Jack Reacher (2012)

OT: Jack Reacher - 130 Minuten - Krimi / Drama
Jack Reacher (2012)
Kinostart: 04.01.2013
DVD-Start: 06.05.2013 - Blu-ray-Start: 06.05.2013
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Filmkritik zu Jack Reacher

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One Shot. Der Autor Lee Child hat ganze 17 Romane mit der Serienheld Jack Reacher gebraucht, bis schließlich einer davon, sein neunter, verfilmt wurde. In Anbetracht seiner eigenen Angaben zur Hauptfigur, er wolle mit Jack Reacher einen normalen, unkomplizierten und anständigen Titelhelden schaffen, klingt die Verpflichtung von Hollywoodstar Tom Cruise als Protagonist zunächst merkwürdig, da ein neues, frisches Gesicht wohl eher der Aussage entspricht. Mit der Besetzung des oscar-prämierten Regisseurs Christopher McQuarrie (The Usual Suspects, Valkyrie) neben dem Kassenmagnet Cruise wird also auf Nummer sicher gegangen. Der doppelte Boden hält letztendlich auch was er verspricht, vermag es aber nicht über die Grenzen des Genres hinauszuwachsen.

Auf den Straßen einer Kleinstadt in Indiana werden bei einem grausamen Massaker fünf Menschen kaltblütig erschossen. Alle Indizien sprechen zweifelsfrei gegen den ehemaligen Armee-Scharfschützen James Barr (Joseph Sikora), doch während des Verhörs bringt dieser nur drei Worte über die Lippen: „Holt Jack Reacher!” Jack Reacher (Tom Cruise) ist ein genialer Ex-Ermittler des Militärs und ein zynischer, unberechenbarer Einzelgänger. Er erscheint nur auf der Bildfläche, wenn er gefunden werden will und macht im Namen der Gerechtigkeit gnadenlos Jagd auf jene, die unter dem Deckmantel des Gesetzes Menschen töten. So wie im Fall des Verdächtigen James Barr. Dieser hatte während des Golfkriegs vier Menschen ermordet und wurde lediglich aus politischen Gründen nicht verurteilt. Damals hatte Reacher geschworen, ihn dorthin zu bringen wo er hingehört – hinter Gitter. Doch warum sieht Barr nach der jüngsten Schießerei in seinem erbitterten Erzfeind seine einzige Chance? Was zunächst nach einem routinierten Fall aussieht, entwickelt sich schon bald zu einem perfiden Komplott, in dem Reacher und vor allem der raubeinige, ehemalige sowjetische Gefangene “The Zec” (Werner Herzog) eine tragende Rolle zu spielen scheinen. Reacher sieht sich plötzlich mit einem einflussreichen und skrupellosen Feind konfrontiert. Gemeinsam mit der Anwältin Helen Rodin (Rosamunde Pike) und dem Kriegsveteran Cash (Robert Duvall) begibt sich Reacher auf eine nervenzerreißende Verfolgung nach dem Bösen. Ein tödliches Katz- und Maus-Spiel beginnt…

Die Inszenierung des Katz- und Maus-Spiels ist einwandfrei und schnörkellos, manchmal sogar an der Grenze der Karikatur, aber nie darüber. Frauen, Schießereien, zynisch-coole Sprüche, Barschlägereien und eine (äußerst sehenswerte) Verfolgungsjagd mit einem Muscle-Car: Klischees wohin das Auge reicht. Wäre die Prise an Selbstironie und das Spiel mit der Erwartungshaltung des Zusehers auch nur einen Tick zu kurz geraten, würde der Film an sich selbst scheitern. So kriegt er immer wieder genau dann die Kurve, wenn er zu kippen droht. Ein Grenzgänger im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür, dass der Film knapp 130 Minuten dauert und sich die Höhepunkte in Grenzen halten, ist die Handlung sehr kompakt gestrickt und das Tempo angenehm flott. Nach dem Film hält sich die Begeisterung aber deutlich in Grenzen. Obwohl alles zufrieden stellend war, hat letztendlich irgendwas gefehlt.

Das größte Problem hat Jack Reacher damit, den richtigen Ton zu finden. Für einen John McLane zu zahm, für einen Jason Bourne zu selbstironisch und für einen James Bond zu charakterlos. Die Oneliner und schlagfertigen Kommentare halten sich in Grenzen, die Actionhöhepunkte sind spärlich gesät und die investigative Aufklärungsarbeit, wer denn nun hinter der Sache steckt, wird in sporadischen Zusammenhängen schnell erklärt. Mit Tom Cruise hat Jack Reacher ein solides, wenn auch zu glattes und formelles Gesicht bekommen. Dass Jack Reacher im Roman ein knapp 2 Meter Brett ist und im Film durch den 1,69cm "großen" Tom Cruise dargestellt wird, stört gar nicht so. Es ist eher das Konventionelle, das ohne Ecken und Kanten Sein, dass Cruise verkörpert. Genau das ist Gift für die Darstellung eines jeden Anti-Helden. Dieser Kompromiss erreicht mit Sicherheit ein großes Publikum, macht die ganze Sache aber auch austauschbarer.

Für Tom Cruise scheint Jack Reacher reine Routine zu sein. Gewohnt selbstbewusst mimt er den Ex-Militär, der sich dem Eremitendasein verschrieben hat. Zum Glück funktioniert die Chemie zwischen Rosamunde Pike und Cruise hervorragend, sodass ihre gemeinsame Screentime zu den stillen Höhepunkten des Drehbuchs gehört. Auch Altmeister wie Robert Duvall, der einen grandios abgebrühten Auftritt hinlegt oder Richard Jenkins als unantastbarer Staatsanwalt runden den Cast durchaus homogen ab. Unbedingt zu erwähnen sind die wenigen, bizarren Auftritte von Werner Herzog als Bösewicht "The Zec". Seine fatalistische Sprechart wird von einem toten Auge und nur wenigen Fingern an seinen Händen zusätzlich mystifiziert. Herzog sorgt mit seiner bloßen Anwesenheit für eine gelungene und furchteinflößende Abwechslung.

Fazit:
Jack Reacher ist genau das, was man sich erwarten kann. Ein flotter Actioner, der zwar keine großen Stärken hat aber genauso wenig markante Schwächen. Leider traut sich McQuarrie keine richtigen Zugeständnisse zu machen und so bleibt Jack Reacher lediglich Durschnittskost mit Potential nach oben. Für kurze Unterhaltung reicht es aber allemal und so bleibt zu hoffen, dass bei den derzeitigen Gesprächen für eine Fortsetzung des Franchises in Zukunft ein mutigerer Zugang zu dem Normalo-Helden gefunden wird.

Wertung:
7/10 Punkte
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Ø Wertung: 6.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 17
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