietet etwas für die Augen, für die Ohren und fürs Gehirn. Kein Filmfan sollte diesen Film auslassen.

 

Fazit:

Jarhead, ist ein kritisches und unterhaltsames Meisterwerk über den Golfkrieg. Der Stil des Films ist einzigartig, die Schauspieler fabelhaft und der Soundtrack sucht seines gleichen. Absolut empfehlenswert!

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 48
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