Zero Dark Thirty (2012)

OT: Zero Dark Thirty - 157 Minuten - Action / Drama / Geschichte / Thriller
Zero Dark Thirty (2012)
Kinostart: 01.02.2013
DVD-Start: 06.06.2013 - Blu-ray-Start: 06.06.2013
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Filmkritik zu Zero Dark Thirty

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Vor vier Jahren wurde Kathryn Bigelow mit ihrem fantastischen Testosteronkracher The Hurt Locker zur ersten Frau, die den Oscar für die Beste Regie in Empfang nehmen durfte. Nun hat sie ihren nächsten Film Zero Dark Thirty am Start und nach den Lobeshymnen der US-Kritiker und den bereits verteilten Kritikerpreisen zu urteilen (Zero Dark Thirty hat die bisher vergebenen Kritikerawards, der Kritikergilden aus New York und Boston sowie vom National Board of Review dominiert) muss man Frau Bigelow auch dieses Jahr wieder zu den heißesten Oscarfavoriten zählen. Und das obwohl ihr fragmentarischer, sehr journalistisch anmutender Film mit einigen Sehgewohnheiten bricht. Zero Dark Thirty ist in Summe ein Film, der formal und inhaltlich durchaus überrascht und überzeugt, aber letzten Endes nicht den packenden Charakter von The Hurt Locker besitzt.

11. September 2001: Die Angriffe auf das World Trade Center lassen die gesamte Welt verstummen und resultieren in eine Zeit voll Angst und Misstrauen. Da mit Osama Bin Laden bald schon der mutmaßliche Drahtzieher ausgemacht ist, setzen die USA alle Hebel in Bewegung um dem Terrorismus den Kampf anzusagen. An vorderster Front kämpfen Maya (Jessica Chastain) und Dan (Jason Clarke) - zwei CIA Agenten, die für die Drecksarbeit da sind. Verdächtige werden gefoltert um neue Informationshäppchen zu gewinnen, die zu den nächsten Verdächtigen führen, die wieder gefoltert werden. Ein ewiger Kreislauf, durch den man hofft am Ende Osama Bin Laden zu erwischen. Doch: Ändert sich überhaupt so viel, wenn man ihn erwischt?

Der journalistische Background von Drehbuchautor Mark Boal ist allerspätestens in Zero Dark Thirty nicht mehr zu übersehen. Bereits in The Hurt Locker, der ersten Zusammenarbeit zwischen Boal und Bigelow, erkannte man eine sehr spürbare Authentizität, aber hier erreicht dieser Tonfall eine neue Ebene. Während The Hurt Locker seine Qualitäten trotz allem großteils aus der cineastischen Verarbeitung durch Bigelow und ihr Gespür für das bewegte Bild bezog, sind die Rollen in Zero Dark Thirty nun eher umgekehrt: Im Zentrum steht klar die penible Recherche, die präzisen Dialoge und die ambitionierte, zerfranste Struktur des Films. Bigelow leistet ebenso viel, da es ihr gelingt all diese Momente zu einem fesselnden Film zu bündeln, aber ihre Regie ist weit weniger augenscheinlich als in The Hurt Locker, sondern wesentlich subtiler.

Dank seiner sehr fragmentierten Struktur ist Zero Dark Thirty für das Publikum allerdings weniger ergiebig als The Hurt Locker. Insgesamt hat man an manchen Stellen den Eindruck, dass der Film eher Respekt und Anerkennung hervorruft, als dass er das Publikum wirklich beim Herzen packt und mitreisst. Aber daran soll es nicht scheitern, da Zero Dark Thirty über Qualitäten verfügt, die man nicht allzu oft sieht. Vor allem gelingt es dem Film komplexe Prozesse anschaulich zu machen und besonders die narrative Konstruktion ist ein kleines Kunststück: Der Film spielt in einem Zeitraum von 10 Jahren und immer wieder werden fragmentarische Einzelhäppchen gezeigt, worauf wieder ein Zeitsprung folgt.

