God Bless America (2011)

OT: God Bless America - 105 Minuten - Komödie
God Bless America (2011)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 14.02.2013 - Blu-ray-Start: 14.02.2013
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Filmkritik zu God Bless America

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Ist jemandem der Name Bobcat Goldthwait noch von Begriff? Der Typ, der diese obskure Figur mit der schrillen Stimme in der Police Academy-Reihe spielte. Es wird für ein paar Filmbegeisterte sehr überraschend zu hören sein, dass dieser Mann nach wie vor umtriebig ist und mit GOD BLESS AMERICA einen Film machte, der beträchtlich weniger durch seine Machart als durch seine Thematik die Neugier des Publikums gewinnt.

Frank (Joel Murray) gehört zu jenen Menschen, die sich aufgrund ihrer Prinzipientreue und moralischer Erhabenheit in einer immer taktloser werdenden Umgebung selbst ins soziale Abseits führen. Er erreicht den absoluten Tiefpunkt als er aufgrund missverstandener Freundlichkeit wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz entlassen wird und sein Arzt einen Gehirntumor diagnostiziert. Geschieden und von seiner kleinen Tochter ungeliebt, entscheidet er sich dafür sich selbst das Leben zu nehmen. Doch dann inspiriert ihn das Trash-Fernsehen dazu ein paar Menschen mitzunehmen bevor er selbst abtritt. Bei der Frage, wer es zu sterben verdient, bekommt Frank unerwartete Hilfe von der Teenagerin Roxy (Tara Lynne Barr)...

Das Fernsehen als Handlungsmotiv und das Vater-Tochter Verhältnis mit sexueller Spannung ist kein Novum. Ein Jahr zuvor (2010) erlebte das amerikanische Kino mit SUPER ein echtes Independent-Meisterwerk das eine Geschichte von zwei gegensätzlichen Außenseitern erzählt: der eine von dem die Gesellschaft nichts mehr wissen will und die hübsche und radikale Außenseiterin, die sich ihren Weg aus dem engen Raum ihrer aufgezwungenen Möglichkeiten freiballern möchte.

Bobcat G. hat diesen Film entweder nie gesehen oder weigerte sich schlichtweg sein Drehbuch grundlegend umzuschreiben. Obgleich die zwei Duos völlig unterschiedliche Ziele verfolgen, ist ihre Ausgangslage sehr ähnlich. Überhaupt wird man um die Vergleiche mit SUPER nicht umhin kommen. Ohne es ausleiern zu wollen sei nur festzuhalten, dass GOD BLESS AMERICA gegenüber SUPER auf jeder Ebene den Kürzeren zieht. Der Hauptgrund liegt nicht einmal in der mangelnden Harmonie der Hauptcharaktere, es ist der lasche Umgang mit Gewalt und Gewalthandlungen. GBA hat das Problem, dass es seine Radikalität mit einer im höchsten Maße konformistischen Sprache, die nach ständiger Legitimation für Selbstjustiz sucht, vermitteln will – während SUPER auf mehreren Ebenen wie ein unerwarteter Schlag ins Gesicht der eigenen Wahrnehmung innerhalb des Films eine Neuordnung aufdrängt.

GBA ist ein Road-Trip durch das gespaltene Amerika, dass vom beleseneren Teil der Bevölkerung spöttisch als „Murica“ bezeichnet wird, um sich in Zeiten ideologischer und kultureller Radikalisierung von religiösem Fundamentalismus, Teapublicans, mediengeiler Talentlosigkeit und im weitesten Sinne institutionell bedingter geistiger Unterentwicklung möglichst zu distanzieren. Insofern ist der Film am ehesten als ein Wutausbruch gegenüber kulturellen Missständen zu verstehen. Leider auch nicht mehr als das. Aufgrund des transparenten Umgangs kann der Film kaum wie Gus Van Sants ELEPHANT oder James Gunns SUPER entsprechend bedeutsame Diskurse lostreten. Dafür steht der Film für sich  zu sehr wie ein mahnendes Protestschild. GBA macht immer nur Statements welche Menschen den Tod verdient haben und erklärt sich unentwegt. Das Zwiespältige zwischen gefährlich und ungefährlich an diesem Film ist, dass er sich selbst als simple Gewaltphantasie entblößt. Pointiert aber zu offensichtlich.

An diesem Punkt darf GBA nicht ernst genommen werden: überraschender als das an jeder Ecke stereotype Wesen anzutreffen sind, ist der kuriose Zufall wie die Protagonisten mit ihnen ständig in Konflikt geraten.  Da verkommt der Film zu einer To-Do-Liste von allen denkbaren Idioten, dass dieses Land aufzubieten hat.

Ein Amoklauf ist in anderen Filmen schon allein dadurch erklärt worden, dass der Protagonist aufgrund seiner Einsamkeit und gesellschaftlicher Leblosigkeit nicht die Möglichkeit nach Selbstentfaltung sieht, sondern zu einem emotional abstumpfenden Stück Fleisch verkommt, das in die Ecke gedrängt wurde; auf  dem Weg zum letzten Gefecht. GBA interessiert diese innere Auseinandersetzung nicht wirklich. Aber letztendlich bleibt zugute halten zu müssen, dass ein verflucht schwieriges Thema aufgegriffen wurde und mit fast kindlicher Ehrlichkeit aufgearbeitet ist. Aus selbem Grund bleibt als der große Minuspunkt die Hauptfiguren, die oftmals nur wie Bobcats Sprechblasen wirken und im gleichen Maße ihr Eigenleben vergessen. Das Töten in diesem Film ist wahrsten Sinne des Wortes ein gemütlicher Nachmittag mit Tontaubenschießen und kein Amoklauf.

Fazit:
Obwohl die Kritik eine zutiefst amerikanische ist, kann sie zumindest durch jahrzehntelange Amerikanisierung unserer Medienlandschaft bis zu einem gewissen Grad nachvollzogen werden. Was abhanden kommt und die Kritik zu einer rein antiamerikanischen macht, ist der Versuch einer Annäherung an die pathologisch indifferente Wahrnehmung geistig verkommener US-Bürger und wie weit der kulturelle Rückschritt den Amoklauf in USA als gesellschaftsfähig etablierte. GOD BLESS AMERICA ist kein sehr guter Film, schon gar kein großartiger. Doch ist Bob Goldthwait eins zuzugestehen – auch wenn er ein hochgradig moralisches Werk kreiert hat, so zögert er nicht durch den, nicht immer im Einklang verlaufenden Dialog seiner zwei Hauptprotagonisten sich der Selbstkritik zu unterziehen. Seine zentrale Aussage lautet: Nur weil zwei Menschen die Gesellschaft aus guten Gründen verachten, heißt es noch lange nicht, dass ihr Bündnis eine neue und ideale Gesellschaft zu formen fähig wäre. Ein dafür sehr interessanter Film, der beim zweiten oder dritten Mal ansehen ungeahnte Qualitäten frei legen könnte.  

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
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