Das Besondere ist nun, dass sich die Einzelhäppchen dennoch aneinanderfügen, und zwar nicht unbedingt im Sinne der klassischen Erzählstruktur des Hollywoodkinos. Man sieht nicht zwingend die durchgehende Geschichte eines Charakters, man sieht viel eher die durchgehende Entwicklung eines abstrakten Prozesses. Der eigentliche Protagonist des Films ist die Jagd, die Suche nach Sicherheit, die Hoffnung auf eine bessere Welt - und die unglaublichen Tabus, die gebrochen werden um diese Welt zu erzwingen, nur um am Ende vor der Frage zu stehen, ob es überhaupt eine Heilung vom Terrorismus geben kann. Ob ein einziger Mann das alles wert war, oder ob die skrupellose Jagd nicht viel eher dazu führt, dass am Ende ein neuer Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt beginnt, lässt der Film offen - wir werden es sehen.

Ähnlich wie in The Hurt Locker wählt Bigelow auch in Zero Dark Thirty eine neutrale Position und nimmt eine beobachtende Haltung ein. Der Film spart nichts aus, beschönigt nichts und kommentiert auch nicht. Es wird gezeigt wie der Willen von Menschen gebrochen wird, wie Verdächtige gefoltert werden und wie sich alles Menschliche aus dieser Welt verabschiedet. Gleichzeitig werden aber auch die Folgen des Terrorismus gezeigt und es wird durchaus nicht ausgespart die Konsequenzen zu vermitteln, falls es den Foltereren nicht gelingen sollte, die Informationen aus ihren Opfern herauszubekommen. Der Film überlässt die Moral also dem Zuseher und nimmt sich nicht heraus über die eine oder die andere Seite zu urteilen. Es ist viel eher das Zeigen eines ewigen Teufelskreis und das Beleuchten von Tabus, das ihn auszeichnet. Wie man das Gesehene verarbeitet liegt dann beim Beobachter.

Getragen wird der Film von den beiden grandiosen Leistungen von Jason Clarke und Jessica Chastain, die brillant durch die gesamte Varianz an ambivalenten Gefühlen führen und letzten Endes gerade durch ihr wenig aufdringliches Spiel überzeugen. Beide verschwinden förmlich in ihren Rollen und liefern den perfekten Haken um den Zuseher in die dunklen Abgründe der Terrorbekämpfung zu ziehen. Wie bereits Eingangs erwähnt ist Zero Dark Thirty dabei (im Gegensatz zu The Hurt Locker), kein Film, der den Zuseher direkt packt und unmittelbar ins Geschehen reisst. Die ungefilterte Eindringlickeit fehlt etwas. Das wird manche abschrecken, aber was dem Film dafür ausgezeichnet gelingt ist es, den abstrakten Begriff Terrorbekämpfung anschaulich zu machen und zu zeigen, was alles hinter einer einzigen Schlagzeile stehen kann.

Fazit:
Zero Dark Thirty führt uns vor Augen was alles wirklich hinter dem obskuren Begriff Terrorbekämpfung steht. Kathryn Bigelow und Autor Mark Boal zerfransen die Jagd nach Osama Bin Laden in eine Vielzahl von moralisch höchst ambivalente Subprozesse und zeigen welch dreckiger Job es ist zu versuchen die Sicherheit von Nationen zu wahren. Gleichzeitig hinterfragt der Film indirekt die Sinnhaftigkeit der Operation und wirft gerade durch seine neutrale Position unglaublich viele Fragen auf. Zugegeben: Zero Dark Thirty ist nicht so packend wie The Hurt Locker, aber dafür sagt der Film eine ganze Menge darüber aus, wie die Welt im post-09/11 Zeitalter funktioniert. Höchst ambitioniert und filmisch beeindruckend, aber für den Zuseher ist es eine eher abstrakte Kinoerfahrung, die mehr über Prozesse, als über Menschen aussagt.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.2/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 30
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